Donnerstag, 20. Dezember 2012

Haben alle einen Hau


Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da war ein Superheld schlicht und ergreifend ein Superheld. Er tat das richtige, und er gab stets sein Bestes. Das mag man als langweilig kritisieren, aber letztlich war es damals genau das, was den Reiz des Helden ausmachte: Eine Figur, die immer weiß, was das Richtige ist.

Ein neuer, durch gelungene „Batman“-Verfilmungen ausgelöster Trend führt jedoch mehr und mehr dazu, dass die Superhelden alle irgendwie in einer Lebens- und Sinnkrise angekommen sind. Und wenn ich mir den neuesten Trailer zu "Man of Steel" ansehe, scheint diese um sich greifende Superhelden-Psychose nun auch noch Superman erwischt zu haben.

Ausgerechnet Superman!

Hätte man nicht wenigstens Superman in Ruhe lassen können? Hätte nicht wenigstens er weiterhin ein Held sein dürfen?

Batman, von mir aus. Ich fand schon immer langweilig. Gerne auch Ironman. Als gefühlsarmer Egozentriker gewinnt dieser ansonsten etwas witzlose Blechmann ja auch tatsächlich an Profil.

Ich würde sogar einen Aquaman mit Wasserphobie verkraften.

Aber Superman???


Früher war nur Spider-Man psychisch gefährdet. Er war sogar der erste Superheld, der tatsächlich einen Psychiater aufsuchte. Das war in der Nummer13, die im Jahr 1964 erschien. Damals war das noch eine Sensation, auf dem Cover stand: "Habt ihr jemals einen Superhelden gesehen, der seine Probleme mit einem Psychiater bespricht? Nach diesem Heft habt ihr es!" Heute müsste sich Spider-Man beim Superhelden-Psychiater auf eine lange Wartezeit einstellen.


Um dem Unfug die Krone aufzusetzen: Obwohl Peter Parker alias Spider-Man der einzige ist, den man als tatsächlich als manisch-depressiv diagnostizieren könnte (als Peter Parker blass und depri, als Spider-Man frech und witzig), machte man ausgerechnet Spider-Man im jüngsten halbgaren und einfallslosen "Reboot" zur langweiligen Teenie-Figur ohne Ecken und Kanten.


Dafür muss man aber nun aus Superman alles Mögliche machen. Außenseiter, Jesus-Figur, Heilsbringer, Übermensch ... Und den Film dann bitte möglichst dunkel, dafür aber in protzigem 3-D.

Dabei ist diese alberne "Superhelden mit finsterer Seele"-Masche doch nun wirklich abgenudelt. Die Zeit ist längst reif für einen reinrassigen Supermanfilm, der einfach nur auf Spannung und Action setzt. So wie es der jüngste "Avangers"-Film so trefflich vorgemacht hat.

Warum nicht einfach schlicht eine Story erzählen? Farbenfroh, authentisch, spannend. Ohne Psycho-Ballast. Aber sowas floppt ja dann, nicht wahr? Ich erinnere nur an die "Herr der Ringe"-Verfilmungen. Mit dunklen Bildern und einem psychisch gestörten Frodo wären die sicherlich viel besser, nicht wahr?

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Kettenrauchen

Ich bin mein Leben lang Nichtraucher gewesen. Ein einziger Zug an einer Zigarette - eine Mentolzigarette meiner Mutter - beendete mein Verlangen nach diesem grauenvollen Geschmack für alle Zeiten.

Jetzt wollen Politiker der EU nicht nur Mentolzigaretten verbieten, sie wollen die Zigarettenschachteln zur Abschreckung auch mit "Horrorbildern" bestücken.

Ich glaube, hätte es diese coolen Horrorbilder bereits in meiner Jugend auf Zigarettenschachteln gegeben, und hätte mich die EU bereits damals vor dem widerlichen Mentolgeschmack in den Zigaretten bewahrt ... ich glaube, dann wäre ich heute Kettenraucher.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Scheiße

Was macht man als Rezensent mit einem Film wie Joe Wrights "Anna Karenina"?

Nun könnte ich viele Zeilen darauf verwenden, schlau daherzureden. Ich könnte ausführen, dass bei diesem Film letztlich Anspruch und Ergebnis auseinanderfallen. Ich könnte palavern, dass der Film optisch opulent und schauspielerisch gut ist, aber als Experiment zu uneinheitlich, sodass das Endergebnis nicht überzeugt.

Das wäre unglaublich langweilig.

Oder ich könnte versuchen, etwas ganz Witziges zu schreiben. Das wiederum wäre nervtötend. Abgesehen vom göttlichen Mister Plinkett und von den Machern von Honest Trailers gehen mir diese krampfhaft auf witzig getrimmten Schwafel-Rezensionen tierisch auf den Geist.

Bleibt nur noch absolute Offenheit. Hier kommt mir Marcel Reich-Ranicki in den Sinn, der einmal sagte, die Deutlichkeit sei die Höflichkeit des Kritikers.

Daher hier in aller Deutlichkeit: Der Film "Anna Karenina" ist scheiße!

Und nein, das sage ich nicht nur deshalb, weil ich im Kino meine Handschuhe liegen lassen und nicht mehr zurückbekommen habe.

Der Film ist aus dem gleichen Grund scheiße wie "Cloud Atlas".

Warum? Warum sage ich so etwas über Filme wie "Cloud Atlas" und "Anna Karenina", die doch mit guten Kritiken überhäuft wurden und die doch genau das Niveau zu haben scheinen, das im Kino angeblich so spärlich zu finden ist?

Weil sie beide scheiße sind.

Weil beide Filme etwas sein wollen, das sie nicht sind: Hohe Kunst.

Nichts ist lächerlicher als ein Autor, der sich einbildet, hohe Kunst schreiben zu müssen, und dann etwas abliefert, das nichts dergleichen ist. Dann lieber ein Mann wie Dan Brown oder eine Frau wie E. L. James. (Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere: "Wer ist denn bitte E. L. James?" Hier die Antwort: E. L. James ist Autorin dieser "Shades of Grey"-Bücher. Ist fast schon so etwas wie die 100.000-Euro-Frage bei Jauch, denn ich hätte auch keine Ahnung gehabt, wer E. L. James ist.)

Lieber einen gut gemachten Blockbuster, der nichts anderes sein will als ein gut gemachter Blockbuster, als irgendein geschwurbelter Film, der sich für hohe Filmkunst ausgibt.

"Cloud Atlas" war toll gespielt und inszeniert. Nachdem ich mich in den Film hineingefunden hatte, fühlte ich mich sehr gut unterhalten. Aber offenbar wollte "Cloud Atlas" mehr sein als die Summe seiner Teile. Und genau das war er schlicht und ergreifend nicht. Die Teile selbst wiederum waren nichts anderes als vollkommen banale Versatzstücke aus klischeetriefenden Kurzgeschichten.

"Anna Karenina" protzt mit absurd inszenierten Szenen, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Warum spielt das ganze in einer Art lebendigen Theater? "Anna Karenina" ist kein Theaterstück. Es ist ein Roman. Warum also so tun, als würde man hier ein Theaterstück auf die Leinwand bringen?

Was sollte diese komische Szene mit den Büroarbeitern, die im Gleichtakt Papiere stempeln? Sollte das witzig sein? In dem genialen Musical-Film "The Producers" war es witzig. Hier war es einfach nur albern und scheiße.

In einer schlauen Kritik lese ich, dass die russische Adelsgesellschaft wie ein Theaterstück inszeniert ist, in dem jeder nur eine Rolle spielt. Erst als Anna Karenina die wahre Liebe findet, bricht sie aus ihrer Rolle aus und die Bilder werden real.

Das ist eine nette Erklärung.

Dennoch ist es scheiße.

Weil es nichts daran ändert, dass es ein albern-aufdringliches Stilmittel ist, das übrigens auch in merkwürdigen, traumartigen Szenen zum Einsatz kommt, nachdem sich Anna Karenina verliebt hat.

Und dann lese ich immer wieder das Wort "bildgewaltig". Wenn "Bildgewalt" ein legitimer Grund ist, einen Film großartig zu finden, dann darf sich nie wieder jemand dieser angeblich so anspruchsvollen Kritiker darüber empören, dass andere Zuschauer einen Film wie "Transformers" toll finden.

Das Thema "Bildgewalt" (ein generell komisches Wort) ist ein derart weites Feld, dass ich darüber einen eigenen Blogeintrag schreiben möchte. Daher nur kurz: Wo fängt eindrucksvolle Bildgewalt an, und wo wird es zum flachen Effekte-Spektakel?

Vielleicht glauben manche Kritiker, dass die "Bildgewalt" von Filmen wie "Transformers" oder "The Avengers" irgendwie anders hergestellt wird als die "Bildgewalt" von Filmen wie "Anna Karenina", und dass diese Art von Bildgewalt deshalb künstlerisch werthaltiger sei.

Diese Kritiker ahnen wahrscheinlich nicht, wie sehr sie sich irren. Die Effekte für "Anna Karenina" unterscheiden sich in der Herstellung verblüffend wenig von den Effekten aus Blockbuster-Filmen.

Wer einen wahrhaft bildgewaltigen, in sich stimmigen und durchgehend fesselnden Film sehen möchte, der soll sich Lars von Triers "Melancholia" ansehen. Das ist ein Film, bei dem das Wort "Bildgewalt" seine Berechtigung hat, denn die Bilder kriegt man so schnell nicht aus dem Kopf. Und jeder einzelne Effekt entfaltet exakt die beabsichtigte Wirkung.

Und das ist eben der Unterschied zwischen einem Film wie "Melancholia" und "Anna Karenina". "Melancholia" ist hohe Filmkunst. "Anna Karenina" hat nur ein unterhaltsames Effektefeuerwerk, das im Idealfall der Unterhaltung dient, zugleich aber zur großen Kunst hochstilisiert werden soll.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Echtes Star Trek

Der neue "Star Trek"-Film hat ja erneut die Debatte ausgelöst, ob das jetzt noch "echtes" "Star Trek" ist oder einfach nur noch ein Film, der die Marke und die Begrifflichkeiten benutzt, ähnlich wie bei vielen Superhelden-Verfilmungen.

Die Frage aber ist: Was ist denn überhaupt "echtes" "Star Trek"?

Ich erinnere mich noch, wie bei der "Next Generation" die Frage aufkam, ob ein "Star Trek" ohne Kirk und Spock funktionieren könne. Später hieß es bei "Deep Space Nine": Ist eine Serie auf einer Raumstation noch "echtes" "Star Trek"?

"Star Trek" hat stilistisch so ziemlich alle Facetten von Science-Fiction ausgeleuchtet, die denkbar sind. Von einer bunten 1960er-Jahre-Serie, einer eher behäbigen 1980er-Jahre-Serie (zu einer Zeit, als vor allem Gerichtsserien beliebt waren, eine Zeit also, in welcher der Zuschauer es gewohnt war, langen Dialogen zuzuhören), gefolgt von sehr actiongeladenen 1990er-Jahre-Serien. Und am Ende gab es sogar eine moderne Retro-Serie ("Enterprise").

Es gibt "Star Trek" sogar als schwach animierte Zeichentrick-Serie. Und nicht zu vergessen die Kinoreihe, die auch alles abdeckte. Sie begann als großes Kino-Epos mit State-of-the-Art-Effekten, wandelte sich dann jedoch mehr und mehr in eine durchschnittlich erfolgreiche Filmreihe, der man das eingeschränkte Budget spürbar ansah.

Und nun hat "Star Trek" den Sprung geschafft und liefert hochaktuelles Effekte-Kino, welches im Grunde erstmals seit dem allerersten "Star Trek"-Kinofilm den Vergleich mit aktuellen Blockbustern nicht mehr scheuen muss.

Wie kann es angesichts all dieser Facetten überhaupt noch so etwas wie "echtes" "Star Trek" geben? Und woran würde man "unechtes" "Star Trek" überhaupt noch erkennen können?

