Montag, 2. Januar 2012

Prost Neujahr


Alle Jahre wieder. The same procedure as every year.

Ein neues Jahr beginnt, und neben all den Rückblicken gibt es natürlich auch die Vorschau. Hier kommen wir in den Bereich, den man gemeinhin als Wahrsagerei beizeichnet. Früher tummelten sich die Wahrsager auf dem Jahrmarkt, heute nennt man diese Personen Experten.

Experten zeichnen sich dadurch aus, dass sie immer so tun, als wüssten sie alles. Statt bunter Tarotkarten haben sie meist fade Excel-Tabellen, doch eins haben sie mit den Kollegen vom Jahrmarkt gemein: Sie kümmern sich nie um den Blödsinn, den sie in den letzten Jahren verzapft haben.

Da wäre zum Beispiel die Zeitschrift Brigitte, die mal wieder die endlose Diätgeldmaschine anwirft. Wie heißt es in der Überschrift? "Weil alte Gesetze nicht mehr gelten."

Ach, die "alten Gesetze" gelten nicht mehr? Da gab es wohl eine Gesetzesreform. Und jetzt muss man sich halt den "neuen Gesetzen" anpassen, nicht wahr? In Wahrheit ist es natürlich so, dass diese Zeitschrift mit ihrer von allen Seiten gelobten Brigitte-Diät jahrzehntelang unzählige Frauen in eine abstruse Reduktionsdiät mit Körnern und anderen Voodoo getrieben hat, was zum unweigerlichen Jojo-Effekt führte. Und wenn das die gleichen Leute einfach über den Haufen werfen, dann nutzt man das auch noch für eine verkaufsfördernde Schlagzeile. Raffiniert.

Focus-Money hingegen verspricht mal wieder Anlagetipps. Man staunt, dass es noch immer möglich ist, Leser mit Anlagetipps zu ködern. Wir hatten die tollen Lebensversicherungen, die man heute nur noch mit einem "wie konntest du nur?" quittiert. Wir hatte Telekom-Aktien und Fonds von asiatischen Aktien, die heute nichts mehr wert sind. Wir hatten die Riesterrente, die selbst den klassischen Sparstrumpf unterbietet, und wir hatten den Hype aufs Gold, der genauso geplatzt ist wie alle anderen Finanzblasen. Und dennoch wagen es Zeitschriften noch immer, Leser mit angeblich "sicheren" Anlagetipps zu ködern.

Den Vogel schießt allerdings der Spiegel ab. Da diese Zeitschrift politisch auf den Hund gekommen ist, widmet man sich nach Themen wie "Jesus" und "Hitler" wohl nur noch dem geschlagenen Schaum. Nach einem Titelbericht über die "ewige Liebe" ist nun der Optimismus dran, und der ist – man kommt aus dem Staunen nicht raus – gar nicht mehr so angesagt. Im Gegenteil. Irrationaler Optimismus ist nun plötzlich schuld an allerlei Finanzblasen, Krisen und dem berühmten bösen Erwachen. Da ist es noch gar nicht lange her, da wurde uns von selbsternannten Gurus eingebläut, dass positives Denken das Nonplusultra ist, dass Skeptiker und Ängstliche selbst schuld seien an ihrem Elend und sich gar nicht zu wundern bräuchten, wenn dann "das Universum" (!!!) genau diese Skepsis erfülle und nicht die positiven Wunschträume ... In der Tat muss man feststellen, dass das Universum bei den positiven Erwartungswunschträumen der Finanzexperten wohl ein wenig geschlafen hat, dennoch staune ich darüber, wie schnell das von allen Seiten propagierte positive Denken nun zur Ursache des Problems erklärt wird.

Und das wird auch 2012 die große Konstante sein. Man wird den Leuten erzählen, was sie essen, denken und wie sie sich auf die jetzt schon feststehende Zukunft vorbereiten sollen. Experten werden uns über "dumme Irrtümer" aufklären, die sie zum Teil selbst in die Welt gesetzt haben. Und man wird immer wieder überrascht sein, wenn die millionste Prognose sich dann doch ganz überraschend als falsch entpuppt.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Fütterung von Kleinkindern



Der obige Trailer bewirbt einen Film mit dem Titel "John Carter". Ich finde den Trailer gar nicht schlecht. Der Film basiert auf einer sehr alten Roman-Reihe – nicht dass jemand die wahnwitzige Vermutung anstellt, hier hätte Hollywood tatsächlich mal eine neue Idee gehabt - , doch darum soll es hier gar nicht gehen.

Dieser Trailer ist ein weiteres Beispiel für eine schon lange anhaltende Unart bei Filmtrailern: Permanente Fade-Outs. Fast schon im Sekundentakt wird der Bildschirm schwarz, gefolgt von etwa zwei Sekunden Bild und ... erneut Abblende.

Das alles könnte man ignorieren, würde inzwischen nicht jeder Blockbuster so beworben, man siehe nur hier, hier und hier als willkürliche Beispiele. Es folgt stets das gleiche Schema: Ein paar Bilder – Schwärze. Bilder – Schwärze.

