Freitag, 5. August 2011

Neo

So ändern sich die Zeiten.

Früher (und leider heute noch immer) gab es etwas, das sich vollmundig "Neo-Nazi" nannte. Wer auch immer dieses Wort "schöpfte", wahrscheinlich dachte er, das Wort "Neo" passe zum Wort "Nazi", weil es auch mit "N" anfängt.

Inzwischen gibt es das Neo-ZDF, wobei mir noch immer nicht ganz klar ist, was der Großeltern-Sender ZDF damit bezweckt: Die Verjüngung der "Marke" ZDF, oder das Abschieben der Jugend in eine bequeme Nische, sodass man künftig jede Zuschrift, die sich über das altbackene ZDF-Programm beklagt, mit einem "geh halt bei ZDF-Neo spielen" kontern kann.

Nun wurde das ganz große "Perry-Rhodan-Geheimprojekt" verkündet: Ab dem 30. September 2011 soll "Perry Rhodan Neo" starten. Der Untertitel: "Die Zukunft beginnt von vorn". Daher weiß ich allmählich, was das Wort "Neo" übersetzt bedeutet. Es heißt: "Wir sind die gleichen alten Dödel, versuchen aber verzweifelt, junges Blut zu ködern, das uns normalerweise den Vogel zeigen würde."

Und genau das versuchen nun die Macher der Heftserie "Perry Rhodan". Diesmal soll Perry Rhodan nicht mehr im Jahr 1971 zum Mond fliegen, sondern im Jahr 2036. Von da an soll die Geschichte "neu und modern" erzählt werden.

Modernisierungen müssen nicht immer schlecht sein. Viele ahnen wahrscheinlich gar nicht, dass viele Enid-Blyton-Romane, die sie in ihrer Jugend lasen, bereits modernisierte Fassungen waren. Und es muss ja nicht immer in einem so hirnlosen Blödsinn wie dem letzten "Star Trek"-Film münden, der in seiner haarsträubenden Mischung aus "Top Gun" und "Transformers" nichts mehr mit dem zu tun hatte, was "Star Trek" einst war.

Zu bedenken ist allerdings: "Perry Rhodan" entstand im Jahr 1961, im Zeitalter des "Kalten Kriegs" und vor der ersten Mondlandung. Die Menschen waren gespannt, wie so eine Mondlandung laufen könnte. Eine solche Neugier fehlt bei den heutigen Lesern. Perry Rhodan musste damals nur auf friedliche Weise die beiden Supermächte entwaffnen, um eine bessere Welt zu erschaffen. Heute müsste er schon den Wahnsinn um Finanzspekulationen und Ausbeutung beenden, um den Lesern zumindest in der Phantasie den Traum von einer besseren Welt zu erfüllen.

Im "Perry Rhodan"-Forum meinte jemand treffend: "Warum aufgebackene Brötchen kaufen, wenn ich frische haben kann?" Recht hat er. Mit anderen Worten: Lieber "Sternenfaust" lesen!

Kommentare:

  1. Als PR-Leser seit den 70er Jahren muss ich Dir zustimmen. Man täte besser daran, alle nötige Energie in die Erstauflage zu stecken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch eine Neuerzählung viele neue Leser gewonnen werden können... Mich interessiert das gar nicht. Wäre blöd, wenn dadurch das "wirkliche" PR leiden würde...ich befürchte es.

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  2. Die Frage ist halt immer: Führt sowas eine neue Generation ans Original hin, oder unwiederbringlich davon weg.

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