Ich denke, was das bisherige "Star Trek", sozusagen das "Pre-Abrams-Trek" auszeichnete, das war das Bemühen darum, ein in sich schlüssiges Universum zu erschaffen. Damit meine ich nicht nur das Techno-Babble. Ich meine die Welt als ganzes.

Wenn es in "Star Trek" zu einer Raumschlacht kam, verlief diese nach bestimmten, nachvollziehbaren Kriterien. Wenn auf der Krankenstation eine Untersuchung stattfand, erkannte man, welcher Logik sie folgte. Genau dadurch wurde das Universum so glaubwürdig.

Daher hatte ich auch nie einen Zweifel daran, ob "Deep Space Nine" "echtes" "Star Trek" ist. (Ich hatte in den ersten zwei Staffeln jedoch Zweifel daran, ob es "gutes" "Star Trek" ist.)

"Star Trek: Voyager" hat zu Beginn den großen Fehler begangen, eine gewisse Beliebigkeit einzuführen. Bei "Star Trek: Voyager" musste man Energie sparen, daher durfte der Replikator nur begrenzt benutzt werden. Alles andere jedoch - wie die Holodecks - war kein Problem. Der Verbrauch von Photonentorpedos war kein Problem. Die Zerstörung von Shuttles war kein Problem. (Erst sehr viel später wurde etabliert, dass die Crew in der Lage ist, neue Shuttles zu bauen.) Der Tod von Crewmitgliedern war kein Problem, es gab nie personelle Engpässe. Die VOYAGER traf immer wieder auf die gleichen Aliens, obwohl man doch eigentlich konsequent  in eine Richtung flog. Die Warpgeschwindigkeit war beliebig. Wer würde bei einer 70-jährigen Reise mit Warp-5 fliegen, wenn man Warp 9 zur Verfügung hat? Warp 5 ist 125-fache Lichtgeschwindigkeit, Warp 9 ist 729-fache Lichtgeschwindigkeit! Wer würde bei einer 70jährigen Reise eine Geschwindigkeit wählen, die nur ein Sechstel so schnell ist wie die Maximalgeschwindigkeit?

Diese Beliebigkeit wurde damals von den Fans heftig kritisiert. Zu Recht.

Der letzte "Star Trek"-Film hat sich nun durch die Einführung der neuen Zeitlinie einen Freibrief für diese Beliebigkeit verschafft. Darin sehe ich den größten Bruch. Es werden absurde Techniken aus dem Hut gezaubert, es herrscht reine Willkür bei der Auswahl von Offizieren, und das Verhalten der Figuren entspricht keinen nachvollziehbaren Charakterisierungen mehr. Die neue Zeitlinie dient als Rechtfertigung dafür, Etabliertes zu zerstören, und zugleich dient sie als Rechtfertigung für absurde Zufälle, sodass sich plötzlich Figuren begegnen, die "füreinander bestimmt" sind. Daher richtet es das "Schicksal" so ein, dass Kirk vor einem Eismonster fliehend auf Spock und Scotty trifft, während das gleiche Schicksal nichts unternimmt, um Spocks Mutter und die Heimatwelt der Vulkanier zu retten.

So etwas kann man nur noch als vollkommene Beliebigkeit akzeptieren. Und wenn den Fans - anders als damals bei "Star Trek: Voyager" - diese Beliebigkeit plötzlich vollkommen egal ist oder wenn sie die neue Zeitlinie als akzeptable Erklärung für diese Willkür hinnehmen, dann geht das ja auch in Ordnung.

Doch für die anderen ist und bleibt es nun einmal die endgültige Abkehr von etwas, in das es sich lohnte, gedanklich einzutauchen. Egal ob gut oder schlecht, es wird nie wieder etwas sein, das es wert ist, darüber nachzudenken oder sich darüber aufzuregen, wenn es wie bei "Star Trek: Nemesis" hohl, widersprüchlich und schlecht ist.

Ob in Zukunft ein "Star Trek"-Film gut oder gelungen ist, wird sich nach den gleichen Kriterien entscheiden wie bei einem zweiten "Avengers"-Film. Die neuen Filme dienen dem Zweck, Spaß zu haben. Es wäre geradezu absurd, zu erwarten, es sei etwas geplant, bei dem sich das Nachdenken lohnen könnte. Letztlich wird es künftig gar keinen großen Unterschied machen, ob nun Captain America, Iron Man, Thor, Hulk und Black Widow gegen Loki kämpfen, oder ob Kirk, Spock, McCoy, Uhura, Scotty, Sulu und Chekov gegen einen von Benedict Cumberbatch verkörperten Typen antreten. Beides soll nichts anderes sein als unterhaltsamer Effekte-Spaß.

Das ist legitim. Und es ist legitim, Gefallen an etwas zu finden, das gut gemacht ist.

Aber es ist auch legitim, wenn ich sage, dass dies kein echtes "Star Trek" mehr ist.

Experience

Wer heute ins Kino geht und dafür die horrend hohen Eintrittspreise bezahlt (die allmählich mehr an die Eintrittspreise von Vergnügungsparks als an die Eintrittspreise für einen Kinofilm erinnern), der hat eine Erwartungshaltung, die sich von der Erwartungshaltung von früher unterscheidet.

Niemand fährt nach Disneyworld in Florida, um dort in einer Attraktion vor einer Leinwand zu sitzen und sich einen Film anzusehen, in dem eine originelle Story erzählt wird.

Das Schlüsselwort ist "Experience".

Die heutigen Multiplexe mit den 3-D-Effekten erinnern mehr an "Captain Eo" in Disneyland als an das klassische Kino von früher. Daher läuft allmählich die normale Filmkritik ins Leere. Denn dieser "Experience", dem Erlebnis eines Effekte-Regens, hat sich alles andere unterzuordnen. Es spielt noch nicht einmal eine große Rolle, ob auf der Leinwand Schauspieler oder Computerfiguren zu sehen sind, und das zwangsläufige Konfliktverhältnis zwischen Regisseuren und Schauspielern führt dazu, dass viele Regisseure offenbar lieber mit Computerfiguren als mit Schauspielern arbeiten.

Ich verstehe den neuen Trend also sehr gut. Dennoch sehe ich ihn auch als Sackgasse. Kinohäuser sind nicht wie Vergnügungsparks. Man besucht sie nicht nur einmal im Jahr.

Es ist ein Unterschied, ob ich in den Universal Studios eine zehnminütige "Jurassic Park"-Fahrt mache, oder ob ich mir im Kino einen über zwei Stunden langen Film ansehe. Bilder- und Effekte nutzen sich schneller ab, als man glaubt, und sie wiederholen sich auch, wie man an den aktuellen Trailern erkennt, bei denen man mehr und mehr den Eindruck gewinnt, die optischen Ideen gleichen sich sogar noch mehr als die simplen Plots.

Samstag, 8. Dezember 2012

Teasing


Und schon ist er da, der "Teaser"-Trailer zum nächsten "Star Trek"-Film.

So überraschend es klingen mag, mir gefiel der Trailer gar nicht so schlecht. Für einen Teaser-Trailer zeigt er gar nicht einmal so wenige Szenen. Mein "Vorwurf" an das Teaser-Plakat, das auf mich billig wirkt, trifft hier zumindest nicht zu. Die Bilder aus dem Film sehen alle gut bis großartig aus. (Angesichts dessen wundert mich dieses B-Picture-hafte Plakat sogar noch mehr.)

"Into the Darkness" scheint ein emotionaler Film zu werden, was gut ist und was ich den Machern auch zutraue, weil der letzte Film viele emotionale Szenen hatte, die sehr gut funktionierten. Im Gegensatz übrigens zu den "Next Generation"-Filmen, von denen - und für mich als großen "Next Generation"-Fan ist dies eine besonders traurige und schmerzliche Feststellung - auf emotionaler Ebene kein einziger funktioniert hat, und das, obwohl man darin weiß Gott mit heftigen Schicksalsschlägen nicht gegeizt hat. Es gab den Tod von Picards Familie, Kirks Tod, die Vernichtung der ENTERPRISE D, die Heirat der Rikers, eine Liebesbeziehung für Picard, den Tod von Data ... Nichts von alledem hat emotional wirklich berührt.

So gesehen verspreche ich mir hier einen Film, der auf emotionaler Ebene funktioniert. Die Optik gefiel mir auch, wobei ich zugeben muss, dass ich bislang weder "Prometheus" noch "Batman Rising" gesehen habe. Offenbar gibt es hier einige optische und inhaltliche Parallelen, wie ich aus anderen Kritiken zum Teaser-Trailer erfahren habe, aber da ich die anderen Filme nicht gesehen habe, hat es mich auch nicht gestört.

Was mich allerdings stört: Der Film gibt sich offenbar als etwas aus, was er nicht ist. Oder besser gesagt: Ich hoffe, er gibt sich als etwas aus, das er nicht ist. Einen solchen Trailer könnte man sich auch für einen weiteren "Stirb langsam"- oder Bond-Film vorstellen. Wir sehen noch nicht einmal eine einzige Weltraum-Szene. Auch der Plot scheint sich um eine reine Rache-Geschichte zu drehen und keine Science-Fiction-Elemente zu enthalten, was schade ist, zumal ja bereits im letzten "Star Trek"-Film der Bad Guy von einem diffusen Rachemotiv getrieben wurde.

Und auch die "Star Trek"-Elemente erkennt gerade einmal der Fan, dem Mainstream-Zuschauer fallen sie sicherlich überhaupt nicht auf.

Ich sehe nicht ein, weshalb sich auf einer großen Franchise-Hollywood-Party ausgerechnet "Star Trek" klammheimlich und zur Unkenntlichkeit maskiert durch die Hintertür hereinschleichen muss, während alle anderen erhobenen Hauptes durch die Vordertür kommen dürfen. Natürlich gibt es Leute, die "Star Trek" doof finden. Doch das ist bei jedem Franchise der Fall. Es gibt sicher nicht wenige, die Superman blöd finden. Würde man deswegen einen "Superman"-Trailer so gestalten, dass Superman darin kaum vorkommt?

Damit wir uns recht verstehen: Das ist keine Kritik am Film oder seinen Machern. Es ist Kritik an der Marketing-Abteilung, die offenbar glaubt, mehr Leute ins Kino zu ködern, wenn man ihnen ein X für ein U vormacht.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Cover

Nein, dieses Cover ist nicht das Poster zu einem weiteren "Matrix"-Möchtegern-Film. Es ist auch nicht irgendeine Superhelden-Videopremiere oder eine weitere TV-Serie über eine Comic-Figur, die zufälligerweise nicht zu den fünftausend Comichelden gehört, die im Rahmen des "Marvel-Deals" auf Disney übergegangen sind.

Es ist auch nicht das Werbeplakat zu einer weiteren stinkfaden Endzeit-TV-Serie, bei der schon der Werbetrailer unkontrollierbare Gähnattacken auslöst. Und es ist auch nicht das Cover irgendeines zweitklassigen, verbuggten Baller-Videospiels, das bereits zwei Wochen nach seinem Release in den Wühltischen verramscht wird.

Das ist tatsächlich das Cover zum neuen "Star Trek"-Film. "Star Trek", das Franchise also, das von Paramount erst totgemolken, beerdigt und dann unter dem großen Beifall der Fans mithilfe eines Superbudgets und einer Ver-Teenagerung der Charaktere wiederbelebt und nach allen Regeln der Kunst auf Mainstream getrimmt wurde, sodass am Ende nur noch der ungläubige Thomas übrig blieb, der nicht so recht glauben wollte, dass das alles noch irgendwas mit "Star Trek" zu tun hat.

Und erneut frage ich mich: Warum muss das eigentlich unter dem Namen "Star Trek" laufen, wenn es inhaltlich ohnehin nur noch die Namen und ein paar Begrifflichkeiten mit "Star Trek" gemein hat und gleichzeitig die Macher nach wie vor von der Angst getrieben sind, das Geek-Image von "Star Trek" könnte mehr Leute abschrecken als ködern?

Denn anders ist dieses Filmposter nicht zu deuten.