Man könnte diese Masche als Mode-Gag abtun, aber ich denke, da steckt mehr dahinter. Es geht um die geistige Aufnahmekapazität des potenziellen Kinogängers.

Vor nichts hat Hollywood im Moment so sehr Angst, als seine Zuschauer intellektuell zu überfordern. Kein Wunder: Wer dem Publikum jahrelang zu neunzig Prozent aufgewärmten Dünnschiss nach der Struktur von Pornofilmen serviert (nur dass die Rammelszenen hier durch Kino-Action ersetzt werden), züchtet sich dadurch natürlich eine Gattung heran, für die man Kinotrailer nach dem Prinzip der Fütterung von Kleinkindern gestalten muss - immer wieder ein kleines Häppchen lauwarmen Brei in den Mund, und dann abwarten, damit der kleine Wonneproppen nicht zu viel rülpsen muss oder sich gar verschluckt.

Kritisch wird es nur, wenn man die geistige Aufnahmekapazität der Kinogänger irgendwann so weit gesenkt hat, dass bei einem Trailer auf zwei Sekunden Bild zehn Sekunden Schwarz-Pause zur geistigen Verdauung folgen müssen. Wobei: Die Handlung der meisten Filme ist in weniger als zwei Sekunden erklärt, sodass sich Trailer damit ohnehin nur noch selten befassen. Zwei Sekunden Filmausschnitt und zehn Sekunden Schwarzpause dürften bei den meisten Filmen locker reichen.

Samstag, 10. Dezember 2011

Generation Post-Doof

Die "Generation Doof" lässt sich gerne als Trainees und Praktikanten ausbeuten. Jetzt sind wir bei Generation Post-Doof angekommen. Die lassen sich nicht nur ausbeuten, die finden das auch noch normal und gut.

Anlass für diese Erkenntnis ist der über Spiegel-Online bekannt gewordene Umstand, dass amazon.de jährlich das Saisongeschäft bestreitet, indem es Tausende von Erwerbslosen zwei Wochen unbezahlt für sich arbeiten lässt. Die Arbeiter erhalten weiterhin Hartz-IV, das bekanntlich vom Steuerzahler erbracht wird. Die Arbeiter erhalten auch keinerlei Zahlung in die Rentenkasse. Dort werden sie so geführt, als hätten sie nicht gearbeitet.

Den Glücklichen, die "übernommen" werden, winkt laut Amazon-Pressesprecher eine Arbeitsmöglichkeit von drei Wochen (Wow!) bis sechs Monaten (nachzulesen hier), und das bei einer Bezahlung, die noch immer zum Leben nicht reicht, sodass die Betroffenen offenbar auch danach mit Hartz IV (also erneut mit Geldern des Steuerzahlers) aufstocken müssen, wie man hier nachlesen kann.

Gegen ein solch schamloses, ausbeuterisches Treiben bin ich als Einzelperson machtlos. Ich bin auch als Wähler machtlos, weil alle Mainstream-Parteien diesen Zustand fördern (weshalb dieser Missstand "legal" ist), weil er werbewirksam die Statistiken beschönigt, denn auch wenn jemand ohne Lohn für amazon.de arbeitet (oder danach so wenig Geld bekommt, dass er weiterhin auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen ist), so taucht er nicht mehr in der Arbeitslosen-Statistik auf.

Aber als Konsument habe ich Macht. Ich kann entscheiden, inwieweit ich menschliche Ausbeute unterstütze. Ich habe jährlich vierstellige Beträge bei amazon.de gelassen. Damit ist es vorbei, und zum Glück kenne ich viele, die meinem Beispiel folgen.

Natürlich gibt es andere. Mitglieder der Generation "Post-Doof". Die das alles gut und richtig finden. Wahrscheinlich, weil sie es nur noch aus Erzählungen von früher kennen, dass ein Saisonarbeiter ganz normal von Tag eins an guten und vernünftigen Lohn bekam.

So hat "Ralf" einen Kommentar im vorherigen Blogposting hinterlassen, und ich möchte diesen Kommentar hier noch einmal zitieren:

Nun, ich arbeite bei Amazon und weiß, dass die Arbeitsbedingungen bei uns sehr gut sind. Die Presse hat hier Dinge aufgebauscht. Es gab tatsächlich EINEN Fall, in dem ein Praktikant vom letzten Jahr, der nicht übernommen wurde, dieses Jahr wieder in einem unbezahlten Praktikum beschäftigt wurde. Es liegt hier aber auch in der Verantwortung der ARGE, diesen Umstand zu bemerken (Akten von ubezahlten Praktikanten werden nicht geführt) und wie gesagt, es war ein Versehen und kam nur in einem Fall vor.

Ja, es ist gängige Praxis bei vielen Firmen und viele Firmen nutzen diese Möglichkeit wesentlich unverblümter als Amazon. Wir haben immerhin eine Übernahmequote bei diesen Praktikanten von beispielsweise 90% in Werne. Die Hartz IV - Empfänger erhalten hier von Amazon also eine echte Chance, sich zu beweisen (Wie ich damals übrigens auch, andere Arbeitgeber wollten sich mit mir überhaupt nicht befassen).

Amazon nutzt die Möglichkeiten, die der Staat bietet, aber von "Aus"nutzen zu reden ist hier eine stark polemisierte Sichtweise.

