Freitag, 20. August 2010

Rentenkürzung in Holland

Da jammern wir über die Rente ab 67 und Nullrunden, und in Holland droht eine Rentenkürzung um 14 Prozent!

14 Prozent!!!

Und zwar nicht irgendwie im Jahr 2027, sondern schon ab kommendem Jahr!

Wie das?

Ja, in Holland haben die nämlich genau das nicht, was bei uns ja so gerne kritisiert wird. Bei uns zahlen die aktuellen Beitragszahler die Rente der aktuellen Rentner. Und die Medien werden nicht müde, zu betonen, wie "anfällig" ein solches System sei. Weil es in Zukunft wegen des "demografischen Wandels" und der "radikal gestiegenen Lebenserwartung" einfach "nicht mehr trägt".

Wie gut, dass es die Holländer doch so viel besser gemacht haben. Bei denen wird die Altersrente nämlich durch private Pensionsfonds erwirtschaftet.

Denn: Privat ist super! Privat ist gewinnorientiert! Privat ist geil! Privat heißt Wettbewerb!!!

Und vor allem: Privat heißt irgendwie, dass der Einzahler "sein" Geld "behält"!

Bei uns ist das ja so doof, weil von "unserem" Geld irgendwelche ganz fremden Rentner ihre Miete bezahlen! Und wenn wir mal selbst Rente kriegen, dann kommt die von ganz "fremden Geld", nämlich dem Geld derjenigen, die dann arbeiten.

Und mit dieser Vorstellung hat so mancher ein Problem. Man glaubt: Moment mal! Ich gebe heute Geld her, damit ich morgen Geld von anderen kriege. Das ist aber doof.

Die Idiotie geht so weit, dass sich irgendwelche Pärchen schwer was darauf einbilden, ein paar Hartz-IV-Empfänger in die Welt zu setzen, weil "die" dann "ihre" Rente bezahlen können. Die bösen Kinderlosen sollten am Besten gar keine Rente kriegen. Auch wenn gerade die in ihrem Leben meist mehr in die Rentenkasse eingezahlt haben als so manche Eltern.

Nein: Mit dem "Generationen-Vertrag" haben die Leute so ihre Probleme. Man will einfach nicht wahr haben, dass so ein Generationen-Vertrag viel krisensicherer ist als alles andere.

Die Leute misstrauen - dank der Gehirnwäsche der Medien - der gesetzlichen Rentenversicherung, und glauben blind an das, was Banken ihnen anpreisen. Formulierungen wie "Geld ansparen", "Geld liegen lassen" und "Geld mehren lassen" erzeugen leider auch völlig falsche Bilder im Kopf.

Das Geld, das eine Bank bekommt, ist nämlich genauso "weg" wie das Geld, das ich in die gesetzliche Rentenkasse einzahle. Die Bank muss sogar nur einen sehr kleinen Prozentsatz als Eigenkapital vorweisen können. Das ist vielen gar nicht klar. Sie meinen: Das Geld, das ich in die Rentenversicherung einzahle, das kann man mir nehmen. Das "nimmt" man mir bereits. Doch das Geld auf der Bank kann mir keiner nehmen.

Da dürften die Holländer jetzt ein anderes Liedchen singen. Dort haben nämlich vor allem kleinere Pensionsfonds durch Spekulationen dank der (durch Spekulationen ausgelösten) Wirtschaftskrise ihre Einlagen so gefährdet, dass nun ein Bankrott droht. Und weg ist das tolle "angesparte", "liegen gelassene" und sich "automatisch mehrende" Geld.

Dieser Bankrott wäre nur durch eine drastische Rentenkürzung aufzuhalten.

Da kann man ja mal gespannt sein, wie viel von dem Geld, das die Leute heute brav in allerlei Pensionsfonds und Riestereien einzahlen, später wirklich wieder zurück kommt. Vielleicht dämmert es dann so manch einem, dass es vielleicht doch besser ist, der Staat verwaltet die Altersversorgung, bevor man das Geld irgendwelchen gewinngeilen Zockern überlässt, die damit ins Casino gehen und zugleich die Bürger mit völlig haltlosen Versprechungen nach Strich und Faden verarschen.