Man stelle sich vor, es käme ein weiterer "Star Wars"-Film, und man müsste beim Cover dreimal hinsehen, um überhaupt zu erkennen, dass es sich um "Star Wars" handelt. Oder es käme ein neuer "Harry Potter"-Film, in dem auf dem Cover nichts an Potter, nichts an Zauberei und nichts an das typische Potter-Flair erinnert, um jene, die normalerweise kein "Harry Potter" mögen, anzulocken.

Natürlich steht da klein in weißen Lettern "Star Trek". Und auch der weiße Umriss erinnert an das Sternenflotten-Symbol (was aber nur Fans auffallen dürfte). Doch ansonsten erkennt man weder Raumschiffe im typischen "Star Trek"-Look noch irgendwelche Science-Fiction-Elemente. Und auch von der "Enterprise"-Crew ist niemand zu sehen. Alles, was wir auf diesem Cover erblicken, sind ein paar nichtssagende und völlig austauschbare Ruinen und ein dunkelhaariger Typ, der aussieht, als habe er gerade eine "Matrix"-Convention besucht.

Dafür also der ganze Vorgänger? Dafür wurde ich im letzten Film mit so vielen Lense-Flares geblitzt, als wollten mir die Macher mit der "Man in Black"-Technik meine Erinnerung ans bisherige "Star Trek" löschen? Dafür mussten wir uns eine witzlose Pseudo-Origin-Story, saudämliche Spock-Uhura-Sexphantasien und hirnverbranntes Scotty-Geblödel in Brauerei-Röhren antun? Damit wir endlich wieder "boldly" dorthin gehen können, wo "Star Trek: Nemesis" längst gewesen ist?

Mittwoch, 14. November 2012

Wie man es richtig macht

Einem falschen Gerücht folgend, dass der neue Bond-Film auf den vorherigen Teilen aufbaut, habe ich mir die letzten zwei Daniel-Craig-Bonds noch einmal angesehen.

Es war unnötig, wie sich herausstellte. Um "Skyfall" sehen zu können, muss man die Vorgänger nicht kennen.

Es war dennoch gut, dass ich es getan habe, ließ es mich doch erkennen, wie haushoch der neue Bond-Film seinen Vorgängern überlegen ist. Es ist sogar so, dass "Casino Royal" angesichts von "Skyfall" hoffnungslos überschätzt wirkt, während die vernichtenden Kritiken zu "Ein Quantum Trost" noch viel zu zurückhaltend waren.

"Casino Royal" hatte einen Bösewicht, der das Geld seiner Kunden vermehrt, indem er Anschläge verübt, die den Aktionkurs beeinflussen. Ein solcher Anschlag wird von Bond verhindert, woraufhin der Bösewicht versucht, das Geld in einem Pokerspiel zurückzubekommen. Das soll Bond im Auftrag der britischen Regierung verhindern, weil … Ja, weil ein Bösewicht halt nicht viel Geld haben sollte. Das war die ganze Motivation für Bond in "Casino Royal". Es galt nicht, einen besonders bösen Plan des Bad Guy zu verhindern oder Menschenleben zu retten ... Nein. Der ist Mann ist böse, also sollte er kein Geld haben.

Wenn dies das Ziel des MI6 ist, dann sollten sie wohl dringend mehr Personal einstellen.

Nachdem dann Bond in diesem Film mehr Glück als Verstand hat und das Geld mit einem Royal Flush gewinnt (während alle anderen gerade in diesem Moment auch ein gutes Blatt haben und "All in" gehen), reißt sich das gewonnene Geld eine mysteriöse Geheimorganisation unter den Nagel.

Das wars.

In der Fortsetzung "Ein Quantum Trost" will Bond dieser Geheimorganisation auf die Spur kommen, bleibt aber bei einem einzelnen Bösewicht hängen, der irgendwie nicht vorhandenes Öl verkaufen will, worauf irgendwie alle Nationen reinfallen, nur Bond nicht. Ein grauenhafter Film, und am Ende wird der Bösewicht in einer Wüste ausgesetzt.

Das wars. Man sah noch nicht einmal den Tod des völlig uninteressanten Bad Guy.

Ich hatte wirklich vergessen, wie schlecht, langweilig und unspektakulär die letzten zwei "Bond-Filme" gewesen sind.

All das zusammengenommen führt mich zu sieben Punkten, die zeigen, warum der neuste Bond-Streifen "Skyfall" so vieles richtig macht.

1. Eine Handlung, der man folgen kann

Dem unsäglichen Michael-Bay-Trend im Kino zuwider, wonach der Zuschauer sich nicht für eine Handlung interessiert, solange es auf der Leinwand nur lauter Rummst als im Popcorn-Eimer, leistet sich "Skyfall" tatsächlichden den Luxus einer Handlung, und zwar sogar einer Handlung, der man folgen kann. Und zwar nicht deshalb, weil sie so unsagbar dünn bis nicht vorhanden ist, sondern weil sie sich logisch entwickelt. Man weiß, wer was will, wer warum wohin geht und was in der jeweiligen Actionszene gerade passiert. Ein großes Plus, nicht nur im Vergleich zu "Ein Quantum Trost", sondern im Vergleich zu vielen Blockbuster-Schinken.

2. Keiner mag Bond

Es wird ja viel darüber geschrieben, was für ein genialer Schachzug es war, aus Q einen Computernerd zu machen. Ich halte das eher für so naheliegend, dass es gar nichts anderes hätte sein können. Viel wichtiger aber scheint mir: Es ist ein arroganter Computernerd, der auf Bond herabsieht. Und zwar deshalb herabsieht, weil die Qualitäten Bonds viel austauschbarer sind als die eines Computernerds. Und genau das macht es witzig und originell. Bond lebte schon immer davon, dass ihn niemand bewunderte. M behandelte ihn stets abfällig, Moneypenny riss ihre Witze, und Q war immer übel gelaunt und verärgert, weil Bond seine Geräte demolierte. Hier haben wir einen Computernerd, der damit prahlt, noch im Schlafanzug die Bösewichter der Welt bekämpfen zu können. Gefällt mir.

3. Judi Dench

Ich finde Judi Dench ohnehin grandios, aber für diesen Film hätte sie im Grunde einen weiteren Oscar verdient. Sie war in jeder Szene einfach nur umwerfend. Es ist unglaublich, wie es ihr gelingt, eine verletzliche Seite von M zu zeigen, ohne die Figur zu demontieren.

4. Der Bösewicht und Bond

Natürlich reden immer alle vom Bond-Girl, aber die wahren Redevous hatte Bond stets mit dem Bad Guy. Die Frauen waren nur Spielzeug, aber mit dem Bad Guy hat sich Bond angefreundet. In den guten Bond-Filmen hat der Bad-Guy immer wieder Bond umworben, er hat versucht, ihn für seine Welt zu gewinnen. Meist gab es irgendein kultiviertes Dinner zwischen Bond und dem Bad Guy, bei dem beide wissen, wer der andere ist, aber gemeinsam ein Spiel spielen, um jeweils die Schwachstellen des anderen auszuloten. Bad Guy und Bond sind in einem Bondfilm meist die einzigen Figuren, die einander wertschätzen. Bond, indem er die Gefährlichkeit des Bad Guys durchschaut, und der Bad Guy, indem er Bond oft aufwendig bekämpft. Zu dieser Tradition kehrt dieser Film nicht nur zurück, er stellt sie sogar auf sehr amüsante neue Stufe.

5. Spiegelbilder

Der Film erinnert zum Teil an den grauenhaften Film "Star Trek: Nemesis", was an dem identischen Drehbuchautor liegen mag. Bei "Star Trek: Nemesis" trifft Picard auf seinen Klon. Er soll sich damit selbst hinterfragen, weil er sieht, was aus ihm unter anderen Umständen hätte werden können. Es hat bei "Nemesis" nicht funktioniert. Der Film war ein dummdreistes Sammelsurium an Unlogik und Pseudo-Philosophie. (Und ich verweise erneut auf die treffende Analyse hier.) In "Skyfall" funktioniert jedoch die - oberflächlich betrachtet - sehr ähnliche Story. Hier wird Bond mit einem Agenten konfrontiert, der erkannte, dass die Loyalität, die er M und seinem Land gegenüber erbracht hat, einseitig war, und der darüber den Verstand verlor. Es funktioniert auch, weil es das Schicksal von Bond und von M zeigt, die beide nur die Wahl haben: Sich verbittert und gealtert zurückziehen, oder weiter kämpfen und weiter sein Bestes zu geben, obwohl man nicht auf eine Entlohnung oder dankbare Anerkennung hoffen darf.

6. Bonds Jugend

Ausflüge in das Innenleben oder die Vergangenheit von Figuren enden meist verheerend, weil sie oft kitschig und banal sind. Hier funktioniert es überraschend gut. Bond kehrt zu seinem Elternhaus zurück, und genau hier wird der Film finster, trist und grau. Als Symbol für Bonds verkümmertes Innenleben ist die Szene natürlich platt, sie funktioniert aber im Rahmen eines Bond-Films sehr gut, weil sie Bilder zeigt und nicht irgendwelche pseudo-psychologischen Erklärungen liefert.

7. Altes und Neues

Bond lebte schon immer davon, dem Zuschauer neueste Techniken vorzuführen. Zugleich aber ist Bond etwas sehr Klassisches, etwas britisch Konservatives. Genau an diesem Widerspruch beißen sich manche Bond-Filme die Zähne aus. Soll die Modernisierung vorangetrieben werden? Dann ist es irgendwann kein echter Bondfilm mehr. Oder macht man einen auf retro? Dann ist es auch kein echter Bondfilm mehr, denn Bond-Filme waren früher nicht retro, sie blickten nach vorne. In diesem Film werden beide Seiten gekonnt gegeneinander ausgespielt, ohne sich zu behindern. "Skyfall" findet deshalb zu einer erstaunlichen Balance aus Insider-Gags, Luxus, Computertechnik-Unfug und klassischen Gadgets.

Besser hätte man es wahrscheinlich nicht machen können.

Dienstag, 6. November 2012

Original zuckerloser Zucker

Wegen einer Erkältung wollte ich mir ganz normale Kräuterbonbons holen. Aber natürlich gibt es die nur zuckerfrei. Weil das "gesünder" ist.

Der Zucker wurde derart dämonisiert, dass selbst jutetragende Öko-Fanatiker, denen ja sonst nichts "natürlich" genug sein kann, eine zuckerfreie Chemiekeule dem echten Zucker vorziehen. (Und natürlich gefällt das auch der Industrie, denn obwohl chemische Süßstoffe wesentlich billiger sind und Light-Produkte eigentlich viel günstiger sein müssten als die Originale mit Zucker, werden diese natürlich zum gleichen Preis angeboten, immerhin will man seinem Kunden ja zeigen, wie "ähnlich" und "gleichwertig" beide Varianten sind.)

Wenn dann allerdings sogar der "original Kräuterzucker" als "zuckerfrei" angepriesen wird, kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln. Die typischen Ricola-Bonbons wurden in den 1940er Jahren auf den Markt gebracht. Künstliche Süßstoffe gab es damals noch nicht. Und hätte es sie gegeben, hätte sich kein Mensch dafür interessiert. Denn damals wusste man noch den Wert des Zuckers zu schätzen.

Witzigerweise hat das Monell-Zentrum für Geschmacksforschung in Philadelphia herausgefunden, dass der eigentliche Wirkstoff eines "Erkältungssaftes" der Zucker ist. Reiner Zucker senkt den Hustenreiz um 45 Prozent, Mentol um 25 Prozent (weshalb Mentol-Zigaretten gerne als Einstiegs-Zigarrette genommen wurden). Dagegen verblassen zum Teil andere, süchtig machenden Wirkstoffe wie Codein oder Dextromethorphan, die sich in Hustensäften befanden oder heute noch befinden. Aber obwohl Hustensäfte seit den 1980er Jahren aufgrund dieser Stoffe sogar als Heroin-Ersatz mitbraucht wurden und werden, ging es den Verantwortlichen vor allem darum, dass sie "zuckerfrei" werden.