1. Aufgebauscht? Wo wurde hier was aufgebaucht? Sich auf Staatskosten unbezahlte Saisonarbeiter zu holen, ist ein Skandal. Dieser Skandal führte zu zwei läppischen Artikeln auf Spiegel-Online (über die ich mich bereits gewundert habe), der zweite bereits beschönigend. Das war es auch schon. Reine Saisonarbeiter ohne Lohn für sich schuften zu lassen, ist auch dann ein Skandal, wenn es nicht regelmäßig "vermehrt" vorkommt.

2. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, dies sei "üblich" und werde von anderen Firmen noch radikaler betrieben, ist eigentlich ein gesellschaftliches Pulverfass, das in die ganz großen Schlagzeilen gehört, keine Rechtfertigung. Wie gesagt: Ein Phänomen der Generation Post-Doof. Ich selbst habe als Schüler und Student Saisonarbeit verrichtet. Und natürlich wurde ich von Tag 1 an bezahlt! Doch für Generation "Post-Doof"-Menschen sind das wohl weit in der Ferne liegende Geschichten vom einstigen Arbeiterparadies.

3. Soso! Amazon führt also keine Akten über die "unbezahlten Praktikanten". Ich weiß nicht, ob diese Behauptung stimmt. Wenn sie stimmt, finde ich sie hochinteressant! Normalerweise gibt es bei "Praktikas" - zumindest bei das, was auch nur im Ansatz diese Bezeichnung verdient - Bewertungen, Zeugnisse, Zwischenberichte. Und amazon.de führt noch nicht einmal die Namen der unbezahlten Arbeitssklaven. Tja, warum sollten sie auch? Sollen das doch die ARGEn tun. Gerade diese Aussage beweist, dass die scheinheilige Bezeichnung "Praktikum" ein Hohn ist. Es geht hier ausnahmslos um das Ausnutzen kostenloser Arbeitskräfte. Mit Hilfe des Gesetzgebers lässt amazon.de Menschen unbezahlt für sich arbeiten, und interessiert sich für die Personen und ihre Arbeitsleistung noch nicht einmal hinreichend genug, um auch nur über die Namen Akten zu führen. Wären es echte Praktikas, würde amazon.de schon aus eigenem Interesse Akten führen. (Immer vorausgesetzt, dieser "Einwand" von Ralf entspricht der Wahrheit.)

Es könnte natürlich sein, dass dieser Kommentar von Ralf bewusst so verfasst war, dass jedem, der ihn liest, die scheinheiligen Rechtfertigungen von amazon.de ins Auge springen. In diesem Fall gratuliere ich dem Schreiber zu seiner hohen sozialen Intelligenz.

Damit man mir hier aber nicht Sturheit und Fanatismus vorwirft, mache ich hiermit amazon.de zwei Angebote:

Angebot 1:

Amazon.de darf mir gerne für zwei Wochen Lohn bezahlen - ohne dass von mir irgendeine Arbeitsleistung kommt, versteht sich. Nach diesen zwei Wochen werde ich dann großzügig entscheiden, was ich tue (denn ich brauche im Moment keinen Job bei amazon.de). Aber amazon.de kann das Prozedere dann gerne nächstes Jahr wiederholen. Akten werde ich in der Zwischenzeit keine führen.

Angebot 2:

Ich kaufe die nächsten zwei Wochen bei amazon.de ein, ohne dass mich die Pflicht trifft, den Kaufpreis zu entrichten. Damit würde ich amazon.de eine echte Chance geben, sich als Online-Händler zu "beweisen". Ob ich danach immer noch bei amazon.de gegen Bezahlung einkaufe, ist zwar ebenfalls meiner reinen Willkür unterworfen, aber keine Sorge, auch dieses Prozedere können wir gerne Jahr für Jahr wiederholen - am Besten während des Saisongeschäfts. Und obwohl ich keinerlei Kaufpreis entrichte, darf amazon.de mich in dieser Zeit gerne statistisch als Käufer führen.

Denn großzügig wie ich bin, gebe ich Unternehmen wie amazon.de gerne auch mal echte Chancen, sich bei mir zu beweisen!

Dienstag, 29. November 2011

Boykott von Amazon

Auf Spiegel-Online stand nun ein Betrag über einen Umstand, über den ich schon vor Wochen gelesen habe. Amazon.de lässt Arbeitslose ohne Lohn auf Kosten der Steuerzahler für sich arbeiten.

Als ich davon erfuhr, habe ich meine ausstehenden Vorbestellungen bei amazon.de storniert und in der Begründung eben auf diesen Missstand sozialer und menschlicher Ausbeute hingewiesen. Ohne eine Antwort zu erhalten.

Amazon.de braucht Saisonarbeiter, holt diese für sechs Wochen, lässt sie aber die ersten zwei Wochen unter dem Vorwand, es sei ein "Praktikum", kostenlos arbeiten. Die Arbeitenden erhalten weiterhin Hartz IV vom Staat.

