Mittwoch, 8. August 2012

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht

Von 1964 bis 1970 lief auf dem ZDF die enorm populäre Unterhaltungssendung "Der Goldene Schuss". Nach fünfzig Episoden wurde die Sendung eingestellt, obwohl die Sehbeteiligung noch immer Spitzenwerte von über siebzig Prozent aufwies. Beim ZDF wollte man etwas anderes ausprobieren.

Ein solches Vorgehen wäre heute undenkbar, jeder würde am Verstand desjenigen zweifeln, der eine solche Entscheidung auch nur befürwortet. Unsere neuen Götter heißen Gewinnmaximierung und Profit. Heute würde man bei einer Sendung wie "Der Goldene Schuss" die Zahl der Episoden vervielfachen und am besten noch drei Spin-Offs planen. Bis es irgendwann niemand mehr hätte sehen können.

So erlebt man es bei "The Avengers". Natürlich kommt nun ein zweiter Teil, zudem kriegen nahezu alle Avengers-Figuren ihre eigenen Filme, zugleich wird auch noch eine TV-Serie vorbereitet. Dem "Herr der Ringe"-Erfolg schiebt man nun drei Filme nach, die auf einem kleinen Buch und einigen Materialien basieren. Heute reagiert "der Markt" sofort auf Erfolge. Mussten Verlage früher regelrecht genötigt werden, "Star Trek"-Romane zu produzieren (obwohl die sich in traumhaften Auflagenhöhen verkauften), so kann man heute sicher sein, dass jeder Trend sofort unzählige Bücher nach sich zieht und die Leserschaft überflutet.

Und nein: Jetzt kommt nicht die übliche Predigt über das "Melken von Kühen", in der die Worte "ausschlachten", "Abzocke" oder "Übersättigung" vorkommen. Denn Vorsicht vor vorschnellen Wertungen! Eine Nachfrage zu bedienen ist ja nicht generell falsch. Heute empören wir uns darüber, dass das ZDF damals nicht alle Folgen von "Star Trek" oder "Mit Schirm, Charme und Melone" eingekauft hat, mahnen aber gleichzeitig zur Mäßigung. Natürlich macht es keinen Sinn, jemanden, der gerne Hamburger isst, plötzlich zwanzig Stück davon vorzusetzen. Andererseits wäre es ebenso Unfug, ihm den Hamburger wegzunehmen und oder ihm nur ab und zu einen essen zu lassen.

Gibt es einen Mittelweg? Und wer würde von diesem Mittelweg profitieren? Der Fan? Die Macher? Würde "Star Trek" heute besser dastehen, hätte man nach der "Next Generation" aufgehört? Würde der Vampirboom doppelt so lange anhalten, wenn man nur halb so viele Filme, Serien und Romane herausbringen würde? (Und würde es dann in Sachen Profite nicht auf das vollkommen Gleiche hinauslaufen?) War es eine gute Sache, bei "Indiana Jones" und "Star Wars" die Fans jahrzehntelang auf eine Fortsetzung warten zu lassen, um einer "Übersättigung" vorzubeugen? Und zeigten die Ergebnisse, dass sich das Warten gelohnt hat, dass es eine bessere Qualität erzeugte? Oder wären die Filme vielleicht besser geworden, wenn man sie damals gleich im Anschluss an die ersten drei produziert hätte?

Und dieses Blog? War die lange Pause gut, oder ist die jetzige Übersättigung besser, mit vielen Blogeinträgen, in denen der Schreiber noch nicht einmal eine klare Meinung zu haben scheint?

Kommentare:

  1. Wer hätte gedacht, daß "Der goldene Schuß" mehr als 900 Jahre lief. :D
    Da war bestimmt auch Wilhelm Tell mal Kandidat!

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  2. Stimmt, muss natürlich nicht 1067 sonder 1967 heißen. Werde ich korrigieren! :-)

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  3. Hoffentlich kommen mal wieder einige Beiträge. War ja lange ruhig hier.

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