Freitag, 26. Oktober 2012

Scripted Reality

In zehn oder zwanzig Jahren wird man auf die heutige Zeit zurückblicken und sich verwundert fragen, weshalb viele bei der Entstehung von Scripted Reality so hysterisch und empört reagiert haben, ohne zu erkennen, dass hier nichts anderes als eine neue Kunstform erschaffen wurde.

Wie, was, wo?

Scripted Reality eine Kunstform? Das ist doch "Unterschichten-Müll". Scripted Reality ist das böse Zeug, das Qualität wie "Breaking Bad" oder "Homeland" ins Nischenprogramm verbannt.

Ich gestehe hier offen: Ich gehörte lange Zeit zu denen, die diese Meinung teilten. Zum einen, weil mich Scripted Reality aufgrund seiner Durchschaubarkeit nicht interessierte (Ignoranz). Und weil diese Scripted-Reality-Formate aktuell dazu genutzt werden, dummdreiste Vorurteile gegenüber sozial Benachteiligten zu stärken.

Erst einige Ausschnitte aus der Scripted-Reality-Sendung "Pures Leben" in einer Sendung von Oliver Kalkofe überzeugten mich endgültig davon, dass hier tatsächlich eine neue Kunstform geschaffen wurde. Die Bilder von einer dicken Frau, die in Mülltonnen nach Essen sucht und einfach nur frech ist, sind so anarchistisch, dreist, provokant und drastisch, dass es für mich alle Kriterien erfüllt, die echte Kunst ausmacht. Das, wofür man früher einen John Waters gebraucht hat, ist nun also im Mainstream angekommen. Eine bessere Gegenbewegung zum geleckten Hollywood mit seinen Photoshop-Avateren und den sterilen Kulissen ist schlichtweg nicht denkbar.

Und nein: Echte Kunst besteht nicht darin, dass man hochbezahlte Stars, teuere Special Effects oder mainstreamige Soundtracks hat. Genau das zerstört zur Zeit die Kunst, wie man an seelen- und witzlosen Kinoproduktionen sehr gut beobachten kann. Camerons "Avatar" ist technisch ein Fortschritt, künstlerisch aber eine Katastrophe. (Übrigens ein Film, der ebenso lachhafte Klischees bedient wie jede Scripted Reality.)

Natürlich kommt hier immer wieder das Argument auf, dass bei Scripted Reality Menschen "vorgeführt" werden. Warum aber werden hier Menschen vorgeführt? Aus einem einzigen Grund: Weil einige Zuschauer das Gezeigte für echt halten. (Niemand käme auf die Idee, Charlize Theron würde in einem Film wie "Monster" "vorgeführt".) Ich las kürzlich die empörte Meldung, dass jeder zweite Zuschauer Scripted Reality für "echt" hält. Für mich eine gute Nachricht. Bedeutet es doch: Bereits jeder zweite Zuschauer hält Scripted Reality für nicht echt. Das wird sich mehr und mehr durchsetzen. Als die Menschen das erste Mal auf einer Leinwand einen Zug heranbrausen sahen, sind sie angeblich in Deckung gegangen. Doch Menschen lernen. Früher waren es getürkte Wrestling-Matche, heute ist es eben Scripted Reality.

Im Moment verhält sich die Scripted-Reality-Industrie noch ein wenig wie die Porno-Industrie. Mit Knebelverträgen werden Menschen zu Dingen genötigt, die manche von ihnen dann vielleicht doch nicht tun wollen. Das wird sich aber genau dann ändern, wenn Scripted Reality als Kunstform erkannt und etabliert ist. Bereits heute wagen es Darsteller wie Wil Wheaton oder Matt LeBlanc, sich in Serien wie "The Big Theory" oder "Episodes" unter ihrem echten Namen als Arschloch darzustellen. Einfach, weil sie Vertrauen darin haben, dass der Zuschauer dies als Spiel durchschaut. Und es wird der Tag kommen, an dem Teilnehmer und Zuschauer von Scripted Reality wissen, was sie zu erwarten haben. Die Inszenierung wird in den Vordergrund geraten, und die wahre Person wird sich wie ein Schauspieler hinter der Fassade verstecken können.

Es wäre unfair zu behaupten, dass nahezu alle Scripted-Reality-Formate dummdreiste Vorurteile über Dicke, Hartz-IV-Empfänger oder Menschen in der Schuldenfalle bedienen. Die meisten Scripted-Reality-Formate behandeln etwas, das viele beschäftigt: Die Partnersuche. Das ist ein Thema, das wahrscheinlich schon so hinreichend behandelt wurde, dass es mit den etablierten Kunstmedien gar nicht mehr darstellbar ist. Was die ärgerlichen Scripted-Reality-Formate mit Vorurteilen gegenüber sozial Benachteiligten angeht: Dabei handelt es sich leider um genau die Vorurteile, die in unserer Gesellschaft seit langem kursieren. Dass es bei Scripted Reality "besonders schlimm" ist, weil der Zuschauer das Gezeigte für "echt" hält, sehe ich auch nicht. Viele glauben auch an die Verlässlichkeit von Schlagzeilen in der Bildzeitung, von geschönten Statistiken in der Tagesschau und von angeblich selbst recherchierten Artikeln auf Spiegel online, die in Wahrheit aus dem Dunstkreis der von Arbeitgeberverbänden gegründeten Initative Neue Markwirtschaft stammen. Angesichts dessen entpuppt sich die Scripted Reality sogar noch als harmloses, da schnell durchschaubares Mittel zur Meinungsmache.

Wer sich Filme aus den 1960er Jahren ansieht, der findet dort auch unendlich viele Vorurteile gegenüber Frauen, Schwulen und "Zigeunern". Das allein spricht aber nicht gegen die Kunstform "Film". Und so ist es auch bei Scripted Reality. Mit den Stilmitteln von Scripted Reality könnte man genauso gut das Leid von Mobbing-Opfern, die verzweifelte Jobsuche von Arbeitslosen, das aussichtslose Abrackern von "Hartz-IV-Aufstockern", die Demütigung von "Tafel-Gängern" oder die Tragik einer Magersucht eindrucksvoll darstellen. Und vielleicht sogar authentischer und nachhaltiger als bei manch einer gekünstelten Kino- oder Serienproduktion. Um das zu erreichen, genügt es aber nicht, das Format Scripted Reality zu verdammen. Vielmehr sollte man Scripted Reality als Kunstform anerkennen und vorantreiben.

Scripted Reality vermengt Stilmittel, die im Grunde alt sind, auf originelle Weise neu. Zum einen ist da natürlich nach wie vor das klassische inszenierte Drama, das hier mit den Mitteln des Improvisationstheaters arbeitet. Eine Improvisation, wie sie so wahrscheinlich tatsächlich nur von Laien überhaupt zu erbringen ist. Doch hier bleibt Scripted Reality nicht stehen. Ganz im Stil von Brecht wendet sich immer wieder der Laiendarsteller direkt ans Publikum. Jetzt plötzlich ist auch Blickkontakt mit der Kamera erlaubt, und der Laiendarsteller kann seine Motive erklären und das soeben gezeigte reflektieren.

Besonders positiv fällt mir folgendes an Scripted Reality auf: Es gibt wieder den klassischen Erzähler, der aus dem Off zu hören ist. Das ist ein Element, das unverständlicherweise in zu vielen Filmen fehlt, obwohl Filme wie "Die zauberhafte Welt der Amelie" gezeigt haben, wie gewinnbringend so eine Erzählerstimme ist. Eine wesentliche Funktion spielen bei Scipted Reality auch die immer wieder aufploppenden Texteinblendungen. Damit nutzt Scripted Reality alle zur Verfügung stehenden erzählerischen Mittel: Texteinblendungen, Erzählerstimme und improvisiertes Theater.

In einer gut gemachten Scripted Reality folgen all diese Stilmittel in einem so schnellen Tempo, dass eine Serie wie "24" auch nicht mehr Drive hat. Und das wohlgemerkt ganz ohne Special Effects oder anderen Schnickschnack, mit denen Leute wie Michael Bay heutzutage davon ablenken, dass sie nichts zu erzählen haben.

Der bei Scripted Reality offensichtliche Verzicht auf Studio-Kulissen folgt im Grunde der Dogma-95-Bewegung, die 1995 von dänischen Filmregisseuren wie Lars von Trier als neue Kunstbewegung eingeführt wurde. Damals wurde das bejubelt. Endlich, so hieß es, gehe man weg vom Effekte-Kino, hin zu dem, was Film ursprünglich war. Das war schon damals großer Schwachsinn. Kino und Effekte sind eine Einheit, Filme wie "Metropolis" oder "Goldrausch" sind ohne Effekte nicht denkbar und gerade dadurch so berühmt geworden.

Jetzt wurde aber Dogma-95 doch eingeführt. Und zwar vollkommen stimmig in einer eigens dafür geschaffenen Kunstform: Der Scripted Reality.

Werde ich mir in Zukunft Scripted Reality ansehen? Nein. Ich habe ja noch nicht einmal einen Fernseher. Aber ich werde mich nicht mehr dem elitären Gejammer anschließen. Die Forderung, dass man stattdessen "bessere" Programme produzieren oder die besseren Sachen zu besseren Zeiten senden soll, ist doch in Zeiten von unendlicher Programmvielfalt, DVD und Festplatten-Recordern lächerlich und folgt dem bereits in den 1970er Jahren geäußerten Wunsch, das ZDF solle doch keinen infantilen Käse wie "Dalli Dalli" verzapfen und stattdessen echte Kunst zeigen. Heute gilt "Dalli Dalli" als TV-Kult, die Forderung von damals erscheint heute absurd, während man sich gleichzeitig um das aktuelle Programm sorgt. Fakt ist doch: Damals hätte man von einer Serien- und Qualitätsvielfalt wie der von heute nur träumen können.

Als das vom Hollywood-Glamour verwöhnte Publikum plötzlich im Kino Filme wie "Easy Rider" oder "Taxi Driver" sah, waren nicht wenige entsetzt. Und die Argumente waren damals nicht anders als heute. Falsche Vorbilder, Kultur- und Niveaulosigkeit, alles nur furchtbar. Jetzt wiederholt es sich beim Scripted Reality. Nur dass die, die sich damals "Easy Rider" begeistert angesehen haben, heute zu denen gehören, die über den neuen Trend empört den Kopf schütteln.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

The Big Friends Theory

"The Big Bang Theory" startete als eine Nischen-Sitcom.

Dann kam der große Mainstream-Erfolg. Ein Erfolg, der sogar die Macher überraschte. Leider führte er dazu, dass das Konzept immer mehr aufgeweicht wurde.

In den ersten Folgen war Penny die einzige weibliche Stamm-Figur der Serie. Und sogar sie war in einigen Folgen so wenig präsent, dass ich mich manchmal fragte, ob sie überhaupt noch mitspielt. Denn schließlich ging es nie um Penny. Es ging um eine Gruppe von befreundeten Nerds.

Inzwischen sind mit Amy und Bernadette zwei weitere weibliche Hauptcharaktere hinzugekommen, und zu Beginn der sechsten Staffel wurde offenbar noch eine Figur eingeführt, vermutlich als Ersatz für die unerträgliche Schwester von Raj. Statt nerdigen Gesprächen erleben wir seitdem immer mehr weibliche Kaffeekränzchen, in denen sich die Damen über Jungs unterhalten. Derartige Szenen aber haben in einer Serie wie "The Big Bang Theory" nichts verloren.

Wenn die Macher glauben, frischen Wind zu brauchen, dann sollten sie neue Nerds einführen. Stattdessen gibt es Frauen, und mit ihnen auch gehäuft Frauenthemen, die mehr und mehr zu rührseligen "Friends"-Momenten führen, in denen das zu hörende Publikum im "Friends"-Stil mit störend gekünsteltem "Ooohhh" aufseufzt.