Doch damit hat die Dreistigkeit kein Ende. Amazon wiederholt dieses Prozedere Jahr für Jahr, auch bei denen, die im Jahr zuvor bereits "eingestellt" worden waren und bei denen damit ein "Einarbeitungs-Praktikum" unnötig ist. Angeblich handelt es sich dabei um 9000 Leute, die Jahr für Jahr befristet eingestellt werden, stets erst nach der "unbezahlten Praktikumsphase". Bei der Hälfte wird diese Ausbeutung zum wiederholten Male angewandt.

Die Fragen, die der lesenwerte Spiegel-Online-Artikel nicht stellt, sind:

- Wozu benötigt jemand, der Dinge verpacken soll, ein zweiwöchiges Praktikum?
- Wieso soll der Steuerzahler dafür aufkommen, dass eine Firma Saisonarbeiter braucht?
- Wieso werden in Deutschland Gesetze erlassen, welche zeitlich befristete Arbeitsverträge für Arbeitgeber noch attraktiver machen? Der Nachteil an Befristungen ist für den Arbeitgeber, dass er die Leute immer wieder neu anlernen muss. Diesen Nachteil könnte er ja durch Festeinstellungen umgehen. Warum sollte der Steuerzahler die Kosten dafür übernehmen, dass sich ein Unternehmen vor Festeinstellungen drückt?

Ich habe die Partner-Links zu amazon von meiner Homepage gelöscht. In älteren Postings sind sie wohl noch enthalten, mir fehlt dafür die Zeit, sie alle zu löschen.

Dienstag, 15. November 2011

Nein, liebe Damen und Herren von Kinowelt, ich hatte echt nie die Absicht, die Sissifilme öffentlich aufzuführen

Wenn man heute einen Film kauft und einlegt, kommt eine derartige Flut an Rechtsbelehrungen und Warnungen auf einen zu, dass man sich fragt, welch hochgefährliches Höllenprodukt man sich da wohl zugelegt hat. Die Warnhinweise auf einer Großpackung Morphium sind wahrscheinlich läppisch dagegen.


Das alles wäre nicht schlimm, wenn man das Geschwafel wenigstens schnell wegklicken könnte. Aber nicht doch! Dann würden dem boshaften, ignoranten Filmkonsumenten ja ein paar Zwangsbelehrungen entgehen.


Inzwischen sind die drei "Sissi-Filme" mit Romy Schneider auf Blu-ray herausgekommen. Tolle Filme, brillant restauriert, eine echte Empfehlung ... Nur, es dauert, bis man sie zu sehen bekommt.


Zunächst kommt ein Schriftzug, der einen darüber aufklärt, dass man den Film nicht öffentlich aufführen darf. Ich weiß wirklich nicht, welche Vorstellung die Herrschaften von Kinowelt von der Realität haben. Wie hoch schätzen die wohl den Prozentsatz ihrer Käufer ein, die tatsächlich auf die Idee kommen, Filme, die mindestens jährlich im Fernsehen laufen, öffentlich aufführen zu wollen?


Doch nicht nur das: Diese Schrifttafel wird auch noch von einem gelangweilten Sprecher, der alle Zeit der Welt zu haben scheint, im trägen Plauderton vorgelesen. Und dieser ganze Labermüll über irgendwelche strafrechtlichen Drohungen, die sofort eintreten, wenn man irgendwas angeblich Verbotenes mit dem Film tut, lassen sich nicht einmal beschleunigen, geschweige denn überspringen.


So eine Idiotie hätte ich ehrlich gesagt nicht einmal den offensichtlich paranoiden Mitarbeitern von Kinowelt zugetraut. Am Ende war ich so genervt, dass ich mir am liebsten geschworen hätte, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Film doch noch irgendwie öffentlich aufzuführen. Quasi als stille Rebellion, als offenen Ungehorsam! Könnte man vielleicht irgendwie mit dem nächsten Banken-Sitting kombinieren.


Hat man den Lall überwunden, kommt natürlich die obligatorische Altersempfehlungsbelehrung, in der einem zum x-ten Mal erklärt wird, dass der Film dennoch unpädagogisch und scheiße sein kann, auch wenn ihn zwölf Prüfer eingehend gesichtet und mit einer Freigabe ab null versehen haben. Im Fall von Sissi heißt das übersetzt: Der Film ist ab null Jahren, euer Kind wird also aufgrund des Films kein Axtmörder werden, ob es danach allerdings noch immer die Demokratie für eine tolle Sache hält, wenn es mal Angela Merkel mit Romy Schneider vergleicht, da waschen wir unsere Hände in Unschuld.


Danach folgt dann noch ein Text mit der Belehrung, dass man die Entertaste der Fernbedienung drücken soll (wusste gar nicht, dass die eine Entertaste hat, aber gut) wenn man die Gehörlosenfassung aktivieren will. Warum dieser Text auch vorgelesen wird, weiß ich nicht, für die Gehörlosen ja wohl eher nicht, und die, die hören können (dürfte ja selbst bei einem Film wie "Sissi" noch immer die Mehrheit sein), erfahren auch nicht, was sie drücken müssen, wenn sie den Film ganz normal sehen wollen.