Übertreibe ich damit? In der September-Ausgabe 2010 der "Finanztest" erzählt ein frischgebackener Riester-Rentner, dass er sage und schreibe 0,38 Euro mehr als die mickrige "Garantierente" erhält! Die Garantieverzinsung beträgt bei Riester gerade mal 2,25 Prozent! 2,25 Prozent!!! Das übertrifft kaum die Inflationsrate! Dennoch werben Nepper, Schlepper, Riesterfänger noch immer mit grandiosen Steigerungsraten von bis zu neun Prozent, ohne dieses Versprechen jemals erfüllen zu müssen! Wenn das keine Verarsche ist, dann weiß ich auch nicht.

Kommentare:

  1. Ein bisschen Perspektive, da in diesem Blog ja auch gern einmal reißerische Schlagzeilen und unfundierte Recherche der Medien kritisiert wird:

    Momentan ist die Rede von möglicherweise notwendigen Kürzungen um _bis zu_ 14%, nicht um 14%.
    Betroffen davon können zum Januar 2011 14 der über 600 bestehenden Rentenfonds sein, oder anders gesagt: 2%.
    Dass sich die Finanzlücke nur durch Rentenkürzungen schließen lässt, stimmt auch nicht. Alternativen sind: höhere Versicherungsprämien der Arbeitsnehmer und höhere Beiträge der Arbeitgeber.

    Schlimm genug für die Betroffenen, aber als ein wirklicher Beweis für die Überlegenheit des ein oder anderen Systems lässt sich das nicht anführen.

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  2. Höhere Beiträge bei einem Pensionssystem? Langsam hat der Wahnsinn Methode! Fakt ist: Argentinien hat inzwischen die private Alterssicherung verstaatlicht. 80.000 Pensionsfonds sind im Laufe der Zeit in den USA zusammengebrochen. Dagegen hat die Staatliche Rentenversicherung zwei Weltkriege, Inflation und Währungsreformen überstanden. Mit 13 Milliarden fördert der Bund jährlich die Private Altersvorsorge, ein Geld, das aber letztlich nicht den Rentenbeziehern, sondern Allianz & Co zugute kommt. Die Verwaltungskosten der Privatversicherung sind 10 Mal (und mehr) höher als die der Rentenversicherung.

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  3. "Denn: Privat ist super! Privat ist gewinnorientiert! Privat ist geil! Privat heißt Wettbewerb!!!"

    Privat heißt auch privates Risiko. So was muss einem klar sein.

    "Die Idiotie geht so weit, dass sich irgendwelche Pärchen schwer was darauf einbilden, ein paar Hartz-IV-Empfänger in die Welt zu setzen, weil "die" dann "ihre" Rente bezahlen können. Die bösen Kinderlosen sollten am Besten gar keine Rente kriegen. Auch wenn gerade die in ihrem Leben meist mehr in die Rentenkasse eingezahlt haben als so manche Eltern."

    Kinderlose sollten ja auch mehr einzahlen, immerhin müssen sie keine Kinder versorgen.
    Das Problem ist, dass gerade die Unterschicht durch unser Sozialsystem unterstützt wird, noch mehr Hartz4-Nachwuchs zu produzieren. Die Leistungsfähigen dagegen werden durch die hohen Abgaben daran gehindert, Nachwuchs zu zeugen, der später Steuern und Abgaben zahlen kann.

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  4. Mein lieber Porthos! Ich nehme Dir zuliebe an, die aktuellen Medien haben Deinen Verstand so sehr vernebelt, dass Du schuldlos dikrimierenden Mist verzapfst. Wenn sozial Schwache in diesem Land wirklich hauptsächlich Hartz-IV-Empfänger "produzieren", dann liegt das an einer immer weiter voranschreitenden Benachteiligung von sozial Schwachen, an einem Bildungssystem, das dies systematisch fördert.

    Ach: Und wieso sollte einem "klar" sein, dass privat auch privates Risiko heißt? Hat deshalb der Staat die Milliarden an Banken verpulvert? Unterstützt deshalb der Staat mit 13 Milliarden jährlich die "Privatrente"! Und heißt es deshalb andauernd, wie "unsicher" die gesetzliche Rente ist?

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