Die Mainstreamisierung von "The Big Bang Theory" wird jedoch nicht aufzuhalten sein, denn die Macher werden logischerweise den Teufel tun, ihren Erfolgskurs zu ändern. Und zugegeben: "The Big Bang Theory" ist nach wie vor eine witzige Serie mit erstaunlich vielen Gags, die funktionieren. Aber die Ecken und Kanten, die einst das Besondere ausmachten, werden am Ende auf der Strecke bleiben.

Montag, 22. Oktober 2012

Ultra

Man könnte glauben, es wäre ein Aprilscherz auf der Postillon-Seite: Der Nachfolger von Full-HD heißt nun offiziell "Ultra HD". (Nur Sony hält an der Bezeichnung 4K fest, um den Kunden "nicht zu verwirren".)

Und mir kommt es so vor, als sei es gestern gewesen, dass in den Foren diskutiert wurde, ob Blu-ray überhaupt eine Zukunft hat, denn: "Wer braucht denn schon High Definition", und "DVD langt doch".

Aber nun gibt es bereits den Ultra-Nachfolger von Full-HD, und vielleicht werden die Datenträger dann nicht blau, sondern rosa (Dornröschen-Film-Insider-Gag). Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Ultra HD gibt es nicht in einer weit entfernten Zukunft, sondern bereits aktuell im Handel, wenn auch unter der Bezeichnung 4K.

Das Ultra HD hat eine Auflösung, bei der selbst 35mm-Kinofilme nicht mehr mithalten können. Mit dieser Auflösung könnte man selbst auf einer Riesenleinwand in einem Multiplex-Kino einen Film deutlich schärfer zeigen als bisher. (Gut, die meisten Kinos könnten diesen Effekt auch jetzt schon erzielen, ganz ohne "Ultra", indem sie einfach dafür sorgen, dass der Film scharf eingestellt ist, aber ich schweife ab ...)

Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Qualitätssprung auf dem heimischen Fernseher dringend notwendig ist.

Zu Ultra-HD gehört freilich auch der Ultra-HD-Sound. Geradezu läppisch sind im Vergleich dazu DTS-HD und Dolby TrueHD 7.1-Sound. Ein echter Ultra-HD-Sound besteht aus einem 22.2-Kanal-Ton. Wer also daheim den Ultra-Sound richtig genießen will, braucht neun Audio-Boxen an der Decke, zehn auf Ohrhöhe und drei unten. Erst dann ertönt's auch für alle Nachbarn so richtig ultra. Zwei weitere Boxen sorgen für den Bass.

Und so gesehen bleibt am Ende für mich nur die Möglichkeit, beeindruckt den Hut zu ziehen. Nach vielen Jahren und vielen Early-Adapter-Käufen meinerseits ist es der Unterhaltunsindustrie nun endlich gelungen, etwas zu entwickeln, bei dem ich voller Überzeugung sage: Braucht kein Mensch! Was wiederum nur zwei Erklärungen zulässt. Entweder ist man mit HD Ultra nicht nur am Ende der Fahnenstange angekommen, sondern weit darüber hinausgeschossen.

Oder …

Oder ich werde allmählich einfach alt.

Montag, 15. Oktober 2012

Tale as old as time

Man wird alt, wenn man merkt, dass nun schon die Serien von einst als Remake herumgeistern.

In den USA startete kürzlich die Serie "Beauty and the Beast", ein Remake der Serie, die Ende der 1980er Jahre bei uns unter dem Titel "Die Schöne und das Biest" auf SAT.1 lief. Die Hauptdarsteller waren damals Linda Hamilton als Catherine Chandler und Ron Perlman als Löwenmann Vincent.

Natürlich war ich skeptisch, als ich von dem Remake hörte. Die Magie der Originalserie kann kaum in die heutige Zeit gerettet werden, also - so war mir klar - würde ich zwangsläufig enttäuscht sein und infolgedessen der Serie Unrecht tun.

Doch alle Skepsis dieser Welt hätte mich nie und nimmer auf diesen unendlichen Käse vorbereiten können. Ich frage mich ernsthaft, was jemanden dazu bewegt, das Remake von etwas so Phantasievollem und Ungewöhnlichem wie die "Beauty and the Beast"-TV-Serie anzugehen, um dann so etwas Schales, Einfalls- und Seelenloses abzuliefern.

Die alte Serie war stimmungsvoll, voller Lyrik, Phantasie und Ruhe. Der Löwenmensch Vincent lebte in einer zweiten Welt, die sich in unterirdischen Gewölben von New York befand. Dort lebten Menschen, die sich von unserer lauten, seelenlosen und auf Konsum- und Kommerz ausgelegten Gesellschaft loslösen wollten, und dort hatte der Löwenmensch Vincent - er hieß so, weil man ihn als Baby vor dem St.-Vincent-Krankenhaus gefunden hatte - ein neues, friedliches Zuhause gefunden. Bis er eines nachts die verletzte Catherine im Central Park findet und in seine Welt bringt.

Gerade der Kontrast, das moderne New York und die altertümliche Welt von Vincent, machte den Reiz dieser Serie aus. Es zeigte: Unter unserer lauten, oberflächlichen Gesellschaft gibt es noch eine andere Seite, auch wenn sie sich vor dieser rauen Zivilisation verbergen muss. Das alles war mit grandiosen Dialogen umgesetzt, mit wunderbaren Sets. Hier waren Leute am Werk, die es wagten, über den Tellerrand des Fernsehens hinauszublicken.

Doch die neue Serie hat nichts davon. Im Remake wird die "Schöne" von Kristen Kreuk gespielt, die man als Lana Lang aus "Smallville" kennt; das "Biest" spielt ein Typ namens Jay Ryan, den man aus "Terra Nova" würde, hätte man "Terra Nova" gesehen. (Und wer hat das schon?)

In der neuen Serie gibt es keine andere Seite, keinen Kontrast mehr. Das ist nur noch lauter, phantasieloser Durchschnittskram. Junkfood-Unterhaltung, von der sich die Bewohner von Vincents Welt einst mit Grausen abgewendet hätten. Die alte Serie hat versucht, anders zu sein als der Mainstream. Die neue Serie versucht, so mainstreamig wie nur möglich zu sein.

Kristen Kreuk rennt als Detektivin durch blau aufleuchtende Tatortkulissen, hält den Leuten im Sturmschritt ihren Detektiv-Ausweis hin und googelt später nach Infos zum angeglichen Täter.

Das Biest, ein junger Ex-Soldat namens Vincent Keller, war im Afghanistankrieg einer DNS-Behandlung ausgesetzt worden. Seitdem verwandelt er sich hin und wieder in eine gefährliche Kampfmaschine. Als Hulk für Arme darf er im Pilotfilm zweimal der guten Catherine das Leben retten, indem er ihre Angreifer zerfetzt, bis das Blut in die Kamera spritzt. Ansonsten sieht er genauso ansehnlich aus wie auf dem Bild oben.

Die einzige Frage, die bleibt, ist die: Würde ich diese Serie weniger streng verreißen, wäre sie kein Remake von "Die Schöne und das Biest"? Wäre es anders, wenn die Serie einfach nur "Vincent" hieße und sich als Superhelden-"Hulk"-Variante anbieten würde. Ich kann nur sagen: Nein! Auch dann wäre diese Serie hohl, albern, gewollt, gekünstelt, einfallslos und trivial, mit anderen Worten all das, was das Original versucht hat, nicht zu sein.


Dienstag, 25. September 2012

Überflüssiges

Seit langer Zeit war ich mal wieder im Kino. In "The Expendables 2".

Ich hatte mir ja noch überlegt, ob ich mir vorher ein Bier kaufen soll. Habe es dann doch nicht getan. Ein Fehler!

"The Expendables 2" ist einer der Filme, über die man eigentlich nichts sagen darf, ohne dass einem das "darüber darf man bei so einem Film nicht nachdenken"-Argument entgegengehalten wird. Nun gut, nun gut. Kein Nachdenken! Ohne Nachdenken kann ich sagen: Der Anfang des Films war großartig.

Der Rest wird dann ein wenig eintönig. Vor allem, wenn man kein Bier dabei hat. Stallone ist im Alter cooler als in seinen jungen Jahren, und das gilt auch für Dolph Lundgren, Chuck Norris, Jean-Claude van Damme, Bruce Willis und Schwarzenegger. Zugegeben, Stallone, Lundgrene, van Damme und Schwarzenegger könnten inzwischen auch gut in jeder Geisterbahn arbeiten und dort Fahrgäste zu Tode erschrecken, aber cooler als moderne Jungspünde wie LaBeouf oder Taylor Kitsch sind die auch in fünfzig Jahren noch. Ach ja, Charisma Carpenter ist auch dabei, schön, dass sie seit ihrer Buffy- und Angel-Zeit wieder was gefunden hat, auch wenn sie nur die Frau von Jason Statham spielen darf.

Dann gibt es in dem Film noch so einen komischen, zweiundzwanzigjährigen Vogel namens Liam Hemsworth, und bevor sich der durchschnittliche Zuschauer fragen kann, was denn dieser schwule Typ da zu suchen hat, wird auch schon mehrfach betont, dass "Billy" (so heißt seine Rolle) eine Freundin in Frankreich hat.

Kurz darauf wird das Bürschchen völlig grundlos gekillt, sodass Stallone und die anderen einen Grund zur Rache haben. Und ein paar Tonnen Plutonium müssen sie auch noch sicherstellen, als MacGuffin oben drauf.

Genau bei dieser Befreiungsaktion wird dann aus irgendwelchen Gründen nur noch geballert. Ab und zu gab es ein paar witzige Selbstreferenzen, dann wurde der Film immer wieder mal irgendwie nachdenklich und tat so, als sollte man all den Unfug tatsächlich Ernst nehmen. Dann wieder Geballer.

Und ich hocke da, völlig ohne Bier und mit bereitwilligem Gehirn auf Sparflamme, und spüre mehr und mehr, wie meine Enttäuschung wächst. Wie leider schon bei Teil 1. Anstatt das giganitische Actionkino der 1980er Jahre wiederzubeleben, mit ausgeklügelten Autojagden und Stunts, sehen wir hier immer nur ratternde Maschinenpistolen, mit viel zu viel Düsternis und zu realistischer Brutalität.

Genau aus diesem Grund kommen irgendwie alle zu kurz. Vor allem Chuck Norris. Der Mann ist noch immer cool, aber nach dem Film fragt man sich, warum er eigentlich dabei war. Im Grunde doch nur, um das Gesicht eines weiteren Achtzigerjahre-Actions-Stars präsentieren zu können. Oder Jason Statham: Der hat einen in den "Crank"-Filmen umgehauen. Hier fällt er kaum auf.


Fazit: Beim nächsten Teil von "The Expendables" werde ich dafinitiv das Bier nicht weglassen.

Dienstag, 18. September 2012

Aufklärung

Was heutzutage alles unter dem Begriff "Aufklärung" läuft, spottet längst jeder Beschreibung.

Gesundheitliches Halbwissen, Ernährungsirrtümer von Vorgestern oder unverhältnismäßige Panikmache, sie alle laufen unter dem Begriff "Aufklärung". Und die "Aufklärungen" prasseln nur so auf uns ein.

Ein besonders schönes Beispiel ist die Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die seit drei Jahren bei einem Budget von fünfzig Millionen Euro Deutschland mit Plakaten bepflastert, auf denen junge Menschen über die "Gefahren" des Saufens aufgeklärt werden sollen.

Was aber sind die Gefahren des Saufens? Natürlich, natürlich, Alkohol ist irgendwie "ungesund", für die Leber usw. (außer bei Rotwein, der das absurderweise nicht sein soll), wissen wir alle. Aber das Thema "ungesund" ist inzwischen ein so weites Feld, das man damit niemanden mehr beeindrucken kann. Das kommt halt davon, wenn die "Aufklärung" inzwischen alles und jedes für "ungesund" erklärt, vom normalen Haushaltszucker über Kartoffelchips und Leberwurst.