Hat man all das durchgestanden, ist man endlich im Menü angekommen und kann den Film sehen. Bei all den Quatschinfos versäumt es Kinowelt übrigens, dem Käufer zu verraten, auf welcher der drei Blu-rays sich die Extras verbergen, für die auf der Verpackung geworben wird. Ich wollte mir zuerst die Extras ansehen und legte auf Verdacht hin die dritte Blu-ray ein. Da war allerdings das gesuchte Extra – eine Doku über Romy Schneider – nicht drauf. Also legte ich die erste Blu-ray ein. Wieder Belehrung über öffentliche Aufführung und darüber, dass die FSK keine pädagogischen Empfehlungen gibt. Und ich frage mich langsam: Warum gibt es die eigentlich nicht? Anstatt immer wieder wertvolle Lebenszeit der Kunden zu vergeuden, indem ihnen immer wieder gesagt wird, was die FSK-Freigabe nicht ist, warum kann man nicht einfach an dieser Stelle kurz eine Empfehlung einblenden? Oder auf die Verpackung kleben. Freigabe: Ab Null. Empfehlung: Ab 10. Fertig. Könnte man sich den ganzen anderen Quatsch sparen. Oder sehen sich die schlauen Prüfer der FSK nicht dazu in der Lage, neben einer "Freigabe" auch eine "Empfehlung" auszusprechen?


Auch auf Blu-ray 1 war das Extra nicht. Es war auf Blu-ray 2! Nach geschlagenen fünfzehn Minuten konnte ich also endlich auf einer selbst gekauften Blu-ray den Inhalt sehen, den ich sehen wollte.

Samstag, 5. November 2011

Der Kult-Begründer

Der Tod von H. G. Francis hat mich daran erinnert, wie sehr dieser Autor mich in meiner Jugend geprägt hat. Als Kind habe ich die Hörspiele, die von ihm verfasst wurden, regelrecht verschlungen. Und während Eberhard Alexander-Burgh mit seinen wundervollen Hörspiel-Reihen "Hui Buh" und "Die Hexe Schrumpeldei" ganz sicher meinen schwarz-albern-abstrusen Sinn für Humor geprägt hat, so hat H. G. Francis meine Vorliebe für Science Fiction und Grusel gefördert.


Eines meiner ersten H.-G.-Francis-Hörspiele war "Das Gespenst vom Schlosshotel". Ein junges Ehepaar muss wegen einer gesperrten Brücke in einem Schlosshotel übernachten, wo im Keller ein Geist haust. Ich habe mich zu Tode geängstigt, wusste H. G. Francis doch genau, dass es für Kinder nichts Gruseligeres gibt als ein unheimlicher Keller.


Das Besondere an diesem Hörspiel war der Verzicht auf einen Erzähler, was bei H. G. Francis - im Gegensatz zu allen anderen Europa-Hörspielen - sehr häufig vorkam. Durch H. G. Francis habe ich schon damals gelernt, wie man trockene Information in einen unterhaltsamen Dialog packt. Und ich habe gelernt, wie man es besser nicht machen sollte.


Meine erste große Science-Fiction-Begeisterung war "Commander Perkins". Die Begegnung mit den unheilvollen Weganern, welche die Menschen für den Ursprung des Bösen halten und in rätselhaften Sprüchen Bibelstellen zitieren, war so völlig anders als das, was man damals aus dem Fernsehen kannte. Hier zog sich die Spannung aus Andeutungen, Mystery und Geheimnissen. Historische Geschichten wurden mit Science Fiction erklärt, darunter eine Bibelstelle aus dem Alten Testament.


Das hat nicht zuletzt wegen Erich von Däniken heute natürlich einen langen, albernen Bart, doch damals war es für mich aufregend, neu und geheimnisvoll. Obwohl "Commander Perkins" nur neun Hörspielfolgen hat, die auch noch vorzeitig beendet und deren zweiter Zyklus daher nie aufgelöst wurde (gefolgt von einer zehnteiligen Jugendbuchreihe, in der aber die offene Story der Hörspiele nicht aufgegriffen wurde und die ebenfalls mit einem offenen Ende aufwartet), ist "Commander Perkins" noch heute zu Recht Kult.


Denn wenn etwas genial ist, wenn etwas stimmig ist, wenn etwas faszinierende Charaktere und eine spannende, originelle Story hat, dann interessiert es nicht, ob am Ende irgendwelche Detailfragen offen bleiben. Das gilt auch für Serien wie "The Prisoner" oder "Twin Peaks". Das gilt auch für Filme wie "Das weiße Band". Und natürlich auch für "Lost", wo die Macher in dem ultimativ genialen Nachtrag "New Man in Charge" noch einige Fragen beantworteten und damit zeigten, wie uninteressant diese erratbaren Antworten waren (und wie man sich stattdessen als Zuschauer freute, Figuren wie Walt oder Hurley wiederzusehen.)


Fast scheint es so, als habe H. G. Francis damals den kleinen, vor seinem Kassettenrekorder sitzenden Thomas auf diese späteren Kultserien behutsam vorbereiten wollen. Und wenn er die Schuld trägt, dass mich noch heute viel Mainstream-Käse in Kino und TV langweilt, dann wäre allein das schon Grund genug, ihm für alle Zeiten dankbar zu sein.

