Dienstag, 21. August 2012

Dünnschiss

Ich frage mich, ob die Macher der Serie "Winx Club" mit der Diätindustrie zusammen arbeiten.

Allein in Europa setzt die Diätindustrie jährlich fast hundert Milliarden um. Und da wir heutzutage alle Gewinnwachstum brauchen, heißt die Devise: Früh übt sich mit dem Diätenwahn. Da reicht es nicht, magersüchtige Ernährungsberaterinnen in Kindergärten und Schulen zu schicken und dort dem biegsamen Nachwuchs einzureden, dass sie fettarme Rohkost essen sollen. Denn Kinder lassen sich selten von etwas abschrecken, das Erzieher und Pädagogen anprangern. Bilder sind viel stärker. Angeblich wurden viele Frauen auf den Fidschi-Inseln nach nur wenigen Jahren essgestört, nachdem bei ihnen das Fernsehen eingeführt worden war. Es reichten Serien wie "Baywatch", und die Essstörung verbreitete sich wie ein Fieber.

Und beim Einsuggerieren von Bildern kann man nicht früh genug anfangen. Vor Jahren noch nahm man Kindern den "Struwwelpeter" weg, weil er als zu "brutal" und "unpädagogisch" galt. Heute hätte man wahrscheinlich Angst, dass sich die Kinder zum Suppe-Essen animiert fühlen könnten. Der heutige Suppenkaspar wäre wohl einer, der zu viele Pommes isst, die "gesunde Rohkost" verweigert und am Ende wegen Verfettung im tiefen Grab landet. Und der Hans-Guck-in-die-Luft würde wahrscheinlich am Bubble-Tea ersticken, weil er nicht auf die Warnungen seiner Mama gehört hat.

Früher waren Kinderfiguren anders. Eine Biene Maja war mollig. Heidi war pausbäckig. Der Trotzkopf war rund und glücklich. Doch heute werden auch die Mainzelmännchen immer dünner. Der aktuelle Kult um Models verzerrt mehr und mehr ein weibliches Idealbild. Dieses Idealbild wird nicht von den Sexphantasien von Männern geprägt, im Gegenteil. Models auf dem Laufsteg sollen makellos, aber nicht erotisch sein. Denn Erotik würde von dem ablenken, was die Hauptsache auf dem Laufsteg ist, und das ist nicht das Model, das ist die Kleidung, die präsentiert wird. Daher bevorzugen Modeschöpfer "wandelnde Kleiderständer".

Manche Mädchen, die in die Pubertät kommen und mit den Veränderungen ihres Körpers zurechtkommen müssen, fühlen sich von diesen Bildern angezogen, weil dort unerotische, mädchenhafte Frauen gezeigt werden, die dennoch Erfolg haben und bejubelt werden. Das mag zu einer Zeit, in der die eigene Sexualität auch Ängste auslöst, auf fruchtbaren Boden fallen.

So gesehen ist es nur von Vorteil, dass sich Ferero nun der Problematik angenommen hat. Und zwar hochoriginell mit einer neuen Reihe von Überraschungseiern. Extra für Mädchen, oder besser gesagt: "Nur für Mädchen!" Da stört es auch gar nicht, dass diese Winx-Figuren vor einigen Jahren schon einmal in den normalen Ü-Eiern enthalten waren (damals durften die wohl auch noch Jungs kaufen), viel wichtiger scheint mir, dass von nun an jedes Mädchen bei einem Blick auf so ein magersüchtiges Feen-Gerippe gleich eine gehörige Portion Schokolade dazu bekommt. Und da diese Winx-Mägersüchtigen nur in jedem siebten Ei sind, gibt es theoretisch für jede Winx-Figur sieben Mal Schokolade.

Das ist doch endlich einmal eine überzeugende Methode, auf verantwortungsvolle Weise einer drohenden Magersucht gegenzusteuern.

Kommentare:

  1. Schön geschrieben.

    So lange das Ideal "dünn sein" von Germanys Next Topmodel und Co vorgelebt wird, muss man aber keine Ernährungsberaterinnen losschicken. Die Kinder einfach Pro Sieben gucken lassen.

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  2. Leider wird das Ideal "dünn sein" nicht nur von Topmodels vorgelebt. Auch von selbsternannten Gesundheitsaposteln wird das Dünn-Sein zum Garanten für ewige Gesundheit, für ewige Attraktivität und für ewige Jugend (die "forever young"-Bücher wurden von einem Arzt geschrieben) hochstilisiert. Dabei hat Karl Lagerfeld eindrucksvoll vorgeführt, wie man im Alter aussieht, wenn man jugendlichen BMI-Vorgaben entspricht.

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