Letztlich gibt es zwei Gefahren beim Thema Alkohol. Zum einen: Man kann eine lebenslange Sucht entwickeln, vor allem, wenn man noch jung ist. Zum zweiten: Alkohol ist ein tödliches Gift. Wer eine bestimmte Grenze überschreitet – und die ist bei jedem unterschiedlich hoch – kann daran sterben.

2008 kamen etwa 25.000 Menschen wegen Verdachts auf Alokoholvergiftung ins Krankenhaus. Diese Zahl ist angeblich steigend. Das muss aber nicht heißen, dass mehr gesoffen wird. Es kann auch bedeuten, dass die oft unterschätzten Gefahren einer Alkoholvergiftung schneller erkannt werden und man Menschen, die man früher zum "Ausschlafen" des Rauschs ins Bett geschickt hätte, heute ins Krankenhaus bringt.

Nichtsdestotrotz sah man angesichts der "Zahlen" die Zeit für gekommen, eine "Aufklärungskampagne" zu starten. Und natürlich war diese Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein "voller Erfolg". Bei den 18 bis 25jährigen stieg seit der Kampagne das sogenannte "Rauschsaufen" permanent an. Mit anderen Worten: Genau das, was die Kampagne bekämpfen wollte, hat zugenommen.

Fairerweise muss man sagen, dass das sogenannte "Komasaufen" bei den 12- bis 17-Jährigen rückläufig ist. Das ist es aber bereits seit 2007, der "Erfolg" setzte also schon zwei Jahre vor der "Kampagne" ein. Man muss nicht erwähnen, dass dies die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung natürlich nicht darahin hindert, sich diesen "Erfolg" auf die eigene Fahne zu schreiben.

Ansonsten lautet das Fazit: Es wird mehr gesoffen. Das muss nichts mit der Kampagne zu tun haben. Vielleicht aber hat es ja doch etwas damit zu tun, dass die Bilder der Kampagne – junge, hippe Menschen trinken Alkohol – nicht wirklich abschreckend sind.

Während nämlich gesellschaftliches Trinken bei normaler Alkoholwerbung nicht gezeigt werden darf, weil man sich des Werbeeffekts solcher Bilder sehr wohl bewusst ist, beglückt uns nun genau diese Aufklärungskampage mit solchen Bildern. Bilder sind immer stärker als Texte. Vor allem dann, wenn diese Texte nicht viel hergeben und als einzige große Gefahr schildern, dass man sich im betrunkenen Zustand schnell daneben benimmt.

Denn genau das ist es. Das ist laut Kampagne die Alkoholgefahr. Sie lautet schlicht gesprochen: Männer werden zu Raufbolden, Frauen werden zu Huren.

Was eine echte Kampagne sein will, das hat natürlich nicht nur Plakate. Natürlich druckt man da auch Aufklärungs-Broschüren. Und eine solche gibt es natürlich auch hier. Ich möchte nicht wissen, an wie vielen Jugendeinrichtungen und Schulen diese Broschüre verteilt wurde. Darin enthalten sind abschreckende "Erfahrungsberichte" mit Alkohol. So schildert die "18jährige Jana" auf Seite 11 dieser Broschüre etwas geradezu Haarsträubendes: "Eine Freundin von mir hatte vor Kurzem ein blödes Erlebnis. Sie hatte zu viel getrunken und hat dann mit einem Typen rumgemacht, den sie gar nicht mag und auch nicht attraktiv findet. Nüchtern hätte sie das nie gemacht."

Gibt es eine deutlichere Botschaft an junge Männer, Frauen abzufüllen, damit sie "willig" werden? Warum nicht als Überschrift ein "Besoffen hüpfen Mädchen mit jedem ins Bett!"? Und sorry, wenn ich das so politisch unkorrekt sage, aber wirken die "nüchternen" Jungs oben auf dem "Aufklärungsplakat" im Vergleich zu den besoffenen nicht irgendwie ein bisschen schwul? Oder hat da die Aufklärungszentrale die "abschreckenden" Bilder vertauscht? Sind diese harten Jungs, die sich nüchtern gerne mal sportlich austoben, im besoffenen Zustand solche, die anfangen zu "experimentieren"?

In der "Aufklärungs-Broschüre" gibt es sogar noch - zur endgültigen Abschreckung - eine Kalorientabelle. Darin erfährt man, dass ein Glas Wein sage und schreibe 68 Kalorien hat, ein Glas Sekt sogar 80! Na, da trinken wir doch lieber Cola oder Bubble-Tea, um in Stimmung zu kommen und um gleichzeitig schlank zu bleiben, nicht wahr? Oder wir essen Schokolade. Eine Tafel hat übrigens demnach so viel wie zehn Gläser Wein. Absolutely shocking!

Ehrlich: Wenn man nach drei Jahren Aufklärungskampagne dieser Art nun einen deutlichen Anstieg des Saufens bei jungen Menschen feststellt, muss ich mich sehr wundern. Ich hätte damit gerechnet, dass die Zahl der jungen Säufer sprunghaft ansteigt.

Donnerstag, 13. September 2012

Much ado about nothing

Es war ein Event, das auf nicht wenigen Internetseiten sogar mit Live-Ticker verfolgt wurde: Die Präsentation des angeblich heiß erwarteten iPhone 5.

Zu Apple hat ja jeder eine Meinung und irgendein Vorurteil. Das Wort "Religionsersatz" fällt da regelmäßig, und sieht man sich das Bild oben mit Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation des iPhone 5 an, scheint der Vergleich zu passen.

Apple ist natürlich auch ein Politikum. Während konservative Blätter wie Bild, Focus und auch Spiegel Online jubilieren, suchen Blätter wie Taz, Die Zeit oder die SZ natürlich brav nach dem Haar in der Suppe, garniert mit abwertender Ironie.

Der Mensch braucht seinen Glaubenskrieg, und im Gegensatz zu echten religiösen Kriegen läuft der hier ja erfreulich harmlos und zivilisiert. Die Machanismen sind klar: Besitzer von anderen Smartphones wie Samsung sehen natürlich verächtlich auf die "Apple-Jünger" herab. Und die Apple-Konsumenten fühlen sich natürlich noch immer als Teil einer uneinholbaren Elite, für die etwas anderes gar nicht in Frage kommt.

Das neue iPhone ist natürlich ein Witz, die Neuheiten sind geradezu lachhaft. Der stets erwähnte Gewichtsunterschied zum Vorgängermodel ist in etwa so eindrucksvoll wie zwischen einer Ritter-Sport-Tafel und einer "Bio"-Ritter Sport; die meisten würden bei einem Blindtest wahrscheinlich nicht in der Lage sein, das "schwerere" Handy zu benennen.

Es gibt ein paar neue Gadgets, sowas wie LTE (das vorerst kaum einer nutzen wird), doch letztlich fällt ein Vergleich zwischen den Modellen doch gelinde gesagt dürftig aus, was vor allem deshalb amüsiert, weil ja das iPhone 4s als Nachfolger zum iPhone 4 ein viel größerer Sprung war, damals aber eben wegen der zu geringenen Neuerungen keine neue Zahl bekommen hatte. Wenn Apple ehrlich wäre, hätten sie das neue iPhone "iPhone 4s_v2" nennen müssen.

Eines haben alllerdings alle Smartphones gemeinsam. Sie sind heute der Technikmüll von morgen. Und mit "morgen" ist ein Zeitraum von vielleicht zwei oder drei Jahren gemeint. Wäre das iPhone eine Aktie, sie wäre im freien Fall, keiner würde sie kaufen.

Immerhin hat Apples neues iPhone angeblich einen Pluspunkt gegenüber dem Vorgänger, einen Pluspunkt, der in allen Artikeln – wenn überhaupt – immer nur am Rande erwähnt wird. Auf der Apple-Vergleichsseite findet man das neue Feature gar nicht.

Was ist es? Eine neue Oberfläche? Eine neue App?

Nein! Das neue iPhone hat angeblich aufgrund zusätzlicher Mikrophone gegenüber den Vorgängern eine deutlich bessere Qualität der Telefongespräche vorzuweisen. Das ist nämlich angeblich bislang einer der kitzekleinen "Schwachpunkte" von Apples Qualitäts-Smartphones: Die Gesprächsqualität wird - so heißt es - immer wieder mal kritisiert.

Allein das zeigt, dass man bei Apple keinen Plan mehr hat, was man an seinem Vorzeige-Gerät noch an Features und Gadgets hinzufügen kann. Wenn die Techniker dort tatsächlich anfangen, sich so etwas Langweiligem wie der Gesprächsqualität beim Telefonieren zu widmen, ist Apples Zeit wohl allmählich wirklich abgelaufen.

Montag, 10. September 2012

Rauchen mit Ekel

Der Mensch neigt zum Wahnsinn und pervertiert damit jede im Ansatz gute und richtige Idee. Das ist die Erkenntnis, auf die am Ende immer wieder alles hinausläuft.

Lange hat es gedauert, bis die Gefahren des Rauchens und Passivrauchens erkannt und eingestanden wurden. Es gab viele Widerstände, um begreiflich zu machen, dass es für Nichtraucher unzumutbar ist, wenn sie sich als Bedienungen oder Gäste in Lokalen befinden und dem Rauch ausgeliefert sind, den Raucher mit ihren Zigaretten erzeugen.

Doch nun scheint man in kollektive Hysterie zu verfallen, wenn man die Pläne betrachtet, die im Moment angeblich in Brüssel ausgeheckt werden. Einheitliche Zigarettenschachteln, das Verbot von Zusätzen wie Mentol, abschreckende Bilder von typischen Raucherkrankheiten auf den Schachteln – und zwar neben den übergroßen "Warnungen", die dort ohnehin schon angebracht sind.

Geht es hier wirklich noch um den "Schutz" von Rauchern und Nichtrauchern? Oder geht es darum, den Rauchern endgültig den Spaß am Rauchen zu vermiesen, ihnen ein derart schlechtes Gewissen einzureden und ihnen so viel Panik zu machen, dass sie allein deshalb wahrscheinlich doppelt so viel rauchen, um sich zu beruhigen.

Aber man denkt dabei ja nur an das Wohl der Menschen, nicht wahr? Doch man stelle sich vor, dieses Beispiel würde Schule machen? Neben jedem Lenkrad im Auto müsste man Bilder von haarsträubenden Verkehrsunfällen anbringen. Auf jeder Sektflasche müssten Bilder von Alkohol-Lebern pranken. Auf Feuerwerkskörpern sollte man verunstaltete Patienten zeigen, welche zu leichtsinnig mit den gekauften Böllern umgingen. Gleiches gilt dann freilich für Grillanzünder, Abflussreiniger oder Bügeleisen.

Am Ende leben wir dann in einer Welt der wohlmeinenden Abschreckung, bis niemand mehr unbeschwert irgendetwas tun kann, das potenzielle Gefahren birgt.