Freitag, 2. September 2011

Die Ersatz-Bildzeitung aus der Provinz

Wer an die unverbesserlichen Gegner des Science-Fiction-Genres denkt, der sieht vor seinem geistigen Auge vielleicht ein paar konservative Leute, deren Filmgeschmack irgendwo bei "Der Förster vom Silberwald" oder den "Sissi"-Filmen stehen geblieben ist und die sich gerne darüber aufregen, dass im Radio so viel "englisches Zeug" läuft. Mit anderen Worten: Konservative, Ewiggestrige.

Dabei ist das sogenannte linksintellektuelle Lager viel schlimmer. Dass sich daran nichts geändert hat, zeigte kürzlich ein Beitrag auf "Zeit online", der vorgab, über das 50jährige Jubiläum der Heftreihe "Perry Rhodan" berichten zu wollen, dessen Autor sich stattdessen jedoch nicht entblödete, die Überschrift "Der Ersatz-Hitler aus dem All" zu wählen. Als es Proteste hagelte, wurde die Überschrift in "Der Weltraum als Modelleisenbahn-Keller" geändert. Bravo. Aus einem ignoranten, vorurteilsbeladenen und rufmörderischen Titel wurde also ein ignoranter und vorurteilsbeladener Titel. Welch ein Fortschritt.

Doch das dummdreiste Geschwafel über Science Fiction in der ansonsten doch angeblich so aufgeschlossenen Nicht-Boulevard-Presse hat eine lange Tradition. Bereits 1975 hat der "Der Spiegel" von einem "Kino-Comeback jener hochgradig stupiden TV-Serie, die das ZDF unter dem Titel 'Raumschiff Enterprise' dargeboten hat" (Spiegel 53/75) berichtet, ohne weiter darauf einzugehen, was denn eigentlich an der Serie so "hochgradig stupide" war. Damals glaubte man wohl, dies nicht weiter begründen zu müssen.

1978 war anlässlich des Erfolgs von "Krieg der Sterne" ein Artikel unter dem Titel "Science Fiction – Flucht ins All" (Spiegel 5/78) erschienen, in welchem "Perry Rhodan" als "schlimmste Ausgeburt imperialistischer, faschistischer Zukunftsphantasie" beschimpft und der Titelheld als "Space Adolf" bezeichnet wurde. Weil das offenbar noch nicht reichte, wurde die amerikanische Essayistin Susan Sonntag zitiert, die Parallelen zwischen Science Fiction und Pornografie entdeckt zu haben glaubte. "Die Pornografie ist – genauso wie die Science Fiction – ein Zweig der Literatur, der auf Desorientierung, auf psychische Verwirrung, ausgerichtet ist." Diese doch reichlich hirnrissig klingende Aussage wurde weder erläutert noch erklärt. Es war damals wohl auch egal, Hauptsache, es klang irgendwie wissenschaftlich und diffamierte das Science-Fiction-Genre nach Strich und Faden.

Danach wurde der Psychologe Thomas vom Scheidt zitiert, der "SF-Leser mit dem Rauschdrogen-Konsumenten" verglich. "Vom Scheidt (...) hat in seiner Praxis SF-Freaks psychoanalytisch behandelt und dabei Defekte der seelischen Struktur seiner Patienten entdeckt, die offensichtlich typisch für das Gros der SF-Anhänger sind. Von Freuds Feststellung ausgehend, 'der Glückliche phantasiert nie, nur der Unbefriedigte', stieß er auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, die sich durch 'seelische Zustände von Sinnlosigkeit, tiefster Verlassenheit und Isoliertheit' bemerkbar macht."

Es ist doch eher unwahrscheinlich, dass vom Scheidt seine "Untersuchungen" nach empirisch ernstzunehmenden Kriterien durchführte, so dass die Aussage, die angeblichen Defizite seien "typisch für das Gros der SF-Anhänger" wohl nichts anderes als reine Spekulation und Wichtigtuerei waren. Schade, dass noch niemand die Defizite von Journalisten untersucht hat. Es wäre interessant zu erfahren, welche Motivation manchen aus ihrer Gattung (oder soll man sagen, ein "Gros" ihrer Gattung?) noch heute dazu treibt, ein literarisches Genre mit haltlosen Nazi- und Pornografie-Vergleichen in ein schiefes Licht zu rücken.

Da offenbar so mancher Journalist von Zeit Online auf dieser hinterwäldlerischen Voreingenommenheit der verlängerten Nachkriegszeit stehen geblieben ist und selbst angesichts eines so eindrucksvollen Literatur-Phänomens wie "Perry Rhodan" noch immer nichts besseres zu bieten hat, als hirn- halt- und geistlose Klischees und Vorurteile von vorgestern nachzuplappern, lässt das nur einen Schluss zu: Zeit Online ist die "Ersatz-Bildzeitung aus der Provinz".

Mittwoch, 31. August 2011

That's not the point

Bei dem RTL-Beitrag über die Gamer reichen die Reaktionen ja von empörten "Zockern" bis hin zu "war halt witzig gemeint, die Gamer sollen sich nicht so haben".

