Mittwoch, 12. Januar 2011

Appellationsverfahren gegen Dead Space 2

Ein was?

Da musste ich direkt erst einmal nachsehen.

Es geht um das Spiel "Dead Space 2", den Nachfolger des sehr bekannten Computerspiels "Dead Space". Darin muss der Spieler "Necromorphe" abschießen, tentakelhafte Weltraummonster, die sich wie ein Virus ausbreiten. Im ersten Spiel war der Schauplatz das Raumschiff USG ISHIMURA, im zweiten ist es eine Minenstation auf dem Saturnmond Titan.

So ein Spiel ist natürlich nichts für die Jugend. Ganz wie in der Simpsons-Folge "Bart köpft Ober-Haupt", als Bart den Film "Space Mutanten 4" sehen will. Marge ist dagegen. Homer meint: "Marge, das sind doch nur Space Mutanten!" Worauf Marge zu Bart sagt: "Ach, ich kenn doch all diese Filme. Da werden Menschen geschlachtet und in Großaufnahme gegessen. Da kommst du nur auf dumme Gedanken."

Damit keiner auf dumme Gedanken kommt, hat nun das Bayerische Sozialministerium gegen die "ab 18 Jahren"-USK-Freigabe von "Dead Space 2" das "Appellationsverfahren" eingeleitet.

Ein Appellationsverfahren, soso! Was es nicht alles gibt.

Ich habe mal nachgelesen, was es damit überhaupt auf sich hat, und siehe da: Es stimmt. In § 10 der USK-Grundsätze steht: "Jede Oberste Landesjugendbehörde kann nach Abschluss des Prüfverfahrens (...) erneute Prüfung verlangen." Und: "Die Appellation ist nur innerhalb einer Frist von 10 Werktagen möglich." Sprich: In zwei Wochen.

Jetzt jammert "Electronic Arts", man könne den ursprünglich geplanten Verkaufsstart in Deutschland nicht einhalten. Andererseits muss man sagen: Ich kann mich bei einem Gerichtsurteil auch erst dann auf das Urteil verlassen, wenn die Einspruchsfrist abgelaufen ist. Diese zwei Wochen hätte man halt einplanen müssen.

Vielmehr fragt man sich, was sich das Bayerische Staatsministerium unter der Leitung von CSU-Ministerin Christine Haderthauer eigentlich gedacht hat, zum ersten Mal in der Geschichte der USK ein Appellationsverfahren einzuleiten, und dann ausgerechnet ein Weltraumspiel zu wählen, obwohl es auf dem Markt ja nur so wimmelt vor weitaus geschmackloseren und viel realistischer aufgezogenen Kriegs-Ego-Shootern.

Aber wer weiß? Die CSU-Ministerin Christine Haderthauer, Leiterin des Bayerischen Sozialministeriums, kennt man ja vor allem deshalb, weil sie sich strikt gegen das Ehegattensplitting bei homosexuellen Paaren ausspricht und weil sie von "Vorzeige-Immigranten" wie Mesut Özil fordert, dass sie auch brav die Nationalhymne singen.

Vielleicht liegt hier ja einfach nur ein großes Missverständnis vor.

Vielleicht hat Christine Haderthauer ja selbst ein paar Runden einer Vorabversion von "Dead Space 2" gezockt und erkannt, dass dieses Spiel durchaus pädagogische Züge hat.

Demzufolge hat das bayerische Ministerium vielleicht gar keinen Verkaufsstopp, sondern eine niedrigere Freigabe im Sinn. Immerhin: In "Dead Space 2" schießt der Spieler auf - eindeutig uni-sexuelle - Nekromorph-Immigranten aus dem Weltall! Immigranten von der ganz migrationsunwilligen Sorte! Immigranten, die man an keiner einzigen Stelle des Spiels die deutsche Nationalhymne singen hört! Diese müssen doch einfach abgeknallt werden, zumindest, bevor sie sich am Ende noch um ein gleichgeschlechtliches Ehegatten-Splitting bemühen!

(Übrigens, damit es keine Verwechslung gibt: Das links oben auf dem Bild ist ein Nekromorph, das rechts ist Frau Haderthauer.)

1 Kommentar:

  1. Super Eintrag, musste gegen Ende echt lachen. Ich identifiziere mich in keiner Weise mit meinem Herkunftsbundesland Bayern, und trotzdem schafft es diese Frau, dass ich mich dafür schäme.

    Gruß,
    Chris

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