Wer mal ein wenig Zeit hat ...

und diese Zeit sinnvoll verbringen möchte, sollte sich die Filmkritiken von "Mister Plinkett" ansehen:

Star Wars - Episode 1

Teil 1: http://youtu.be/FxKtZmQgxrI
Teil 2: http://youtu.be/ZG1AWVLnl48
Teil 3: http://youtu.be/IdQwKPVGQsY
Teil 4: http://youtu.be/SOlG4T1S2lU
Teil 5: http://youtu.be/TBvp1r2UpiQ
Teil 6: http://youtu.be/ORWPCCzSgu0
Teil 7: http://youtu.be/fIWKMgJs_Gs

Mit deutschen Untertiteln:
http://youtu.be/8d-FjmqGqH0
http://youtu.be/_NWp9AXXoxM

Star Wars - Episode 2

Teil 1: http://youtu.be/CfBhi6qqFLA
Teil 2: http://youtu.be/Im7k4LUzA3Y
Teil 3: http://youtu.be/ux8pCqiiBLA
Teil 4: http://youtu.be/qGnorxUw4AA
Teil 5: http://youtu.be/Hz1L63TdhC8
Teil 6: http://youtu.be/o-isAmaVbsM
Teil 7: http://youtu.be/Blkx6axytKQ
Teil 8: http://youtu.be/9QThD0r3hZg
Teil 9: http://youtu.be/Iq0wv2ossJU

Star Wars - Episode 3

http://redlettermedia.com/plinkett/star-wars/star-wars-episode-iii-revenge-of-the-sith/

Star Trek: Generations

Teil 1: http://youtu.be/h06WKYFYdlo
Teil 2: http://youtu.be/azSh47-oRPI
Teil 3: http://youtu.be/Zqb9q3c1Pxo

Star Trek: Insurrection

Teil 1: http://youtu.be/qlV3bsafkq0
Teil 2: http://youtu.be/yr4RHI01t38
Teil 3: http://youtu.be/zVeXdhADrmI
Teil 4: http://youtu.be/JmUzoIENIXc

Star Trek: Nemesis

Teil 1: http://youtu.be/8ZjkHUrEuHc
Teil 2: http://youtu.be/CoWfTq8dYos
Teil 3: http://youtu.be/5DT7sSp-3_I
Teil 4: http://youtu.be/Oi5mj6-CUiY

Star Trek 2009

http://redlettermedia.com/plinkett/star-trek/star-trek-09/

Donnerstag, 6. September 2012

Hier sind Mathelehrer gefragt

Dass ein Großteil der Menschheit für einfache Rechen-Aufgaben zu blöd ist, muss man wohl hinnehmen.

Nicht hinnehmen muss man, dass diese Menschheit - einschließlich Journalisten - derart blöd sind.

Seit Jahrzehnten steigt das durchschnittliche Vermögen der Deutschen. Selbst in den Phasen, die von dem geprägt waren, was man als Finanz-, Euro- oder "Staatschulden"-Krise bezeichnet, ist dieses Vermögen gestiegen. Seit Jahrzehnten steigt das Bruttosozialprodukt in Deutschland. Auch hier: Trotz  Finanz-, Euro- oder "Staatschulden"-Krise.

Dennoch (!!!) steigt der Anteil derjenigen, die von Altersarmut bedroht sind.

Dies, so heißt es immer wieder, liegt am "demografischen Wandel". Der "demografische Wandel" bedeutet: Es gibt angeblich immer weniger Nachkommen, also immer weniger Menschen.

Muss man diese Idiotie wirklich buchstabieren? Muss man Journalisten und Politikern etwas erklären, das in einen Test gehört, bei dem man prüft, ob Kinder schon reif für die Grundschule sind? Wenn der Reichtum steigt und die Zahl der Deutschen abnimmt, wie kann DAS bitte als Erklärung dafür dienen, dass immer mehr Menschen arm werden?

Mittwoch, 5. September 2012

Talk to the Chair

Das Rätseln um Clint Eastwoods peinlichen Auftritt auf einer Wahlveranstaltung für Mitt Romney hat ein Ende. Für alle, die sich fragten, was das sollte, als er mit dem leeren Stuhl redete, hier die Antwort: Eastwood spielte eine Szene aus "Lost" nach, in der Benjamin Linus behauptete, er spreche mit Jacob.

Eastwood ist also kein verblendeter Republikaner und auch nicht senil. Er ist einfach nur ein Fan von "Lost"!

Doch im Ernst: Eastwoods Auftritt ist für mich mehr als enttäuschend. Natürlich ist Eastwood nicht der einzige "Nicht-Demokrat", der in Hollywood arbeitet. Und natürlich kann ich nicht erwarten, dass jeder Künstler die gleichen politischen Ansichten hat. Aber ein Arnold Schwarzenegger liefert Texte, die ein anderer geschrieben hat. Tom Cruise tut, was ihm irgendein Regisseur sagt. Hier interessiert mich gar nicht, was die beiden politisch oder religiös denken.

Doch bei einem Filmschaffenden wie Clint Eastwood, dessen Filme von Jahr zu Jahr an Reife und Tiefsinn zu gewinnen scheinen, ist es schmerzlich zu sehen, dass er auf politischer Ebene offenbar in unsäglicher Ignoranz steckengeblieben ist und mit Leuten der "Tea Party" sympathisiert. Es verwirrt mich, weil es schlichtweg nicht zu seinen vielschichtigen Filmen passt. Wie kann ein Mann, der in einem Film wie "Million Dollar Baby" einfühlsam die Nöte einer Frau zeigt, sich politisch für Leute einsetzen, die sogar vergewaltigten Frauen ein Abtreibungsrecht vorenthalten wollen, und das unter dem Argument, bei einer "echten" Vergewaltigung würde eine Frau gar nicht schwanger werden, weil ihr Körper automatisch biologische Abwehrstoffe bildet?

Wie kann ein Mann wie Eastwood einen Film wie "J. Edgar" drehen, in dem die unterdrückte Homosexualität der Hauptfigur genutzt wird, um dem Titelcharakter als tragischen Menschen darzustellen, und zugleich einem schwulenfeindlichen Mormonen zur Präsidentschaft verhelfen wollen?

Eastwoods Vorwürfe an den "Stuhl", weshalb Obama nicht alle Truppen aus Afghanistan abgezogen habe, kann man nur mit ungläubigem Stirnrunzeln kommentieren. Glaubt Eastwood wirklich, Romney will anders als Obama Truppen aus Afghanistan abziehen? Ist er derart uninformiert? Wie kann jemand, der so scharfsinnige Filme dreht, einen solchen Unfug reden?

Eastwoods Rede mit dem Stuhl erinnert mich an Norman Bates aus "Psycho". Der Vergleich mit Norman Bates erscheint mir vor allem deshalb stimmig, weil in Clint Eastwood zwei Persönlichkeiten zu leben scheinen. Zum einen ein wundervoller Filmemacher, der mit großartigen und tiefsinnigen Filmen verblüfft und beeindruckt. Auf der anderen Seite benimmt er sich wie jemand, der über Politik und Wahlprogramme offenbar genauso schlecht informiert ist wie der durchschnittliche American White Trash und der sich deshalb unglückseligerweise vor den Karren eines ewiggestrigen Mormonen spannen lässt.

Montag, 3. September 2012

Ärgerliche Besserwisser

Die Kommentarfunktion im Internet ist Fluch und Segen zugleich.

Fluch, weil jeder besserwisserische Schwachkopf irgendeinen hirnverbrannten, überflüssigen Senf von sich geben und veröffentlichen kann.

Segen deshalb, weil man sich als Leser nicht länger Illusionen über die Menschheit macht und erkennt, dass sie zu einem erschütternden Großteil aus besserwisserischen Schwachköpfen besteht, die gar nicht erkennen, was für einen überflüssigen Senf sie verzapfen.

Auf diese Erkenntnis stieß ich, als ich mir bei Amazon die Kundenbewertungen zu dem japanischen Rollenspiel "Trinity: Souls of Zill O'll" durchlas. Im Forum machte jemand die Anmerkung, das Spiel sei, anders als (damals) bei Amazon angegeben, nicht auf deutsch spielbar, weil weder deutsche Sprache noch deutsche Texte zur Auswahl stehen. Tatsächlich sei das Spiel also nur auf Englisch spielbar.

Man könnte meinen, dass damit die Angelegenheit erledigt sei. Doch irgendein Typ schrieb als Erwiderung:

"Wieso ist das ein Problem für dich? In der heutigen Zeit sollte wirklich jeder in der Lage sein, Englisch zu sprechen... verglichen mit der deutschen oder französischen Grammatik ist es eine sehr "einfache" Sprache. Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich peinlich, dass es immer wieder Leute gibt, die sich über eine fehlende deutsche Sprach-/Textversion aufregen. Ursprünglich war nicht einmal sicher, ob dieses Game außerhalb von Japan veröffentlicht wird. Also solltest du als "RPG Fan" froh sein, es überhaupt zocken zu können."

Daraufhin entbrannte eine Diskussion darüber, wie man heutzutage denn noch ohne Englisch durchs Leben kommt.

Das alles erinnert mich an den "Loriot"-Sketsch mit dem Frühstücksei. Der Ehemann beklagt, dass das Ei zu hart sei und offenbar nicht, wie gewünscht, nur viereinhalb Minuten gekocht hat, worauf er als Antwort erhält: "Zu viele Eier sind gar nicht gesund."

Es ist eine Marotte der Deutschen. Beim Fehlen einer zugesicherten Eigenschaft entbrennt plötzlich eine Debatte darüber, ob es diese Eigenschaft oder gar das Produkt an sich "überhaupt braucht".

Es ist ein cleveres Spiel mit der Logik, mit der Vollidioten sehr leicht punkten können, wenn man sich auf ihr Spiel einlässt. Und nein, das ist kein Einzelfall. In Wahrheit passiert es sogar andauernd. Wenn irgendwo etwas fehlt, das angeblich enthalten sein soll, wird garantiert irgendwer sagen: "Aber das brauchst du doch eh nicht." Besonders beliebt bei fehlenden oder fehlerhaften deutschen Sprachspuren. "Auf deutsch schaut man das doch eh nicht."

Nun hat man die Wahl, sich entweder als Prinzipienreiter aufzuspielen (die Eigenschaft ist einem nicht wichtig, es stört einem aber trotzdem, dass sie fehlt, zumal dann, wenn sie zugesichert wurde), oder darauf zu beharren, dass man selbst sehr wohl diese Eigenschaft benötigt (worauf man sich schnell viele Belehrungen und herablassendes Gefasel einhandelt, selbst bei einem japanischen Rollenspiel, das durch die englische Fassung ja genauso weit vom Original entfernt ist wie bei einer deutschen Übersetzung). In beiden Fällen ist man am Ende der Loser.

Was also tun? Den Einwand ignorieren? Ihn kategorisch mit einem "das ist kein relevanter Einwand" abschmettern? Das ist leider gar nicht so leicht zu beantworten. Denn wäre gegen dümmliche Besserwisserei tatsächlich ein einfaches und wirksames Kraut gewachsen, wäre sie längst ausgerottet.

Samstag, 1. September 2012

Die böse Gen-Technik

Dass Gen-Technik irgendwie böse und gefährlich ist, das muss man vor allem einem Deutschen nicht erklären. Wer in die Gene eingreift, greift in den Bauplan Gottes ein. Dass die Menschen seit Jahrhunderten durch Züchtungen immer wieder die Gene ihrer Umwelt veränderten und dadurch viele Pflanzen überhaupt erst essbar oder zumindest bekömmlicher machten, interessiert nicht. Beim Zufall kann Gott seine Hand im Spiel haben, beim gezielten Verändern nicht mehr.

Übertreibe ich? Mag sein. Fakt ist jedoch: Wahllose Veränderungen der Gene sind noch immer erlaubt. Sie gelten nicht als Gen-Technik.

Doch wie ändert man die Gene wahllos? Ganz einfach: Man bestrahlt die Pflanzen radioaktiv. Früher hat man das Saatgut dafür tatsächlich in Atomkraftwerke gebracht, um sie dort einer gehörigen Portion Gammastrahlung auszusetzen. Dann hat man das Saatgut gepflanzt, um zu testen: Was wurde dadurch besser? Ein aufwendiges Verfahren, doch praktisch alle Getreidearten wurden so "behandelt". Auch Soja, Kartoffeln und Tomaten, oder Obst. Auf diese Weise gelangt man zu gewünschten Ergebnissen, zum Beispiel zur "Züchtung" von kernlosen Trauben.

Dass bei einer solchen Bestrahlung auch viele ungewollte Effekte möglich sind, stört komischerweise niemanden. Nicht einmal jene, die es doch eigentlich besser wissen müssten, sind sie doch mit zahllosen japanischen Monsterfilmen aufgewachsen. Aber auch der Biobauer darf seine gezüchteten Trauben, die ihre Geburtsstätte im Atomkraftwerk feierten, brav anpflanzen. Ist ja keine Gen-Traube, sondern eine "natürliche".

Aber wehe, man erzeugt im Gen-Labor gezielt Mais, der zum Beispiel "Bt-Toxin" produziert, womit sich der Mais gegen Schädlinge wehrt. Im Bio-Landbau macht man das besser: Dort sprüht man BT-Toxin direkt auf die Pflanzen. Ist erlaubt und "bio".