Beide Reaktionen übersehen offenbar völlig, dass hier wieder einmal Menschen vor der Kamera vorgeführt wurden, deren ganzes Verbrechen darin lag, eine Con zu besuchen, um dort einen schönen Tag zu haben. Diese Personen, die hier vor einem Millionenpublikum als verklemmt, unhygienisch und dumm beschimpft wurden, haben sich nicht für eine Casting-Show beworben. Sie wurden auf der Con überredet, was in die Kamera zu sagen.

Und dann hat man schamlos ihre Gutmütigkeit ausgenutzt.

Wenn ein Junge plötzlich aus heiterem Himmel gefragt wird, warum er keine Freundin hat, und dann so überrumpelt ist, dass er nur stammeln kann, er sei wohl zu schüchtern (anstatt, wie es richtig gewesen wäre, dieser potenziellen Arschgeweihträgerin zu sagen, sie soll sich verpissen), ist das einfach nur unsagbar dumm. Diesen Jungen dann aber auch noch abends vor einem Millionenpublikum lächerlich zu machen, ist kriminell, und ich sehe hier mit Entsetzen, dass eine Gesellschaft mit ihrem Müllfernsehen offenbar dabei ist, jegliches Gespür für richtig und falsch zu verlieren. Offenbar sind das die Folgen einer Stefan-Raab-Gehirnwäsche, wonach es in Ordnung ist, andere öffentlich zu verspotten und öffentlich vorzuführen. Hauptsache, man gehört nicht selbst irgendwie der anvisierten Gruppe an. Wenn doch, ist der Aufschrei groß, aber auch nur dann.

Es ist mir völlig egal, was irgendein arroganter Redakteur bei RTL über mich als Gamer denkt. Nicht egal ist mir, wenn ich dank Youtube und Fernsehkritik.tv mitbekomme, mit was für einem Drecksfernsehen inzwischen die Gesellschaft überschüttet wird, und wie sich in einer Gesellschaft allmählich eine Gleichgültigkeit darüber ausbreitet, dass Einzelpersonen grundlos und boshaft öffentlich in einem Massenmedium zur Unterhaltung niedergemacht werden.

Ich denke, man sollte allmählich anfangen, bereits kleinen Kindern beizubringen, nicht nur nicht zu fremden Menschen ins Auto zu steigen, sondern auch sofort das Weite zu suchen, wenn sie irgendwo die Mikrofone und Kameras von irgendwelchen Schmierenjournalisten erblicken.

Donnerstag, 25. August 2011

Jetzt sind also die Gamer dran


Meine Güte! Jetzt haben wir es amtlich: "Star Trek" ist out und vorbei, mit anderen Worten: Nicht mehr uncool genug. Das heißt: Die Medien müssen sich neue Convention-Gänger für ihr Vorurteils-TV suchen. Jetzt sind wieder mal die armen Gamer dran. Kannte man sie vorher im Grunde nur als potenzielle Amokläufer, entdecken sie die Medien nun neu als stinkende Looser und Singles. So, wie RTL die Zocker hier niedermacht, da ging man ja mit den Trekkern über Jahrzehnte hinweg noch sanft um.

Macht nix: Ich halte das alles fest und werde es eines Tages in dem Buch "Computerspiele in Deutschland" schonungslos aufdecken!

Wer hat's erfunden?

Die Menschheit glaubt an Herrscher, Führer, Könige ... Das wurde mir beim Streit zwischen Apple und Samsung um das iPad mal wieder klar.

Apple will Samsung gerichtlich untersagen, ein Tablet-PC herauszubringen. Dabei geht es übrigens nicht um den Streit von "Patenten" oder "Marken", wie eine juristisch wie immer desinformierte Presse schreibt, sondern Geschmacksmuster- bzw. Designschutz. Apple muss also beweisen, dass die Gestaltung des iPad "neu" ist.

Nun stellt sich heraus, dass bereits in dem Film "2001" ähnliche Techniken zu sehen waren.

Anlass genug, für die SZ zu schreiben: "Als Stanley Kubrick das iPad erfand", beginnend mit dem Teaser: "Hat sich Steve Jobs das iPad-Design vom legendären Regisseur Stanley Kubrick abgeschaut?"

Ich denke, hier ist es an der Zeit, doch mal festzustellen, dass Steve Jobs keineswegs das iPad "erfunden" hat. Es ist dadurch reich geworden, aber erfunden haben es seine Mitarbeiter. Und auch Stanley Kubrik hat ganz sicher nicht das Teil "erfunden", das in der Szene des Films "2001" zu sehen war: Es war sein Produktionsdesigner, noch wahrscheinlicher einer der Mitarbeiter, die für den Produktionsdesigner gearbeitet haben.

Die Leute sollten sich hin und wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass nicht Cäsar Gallien erobert hat, sondern seine Soldaten. Nicht Walt Disney hat Donald Duck und Hunderte von anderen Figuren erfunden, sondern seine Angestellten. (Und selbst bei Micky Maus sind die Aussagen uneinheitlich, ob nicht Walt Disneys Parner Ub Iwerks den Löwenanteil an der Gestaltung der Figur übernommen hatte.) Und ganz sicher hat auch Gene Roddenberry nicht das Handy erfunden, auch wenn der Star-Trek-Kommunikator stark daran erinnert.