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Die "Bestrahlungsmethode" ist nach wie vor erlaubt. Daran hat auch der "Atomausstieg" nichts geändert. Es ist noch immer die legale Alternative zur verteufelten Gen-Technik. Man bestrahlt die Pflanzen, ändert die Gene und hofft auf die "X-Men"-Pflanze, also eine Pflanze, die dann durch Zufall bessere Eigenschaften aufweist. Was an dieser Methode "berechenbarer" oder "ungefährlicher" sein soll als an der Gen-Technik, kann natürlich niemand rational erklären. Will auch niemand erklären. Lieber sammelt man weitere "Einwände" gegen die Gen-Technik.

Jetzt hat man ein neues Argument gegen Gen-Technik gefunden: Gen-manipulierter Mais macht angeblich besonders dick. Juhu! Ein erneuter Beweis für die Gefahren der Gen-Technik. Es hat ja alles, das auf dieser Erde wächst, schon einmal im Verdacht gestanden, besonders dick zu machen. Erst waren es tierische Fette, dann sämtliche Fette, dann die Kohlenhydrate … Es muss also etwas Neues her. Da bietet sich "Gen-Food" natürlich an. Vor allem der verhasste "Gen-Mais".

Der Grund könnte aber ein völlig anderer sein, und der liegt ganz schlicht beim Fruchtzucker. Schon vor einigen Jahren hat man in Labortests festgestellt, dass Fruchtzucker (Fruktose) - ja, genau der, den man jahrelang ausgerechnet Diabetikern empfohlen hat - besonders dick macht und das Diabetesrisiko erhöht. Damit war auch erstmals eine einleuchtende Erklärung für die angebliche Zunahme des Übergewichts in den USA gefunden. Seit der Kuba-Krise nutzte man dort immer weniger Rohrzucker. Stattdessen verarbeitete man die Stärke aus dem Mais für die Herstellung von Maissirup. Der Anbau von Mais wird seit damals massiv subventioniert, wodurch der Maissirup viel billiger ist als Rohrzucker. Zudem hat Maissirup eine stärkere Süßkraft. Daher ist in den USA in nahezu allen Getränken und Fertiggerichten anstelle des Haushaltszuckers Maissirup enthalten.

Wenn nun gen-manipulierter Mais dicker macht, dann könnte das schlichtweg daran liegen, dass dieser Mais einen besonders hohen Stärkegehalt hat. Und bei Masttieren ist dieser Effekt ja sogar erwünscht. Für die Menschen hat er dann leider einen weniger schönen Effekt. Das ist aber sicher keine Folge der Gen-Technik. Es ist eben eine Folge eines neu gezüchteten Mais. Vielmehr sollte man genau das zum Anlass nehmen, eingehend zu untersuchen, ob bestimmte Menschen auf Fructose mit Gewichtszunahme reagieren. Dann könnte man diesen Menschen die Empfehlung mit auf den Weg geben, auf Fertigprodukte mit hohem Fructose-Anteil sowie auf "gesundes Obst" zu verzichten.

Aber das wäre wohl zu sinnvoll, es wird also keiner tun. Lieber wird man "Gen-Food" als Dickmacher verschreien, um diesem "Teufelszeug" endgültig das Handwerk zu legen.

Mittwoch, 29. August 2012

Du hast die Wahl

Schon als Kind liebte ich "Persönlichkeitstests" in Zeitschriften.

Ich weiß nicht mehr, welche Frauenzeitschrift es war, die meine Mutter im Lesezirkel hatte, aber in einer davon gab es jede Woche einen "Persönlichkeitstest". Er stellte so spannende Fragen wie "sind Sie ein Ordnungsfanatiker?", "wie spontan sind Sie?" oder "wie verbringen Sie am liebsten Ihren Urlaub?".

Dann musste man sich bei mehreren Fragen eine passende Antwort aussuchen. Meist waren drei bis vier Antworten vorgegeben. Jede Antwort ergab eine Zahl, die man am Ende addieren musste. Und dann konnte man nachsehen, welcher "Personlichkeits-Typ" man war. Es gab bei der "Auswertung" immer drei mögliche Ergebnisse. Und ich landete immer, aber auch wirklich immer im mittleren Feld. Ich war immer der, "der Ordnung liebt, aber auch Unordnung hinnehmen kann", der "Spontanität mag, aber nicht alles dem Zufall überlassen möchte" und der in seinem Urlaub "gerne verreist, aber auch die Zeit zu Hause mit einem Buch genießen kann".

Es dauerte nicht lange, und ich erkannte, dass diese Tests natürlich völliger Schwachsinn sind. Die Antworten, die man zur Auswahl hatte, waren oft so extrem, dass sie natürlich niemand auswählen würde. Was tue ich, wenn unangekündigt Freunde vor der Tür stehen? Nein, ich "schlage ihnen nicht die Tür vor der Nase zu und verlange, sie sollen das nächste mal vorher anrufen". Und nein: Ich schmeiße auch nicht sofort eine Party, "plündere Bar und Kühlschrank und lade noch die Nachbarn mit ein".


Dennoch machte ich diese Tests immer wieder. Die Faszination solcher Umfragen hat mich bis heute nicht losgelassen, und ich amüsiere mich immer wieder über die vorgegebene Antwortauswahl. Auf der SZ-Seite gab es kürzlich eine "Umfrage" zu den "besten" TV-Serien. Über Serien wie "Twin Peaks", "Derrick" oder "Little Britain" konnte man abstimmen und dabei wählen zwischen: "Beste Serie aller Zeiten", "Wirklich nett", "Geht so/Nie gesehen" und "todlangweilig".

Wie schön. Bei Serien, die einem gefallen, hat man also die Wahl zwischen "Beste Serie aller Zeiten" und "wirklich nett". Wäre man genau, dann könnte man nur einmal eine Serie zur "Besten Serie" küren, schließlich kann es nur einen "Besten" geben, alle anderen wären dann nur noch "wirklich nett".

Dass man bei Serien, die man nicht kennt, mit den "Geht so"-Leuten in einen Topf geworfen wird, ist auch witzig. "Berlin, Berlin" landet also bei mir mit "Games of Thrones" im "geht so"-Bereich, weil ich beide Serien noch nie gesehen habe.

Dass bei einem solchen Test dann auch noch die "Tagesschau" vorkommt, ist auch "nett", denn hier würde ich bei einem "geht so" (aus TV-Seriengesichtspunkten) mit den "nie gesehen"-Leuten in einer Kategorie landen. So wie die angeblich 83 Prozent der bedauernswerten Menschen, die "Damages" entweder noch nie gesehen haben, oder die dieser genialen Serie gerade einmal ein "geht so" zugestehen. Man weiß es nicht.

Daher möchte ich alle Leser auffordern, ihre Meinung über dieses Blog abzugeben:
 

A: Das beste Blog aller Zeiten
B: wirklich nett
C: geht so/nie gelesen
D: todlangweilig.


Irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde hier nicht über ein "wirklich nett" hinauskommen.

Dienstag, 28. August 2012

Ausgerechnet "Rocketeer"!

Ich finde es immer wieder amüsant, wenn plötzlich Remakes von Filmen angekündigt werden, deren Urfilm gnadenlos gefloppt ist. Daher musste ich auch grinsen, als ich hörte, dass Disney es im Zuge des Superhelden-Booms mit einem neuen "Rocketeer"-Film versuchen möchte.

Blöd ist es dennoch nicht. Die "Conan"-Romane wurden ein durchschlagender Bestseller-Erfolg, als die Geschichten in den 1960er Jahren mit Covern von Frank Frazetta neu aufgelegt wurden. Die einst mäßig erfolgreichen "Vampire Diaries" wurden im Zuge von "Twilight" neu herausgebracht und fortgesetzt.

Gerade im Filmgeschäft haben Fehlschläge unzählige Gründe. Schlechtes Marketing, falscher Zeitpunkt, schwächelnde Umsetzung. Wenn eine Idee nicht zum Erfolg führt, muss nicht die Idee schlecht gewesen sein.

Wundern muss ich mich dennoch. Der Disney-Konzern hat vor kurzem das Comic-Haus Marvel für vier Milliarden Dollar gekauft. Marvel hatte die Rechte an rund fünftausend (!!!) Comic-Charakteren, die damit auf Disney übergegangen sind. Dass man ausgerechnet jetzt eine Comicfigur verfilmt, die kein Mensch kennt und die auch nicht von Marvel stammt, ist mehr als erstaunlich. Es ist ein wenig so, als hätte sich ein Kind gerade zehn neue Barbie-Puppen erbettelt, und dann spielt es doch mit dem alten Teddybär aus dem Keller.

Freitag, 24. August 2012

Gehts auch ein bisschen billiger?

Ein Mann namens Frank Schmidt, der für RTL II irgendwelche Scripted-Reality-Formate verbricht, erklärte in einem Interview, die Produzenten von Filmen und Serien könnten eine Menge von den Produktionsprozessen bei Scripted Reality lernen und damit ihre Kosten um bis zur Hälfte senken.

Das ist zwar so, als würde ein Pornofilmproduzent einem echten Filmemacher erklären, wie er auf billigere Weise Schrott produzieren kann, aber letztlich liegt Frank Schmidt damit voll im Trend. Die deutsche Aldi-Kultur sieht im Sparen ja seit langem schon die Lösung für alles, und dass es bei Filmen und Serien um so etwas wie "Kunst" gehen könnte, fällt ja auch wirklich schwer zu glauben, wenn man sich so manche deutsche Produktion ansieht.

Heute darf alles nichts kosten. Nicht in der Herstellung, nicht beim Verbrauch. Die Produzenten von Videospielen setzen angeblich bereits voll auf Free-to-play-Titel, in der schwachen Hoffnung, später die Spieler mit virtuellem Schnickschnack abzuzocken. Nintendo spart auch und hat noch nicht einmal einen Stand auf der Games-Con, und das in einem Jahr, in dem Nintendo mit einer neuen Konsole auf den Markt gehen will. Da hat sicher auch irgendwer im Management ganz schlau entschieden: Wir sparen lieber.

Doch was in der Medienbranche keiner zu kapieren scheint: Das alles ist nicht mit Aldi vergleichbar. Aldi konkurriert mit dem teueren Supermarkt um die Ecke. Der Entertainment-Bereich konkurriert mit Freibier. Glauben TV-Sender und Spielehersteller wirklich, im Zeitalter von Internet und Youtube mit der Herstellung von Billigschund überleben können? Heute kann jeder mit seinem Handy einen Film in High Definition aufnehmen, zurechtschneiden und im Internet publizieren. Wer braucht da noch den gleichen Amateurdreck im Fernsehen?

Dabei müsste doch jedem einleuchten, dass man gegen kostenfreiem Schund nicht mit billigem Schund anstinken kann, sondern nur mit Qualität. Oder glaubt irgendwer, man könne neben einer Freibier-Schenke besonders gut billig produziertes Bier verkaufen? Pay-TV-Sender in den USA  erkennen das längst. Sie ködern die Kundschaft mit Serienqualität, die der Kunde im Free-Bereich vergeblich sucht.

Aber ich bin zuversichtlich. Das Kino galt auch einst als "tot", weil es gegen das Fernsehen nicht ankam. Dann hat man erkannt, dass man dem Zuschauer im Kino eben etwas bieten muss, das er auf dem heimischen Fernseher nicht findet. Das hat eine Zeit lang mit billigen Sex- und Horrorfilmchen geklappt. Dann kam das Medium Video auf, der Zuschauer konnte sich sein eigenes Programm gestalten. Die Kinos haben überlebt, indem sie zu riesigen Multiplexen heranwuchsen und die Zuschauer mit gigantischen Blockbustern köderten. Hätte man damals auf "geht auch billiger"-Leute wie Frank Schmidt gehört, das Kino wäre tatsächlich schon mehrfach den Tod gestorben, den man ihm immer wieder prophezeit hat.