Firmenbesitzer und Anführer dürfen gerne den Ruhm und das Geld ernten. Man sollte sie jedoch in Artikeln nicht auch noch als geistige Schöpfer bezeichnen.

Dienstag, 23. August 2011

Prequel-Wahn

Mein erstes Prequel, das ich bewusst sah, war der "Dallas"-TV-Film "Dallas - Wie alles begann". Er lief 1987 im deutschen Fernsehen und erzählte die Vorgeschichte des Ewing-Imperiums. Und schon damals fragte ich mich: Wen interessiert das?

George Lucas muss diesen Film gesehen haben, als er sich daran machte, die Vorgeschichte zu "Star Wars" zu bringen. Das Geniale an Episode 1 bis 3 war, dass George Lucas damit die Geschichte umkehrte und aus dem vorherigen Bösewicht Darth Vader den Haupthelden des Sechsteilers machte. George Lucas hatte erkannt, dass er nicht mehr länger Luke Skywalker, sonder Darth Vader geworden war. Diese aus filmhistorischer Sicht einmalige Sache wurde natürlich von wenigen überhaupt nur wahrgenommen, die meisten waren damit beschäftigt, über den ach so albernen Jar Jar Binks zu jammern.

Wie auch immer: Seitdem scheint mir im Kino der Prequel-Wahn ausgebrochen zu sein. Allerdings ohne die Genialität von George Lucas, also ohne den geschickten Schachzug, durch das Prequel auch die bisherigen Filme in ein neues Licht zu rücken.

Heute dreht man Prequels, um zum einen eine "Marke" fortzuführen und die "Stamm-Zuschauer" mitzunehmen, und zum anderen, um neue Zuschauer zu ködern, die von "zu viel Vorwissen" abgeschreckt sein könnten. Denn das ist ja die neueste Leier: Um Fortsetzungen wie "Final Destination 800" oder "Alien Nr. 2000" oder einen weiteren "Star Trek"-Film "verstehen" zu können, braucht man als gewöhnlicher Zuschauer ein Elefantengedächtnis und das eingehende Studium des Franchises, anderenfalls wäre es unmöglich, der ultragenialen, von brillanten Hollywood-Literaten ausgeheckten Story zu folgen, denn schließlich flossen bislang ja stets sämtliche Inhalte von Hunderten von "Star Trek"-Folgen in die einzelnen Filmdrehbücher ein, weshalb die "Star Trek"-Filme für normale Zuschauer vollkommen unverständlich wurden, nicht wahr?

In meiner Kindheit gab es zig "Planet der Affen"-, "Dracula"- und "Godzilla"-Filme, und kein einziger davon war ein Prequel. Aber heute? "Alien" kriegt ein Prequel. Warum? Interessiert das irgendjemanden? Oder glaubt wirklich irgendwer, es bestünde die Gefahr, jemand könnte der 0815-Story einer weiteren Alien-Fortsetzung nicht folgen? (Wer so blöd ist, der scheitert garantiert bereits bei den Hürden der Online-Kartenreservierung und beim Aufsetzen der 3-D-Brille!) Die "X-Men" kriegen auch ein Prequel. "Star Trek" kriegt irgendeinen Zeitlinien-Prequel-Murks, der irgendwie weder die eigentliche Vorgeschichte noch etwas wirklich neues erzählt, sondern eine "ihr müsst euch kennenlernen, weil das so sein muss, damit wir von 'Star Trek'-Zitaten begleitet möglichst viel kaputt machen können und jemand wie Taylor Lautner in der Fortsetzung den Khan spielen kann"-Verblödung. Denn das ist der allerneueste Trend: Man erzählt am besten irgendeine Vorgeschichte, die gar nicht mehr zum Rest passt, die also in eine neue Dimension der Überflüssigkeit eintaucht.

Von "Sex and the City" soll es jetzt auch ein Prequel geben, als nächstes sind vielleicht die verzweifelten Hausfrauen dran oder Mulder und Scully, die sich vielleicht doch schon irgendwie in ihrer Kindheit gekannt haben. Oder die Jugendjahre von Rocky und Rambo, wobei da vorab die schwierige Entscheidung zu fällen wäre, was den Machern lieber wäre: Eine floppende TV-Serie, oder ein überflüssiges B-Picture, hauptsache gut besetzt mit billigen Teenie-Schauspielern, denn der Nachteil der Original-Schauspieler ist ja, dass sie nicht nur älter werden, sondern auch einiges an Gage fordern.

Das "Potenzial" für Prequels ist jedenfalls noch lange nicht ausgereizt.

Samstag, 20. August 2011

Wo ist David Tennant?



Ich gebe es zu: Der einzige Grund, mir das "Fright Night"-Remake anzusehen, wäre für mich David Tennant."Fright Night" kenne ich noch als "Die rabenschwarze Nacht".

Und nun sah ich den Trailer zum "Fright Night"-Remake, und dachte die ganze Zeit: Wo zum Geier ist David Tennant??? Immerhin soll er doch die Rolle spielen, die im Original von Roddy McDowall verkörpert wurde.

Und dann sehe ich
das hier: