Montag, 10. September 2012

Wer mal ein wenig Zeit hat ...

und diese Zeit sinnvoll verbringen möchte, sollte sich die Filmkritiken von "Mister Plinkett" ansehen:

Star Wars - Episode 1

Teil 1: http://youtu.be/FxKtZmQgxrI
Teil 2: http://youtu.be/ZG1AWVLnl48
Teil 3: http://youtu.be/IdQwKPVGQsY
Teil 4: http://youtu.be/SOlG4T1S2lU
Teil 5: http://youtu.be/TBvp1r2UpiQ
Teil 6: http://youtu.be/ORWPCCzSgu0
Teil 7: http://youtu.be/fIWKMgJs_Gs

Mit deutschen Untertiteln:
http://youtu.be/8d-FjmqGqH0
http://youtu.be/_NWp9AXXoxM

Star Wars - Episode 2

Teil 1: http://youtu.be/CfBhi6qqFLA
Teil 2: http://youtu.be/Im7k4LUzA3Y
Teil 3: http://youtu.be/ux8pCqiiBLA
Teil 4: http://youtu.be/qGnorxUw4AA
Teil 5: http://youtu.be/Hz1L63TdhC8
Teil 6: http://youtu.be/o-isAmaVbsM
Teil 7: http://youtu.be/Blkx6axytKQ
Teil 8: http://youtu.be/9QThD0r3hZg
Teil 9: http://youtu.be/Iq0wv2ossJU

Star Wars - Episode 3

http://redlettermedia.com/plinkett/star-wars/star-wars-episode-iii-revenge-of-the-sith/

Star Trek: Generations

Teil 1: http://youtu.be/h06WKYFYdlo
Teil 2: http://youtu.be/azSh47-oRPI
Teil 3: http://youtu.be/Zqb9q3c1Pxo

Star Trek: Insurrection

Teil 1: http://youtu.be/qlV3bsafkq0
Teil 2: http://youtu.be/yr4RHI01t38
Teil 3: http://youtu.be/zVeXdhADrmI
Teil 4: http://youtu.be/JmUzoIENIXc

Star Trek: Nemesis

Teil 1: http://youtu.be/8ZjkHUrEuHc
Teil 2: http://youtu.be/CoWfTq8dYos
Teil 3: http://youtu.be/5DT7sSp-3_I
Teil 4: http://youtu.be/Oi5mj6-CUiY

Star Trek 2009

http://redlettermedia.com/plinkett/star-trek/star-trek-09/

Donnerstag, 6. September 2012

Hier sind Mathelehrer gefragt

Dass ein Großteil der Menschheit für einfache Rechen-Aufgaben zu blöd ist, muss man wohl hinnehmen.

Nicht hinnehmen muss man, dass diese Menschheit - einschließlich Journalisten - derart blöd sind.

Seit Jahrzehnten steigt das durchschnittliche Vermögen der Deutschen. Selbst in den Phasen, die von dem geprägt waren, was man als Finanz-, Euro- oder "Staatschulden"-Krise bezeichnet, ist dieses Vermögen gestiegen. Seit Jahrzehnten steigt das Bruttosozialprodukt in Deutschland. Auch hier: Trotz  Finanz-, Euro- oder "Staatschulden"-Krise.

Dennoch (!!!) steigt der Anteil derjenigen, die von Altersarmut bedroht sind.

Dies, so heißt es immer wieder, liegt am "demografischen Wandel". Der "demografische Wandel" bedeutet: Es gibt angeblich immer weniger Nachkommen, also immer weniger Menschen.

Muss man diese Idiotie wirklich buchstabieren? Muss man Journalisten und Politikern etwas erklären, das in einen Test gehört, bei dem man prüft, ob Kinder schon reif für die Grundschule sind? Wenn der Reichtum steigt und die Zahl der Deutschen abnimmt, wie kann DAS bitte als Erklärung dafür dienen, dass immer mehr Menschen arm werden?

Mittwoch, 5. September 2012

Talk to the Chair

Das Rätseln um Clint Eastwoods peinlichen Auftritt auf einer Wahlveranstaltung für Mitt Romney hat ein Ende. Für alle, die sich fragten, was das sollte, als er mit dem leeren Stuhl redete, hier die Antwort: Eastwood spielte eine Szene aus "Lost" nach, in der Benjamin Linus behauptete, er spreche mit Jacob.

Eastwood ist also kein verblendeter Republikaner und auch nicht senil. Er ist einfach nur ein Fan von "Lost"!

Doch im Ernst: Eastwoods Auftritt ist für mich mehr als enttäuschend. Natürlich ist Eastwood nicht der einzige "Nicht-Demokrat", der in Hollywood arbeitet. Und natürlich kann ich nicht erwarten, dass jeder Künstler die gleichen politischen Ansichten hat. Aber ein Arnold Schwarzenegger liefert Texte, die ein anderer geschrieben hat. Tom Cruise tut, was ihm irgendein Regisseur sagt. Hier interessiert mich gar nicht, was die beiden politisch oder religiös denken.

Doch bei einem Filmschaffenden wie Clint Eastwood, dessen Filme von Jahr zu Jahr an Reife und Tiefsinn zu gewinnen scheinen, ist es schmerzlich zu sehen, dass er auf politischer Ebene offenbar in unsäglicher Ignoranz steckengeblieben ist und mit Leuten der "Tea Party" sympathisiert. Es verwirrt mich, weil es schlichtweg nicht zu seinen vielschichtigen Filmen passt. Wie kann ein Mann, der in einem Film wie "Million Dollar Baby" einfühlsam die Nöte einer Frau zeigt, sich politisch für Leute einsetzen, die sogar vergewaltigten Frauen ein Abtreibungsrecht vorenthalten wollen, und das unter dem Argument, bei einer "echten" Vergewaltigung würde eine Frau gar nicht schwanger werden, weil ihr Körper automatisch biologische Abwehrstoffe bildet?

Wie kann ein Mann wie Eastwood einen Film wie "J. Edgar" drehen, in dem die unterdrückte Homosexualität der Hauptfigur genutzt wird, um dem Titelcharakter als tragischen Menschen darzustellen, und zugleich einem schwulenfeindlichen Mormonen zur Präsidentschaft verhelfen wollen?

Eastwoods Vorwürfe an den "Stuhl", weshalb Obama nicht alle Truppen aus Afghanistan abgezogen habe, kann man nur mit ungläubigem Stirnrunzeln kommentieren. Glaubt Eastwood wirklich, Romney will anders als Obama Truppen aus Afghanistan abziehen? Ist er derart uninformiert? Wie kann jemand, der so scharfsinnige Filme dreht, einen solchen Unfug reden?

Eastwoods Rede mit dem Stuhl erinnert mich an Norman Bates aus "Psycho". Der Vergleich mit Norman Bates erscheint mir vor allem deshalb stimmig, weil in Clint Eastwood zwei Persönlichkeiten zu leben scheinen. Zum einen ein wundervoller Filmemacher, der mit großartigen und tiefsinnigen Filmen verblüfft und beeindruckt. Auf der anderen Seite benimmt er sich wie jemand, der über Politik und Wahlprogramme offenbar genauso schlecht informiert ist wie der durchschnittliche American White Trash und der sich deshalb unglückseligerweise vor den Karren eines ewiggestrigen Mormonen spannen lässt.

Montag, 3. September 2012

Ärgerliche Besserwisser

Die Kommentarfunktion im Internet ist Fluch und Segen zugleich.

Fluch, weil jeder besserwisserische Schwachkopf irgendeinen hirnverbrannten, überflüssigen Senf von sich geben und veröffentlichen kann.

Segen deshalb, weil man sich als Leser nicht länger Illusionen über die Menschheit macht und erkennt, dass sie zu einem erschütternden Großteil aus besserwisserischen Schwachköpfen besteht, die gar nicht erkennen, was für einen überflüssigen Senf sie verzapfen.

Auf diese Erkenntnis stieß ich, als ich mir bei Amazon die Kundenbewertungen zu dem japanischen Rollenspiel "Trinity: Souls of Zill O'll" durchlas. Im Forum machte jemand die Anmerkung, das Spiel sei, anders als (damals) bei Amazon angegeben, nicht auf deutsch spielbar, weil weder deutsche Sprache noch deutsche Texte zur Auswahl stehen. Tatsächlich sei das Spiel also nur auf Englisch spielbar.

Man könnte meinen, dass damit die Angelegenheit erledigt sei. Doch irgendein Typ schrieb als Erwiderung:

"Wieso ist das ein Problem für dich? In der heutigen Zeit sollte wirklich jeder in der Lage sein, Englisch zu sprechen... verglichen mit der deutschen oder französischen Grammatik ist es eine sehr "einfache" Sprache. Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich peinlich, dass es immer wieder Leute gibt, die sich über eine fehlende deutsche Sprach-/Textversion aufregen. Ursprünglich war nicht einmal sicher, ob dieses Game außerhalb von Japan veröffentlicht wird. Also solltest du als "RPG Fan" froh sein, es überhaupt zocken zu können."

Daraufhin entbrannte eine Diskussion darüber, wie man heutzutage denn noch ohne Englisch durchs Leben kommt.

Das alles erinnert mich an den "Loriot"-Sketsch mit dem Frühstücksei. Der Ehemann beklagt, dass das Ei zu hart sei und offenbar nicht, wie gewünscht, nur viereinhalb Minuten gekocht hat, worauf er als Antwort erhält: "Zu viele Eier sind gar nicht gesund."

Es ist eine Marotte der Deutschen. Beim Fehlen einer zugesicherten Eigenschaft entbrennt plötzlich eine Debatte darüber, ob es diese Eigenschaft oder gar das Produkt an sich "überhaupt braucht".

Es ist ein cleveres Spiel mit der Logik, mit der Vollidioten sehr leicht punkten können, wenn man sich auf ihr Spiel einlässt. Und nein, das ist kein Einzelfall. In Wahrheit passiert es sogar andauernd. Wenn irgendwo etwas fehlt, das angeblich enthalten sein soll, wird garantiert irgendwer sagen: "Aber das brauchst du doch eh nicht." Besonders beliebt bei fehlenden oder fehlerhaften deutschen Sprachspuren. "Auf deutsch schaut man das doch eh nicht."

Nun hat man die Wahl, sich entweder als Prinzipienreiter aufzuspielen (die Eigenschaft ist einem nicht wichtig, es stört einem aber trotzdem, dass sie fehlt, zumal dann, wenn sie zugesichert wurde), oder darauf zu beharren, dass man selbst sehr wohl diese Eigenschaft benötigt (worauf man sich schnell viele Belehrungen und herablassendes Gefasel einhandelt, selbst bei einem japanischen Rollenspiel, das durch die englische Fassung ja genauso weit vom Original entfernt ist wie bei einer deutschen Übersetzung). In beiden Fällen ist man am Ende der Loser.

Was also tun? Den Einwand ignorieren? Ihn kategorisch mit einem "das ist kein relevanter Einwand" abschmettern? Das ist leider gar nicht so leicht zu beantworten. Denn wäre gegen dümmliche Besserwisserei tatsächlich ein einfaches und wirksames Kraut gewachsen, wäre sie längst ausgerottet.

Samstag, 1. September 2012

Die böse Gen-Technik

Dass Gen-Technik irgendwie böse und gefährlich ist, das muss man vor allem einem Deutschen nicht erklären. Wer in die Gene eingreift, greift in den Bauplan Gottes ein. Dass die Menschen seit Jahrhunderten durch Züchtungen immer wieder die Gene ihrer Umwelt veränderten und dadurch viele Pflanzen überhaupt erst essbar oder zumindest bekömmlicher machten, interessiert nicht. Beim Zufall kann Gott seine Hand im Spiel haben, beim gezielten Verändern nicht mehr.

Übertreibe ich? Mag sein. Fakt ist jedoch: Wahllose Veränderungen der Gene sind noch immer erlaubt. Sie gelten nicht als Gen-Technik.

Doch wie ändert man die Gene wahllos? Ganz einfach: Man bestrahlt die Pflanzen radioaktiv. Früher hat man das Saatgut dafür tatsächlich in Atomkraftwerke gebracht, um sie dort einer gehörigen Portion Gammastrahlung auszusetzen. Dann hat man das Saatgut gepflanzt, um zu testen: Was wurde dadurch besser? Ein aufwendiges Verfahren, doch praktisch alle Getreidearten wurden so "behandelt". Auch Soja, Kartoffeln und Tomaten, oder Obst. Auf diese Weise gelangt man zu gewünschten Ergebnissen, zum Beispiel zur "Züchtung" von kernlosen Trauben.

Dass bei einer solchen Bestrahlung auch viele ungewollte Effekte möglich sind, stört komischerweise niemanden. Nicht einmal jene, die es doch eigentlich besser wissen müssten, sind sie doch mit zahllosen japanischen Monsterfilmen aufgewachsen. Aber auch der Biobauer darf seine gezüchteten Trauben, die ihre Geburtsstätte im Atomkraftwerk feierten, brav anpflanzen. Ist ja keine Gen-Traube, sondern eine "natürliche".

Aber wehe, man erzeugt im Gen-Labor gezielt Mais, der zum Beispiel "Bt-Toxin" produziert, womit sich der Mais gegen Schädlinge wehrt. Im Bio-Landbau macht man das besser: Dort sprüht man BT-Toxin direkt auf die Pflanzen. Ist erlaubt und "bio".

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Die "Bestrahlungsmethode" ist nach wie vor erlaubt. Daran hat auch der "Atomausstieg" nichts geändert. Es ist noch immer die legale Alternative zur verteufelten Gen-Technik. Man bestrahlt die Pflanzen, ändert die Gene und hofft auf die "X-Men"-Pflanze, also eine Pflanze, die dann durch Zufall bessere Eigenschaften aufweist. Was an dieser Methode "berechenbarer" oder "ungefährlicher" sein soll als an der Gen-Technik, kann natürlich niemand rational erklären. Will auch niemand erklären. Lieber sammelt man weitere "Einwände" gegen die Gen-Technik.

Jetzt hat man ein neues Argument gegen Gen-Technik gefunden: Gen-manipulierter Mais macht angeblich besonders dick. Juhu! Ein erneuter Beweis für die Gefahren der Gen-Technik. Es hat ja alles, das auf dieser Erde wächst, schon einmal im Verdacht gestanden, besonders dick zu machen. Erst waren es tierische Fette, dann sämtliche Fette, dann die Kohlenhydrate … Es muss also etwas Neues her. Da bietet sich "Gen-Food" natürlich an. Vor allem der verhasste "Gen-Mais".

Der Grund könnte aber ein völlig anderer sein, und der liegt ganz schlicht beim Fruchtzucker. Schon vor einigen Jahren hat man in Labortests festgestellt, dass Fruchtzucker (Fruktose) - ja, genau der, den man jahrelang ausgerechnet Diabetikern empfohlen hat - besonders dick macht und das Diabetesrisiko erhöht. Damit war auch erstmals eine einleuchtende Erklärung für die angebliche Zunahme des Übergewichts in den USA gefunden. Seit der Kuba-Krise nutzte man dort immer weniger Rohrzucker. Stattdessen verarbeitete man die Stärke aus dem Mais für die Herstellung von Maissirup. Der Anbau von Mais wird seit damals massiv subventioniert, wodurch der Maissirup viel billiger ist als Rohrzucker. Zudem hat Maissirup eine stärkere Süßkraft. Daher ist in den USA in nahezu allen Getränken und Fertiggerichten anstelle des Haushaltszuckers Maissirup enthalten.

Wenn nun gen-manipulierter Mais dicker macht, dann könnte das schlichtweg daran liegen, dass dieser Mais einen besonders hohen Stärkegehalt hat. Und bei Masttieren ist dieser Effekt ja sogar erwünscht. Für die Menschen hat er dann leider einen weniger schönen Effekt. Das ist aber sicher keine Folge der Gen-Technik. Es ist eben eine Folge eines neu gezüchteten Mais. Vielmehr sollte man genau das zum Anlass nehmen, eingehend zu untersuchen, ob bestimmte Menschen auf Fructose mit Gewichtszunahme reagieren. Dann könnte man diesen Menschen die Empfehlung mit auf den Weg geben, auf Fertigprodukte mit hohem Fructose-Anteil sowie auf "gesundes Obst" zu verzichten.

Aber das wäre wohl zu sinnvoll, es wird also keiner tun. Lieber wird man "Gen-Food" als Dickmacher verschreien, um diesem "Teufelszeug" endgültig das Handwerk zu legen.

Mittwoch, 29. August 2012

Du hast die Wahl

Schon als Kind liebte ich "Persönlichkeitstests" in Zeitschriften.

Ich weiß nicht mehr, welche Frauenzeitschrift es war, die meine Mutter im Lesezirkel hatte, aber in einer davon gab es jede Woche einen "Persönlichkeitstest". Er stellte so spannende Fragen wie "sind Sie ein Ordnungsfanatiker?", "wie spontan sind Sie?" oder "wie verbringen Sie am liebsten Ihren Urlaub?".

Dann musste man sich bei mehreren Fragen eine passende Antwort aussuchen. Meist waren drei bis vier Antworten vorgegeben. Jede Antwort ergab eine Zahl, die man am Ende addieren musste. Und dann konnte man nachsehen, welcher "Personlichkeits-Typ" man war. Es gab bei der "Auswertung" immer drei mögliche Ergebnisse. Und ich landete immer, aber auch wirklich immer im mittleren Feld. Ich war immer der, "der Ordnung liebt, aber auch Unordnung hinnehmen kann", der "Spontanität mag, aber nicht alles dem Zufall überlassen möchte" und der in seinem Urlaub "gerne verreist, aber auch die Zeit zu Hause mit einem Buch genießen kann".

Es dauerte nicht lange, und ich erkannte, dass diese Tests natürlich völliger Schwachsinn sind. Die Antworten, die man zur Auswahl hatte, waren oft so extrem, dass sie natürlich niemand auswählen würde. Was tue ich, wenn unangekündigt Freunde vor der Tür stehen? Nein, ich "schlage ihnen nicht die Tür vor der Nase zu und verlange, sie sollen das nächste mal vorher anrufen". Und nein: Ich schmeiße auch nicht sofort eine Party, "plündere Bar und Kühlschrank und lade noch die Nachbarn mit ein".


Dennoch machte ich diese Tests immer wieder. Die Faszination solcher Umfragen hat mich bis heute nicht losgelassen, und ich amüsiere mich immer wieder über die vorgegebene Antwortauswahl. Auf der SZ-Seite gab es kürzlich eine "Umfrage" zu den "besten" TV-Serien. Über Serien wie "Twin Peaks", "Derrick" oder "Little Britain" konnte man abstimmen und dabei wählen zwischen: "Beste Serie aller Zeiten", "Wirklich nett", "Geht so/Nie gesehen" und "todlangweilig".

Wie schön. Bei Serien, die einem gefallen, hat man also die Wahl zwischen "Beste Serie aller Zeiten" und "wirklich nett". Wäre man genau, dann könnte man nur einmal eine Serie zur "Besten Serie" küren, schließlich kann es nur einen "Besten" geben, alle anderen wären dann nur noch "wirklich nett".

Dass man bei Serien, die man nicht kennt, mit den "Geht so"-Leuten in einen Topf geworfen wird, ist auch witzig. "Berlin, Berlin" landet also bei mir mit "Games of Thrones" im "geht so"-Bereich, weil ich beide Serien noch nie gesehen habe.

Dass bei einem solchen Test dann auch noch die "Tagesschau" vorkommt, ist auch "nett", denn hier würde ich bei einem "geht so" (aus TV-Seriengesichtspunkten) mit den "nie gesehen"-Leuten in einer Kategorie landen. So wie die angeblich 83 Prozent der bedauernswerten Menschen, die "Damages" entweder noch nie gesehen haben, oder die dieser genialen Serie gerade einmal ein "geht so" zugestehen. Man weiß es nicht.

Daher möchte ich alle Leser auffordern, ihre Meinung über dieses Blog abzugeben:
 

A: Das beste Blog aller Zeiten
B: wirklich nett
C: geht so/nie gelesen
D: todlangweilig.


Irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde hier nicht über ein "wirklich nett" hinauskommen.

Dienstag, 28. August 2012

Ausgerechnet "Rocketeer"!

Ich finde es immer wieder amüsant, wenn plötzlich Remakes von Filmen angekündigt werden, deren Urfilm gnadenlos gefloppt ist. Daher musste ich auch grinsen, als ich hörte, dass Disney es im Zuge des Superhelden-Booms mit einem neuen "Rocketeer"-Film versuchen möchte.

Blöd ist es dennoch nicht. Die "Conan"-Romane wurden ein durchschlagender Bestseller-Erfolg, als die Geschichten in den 1960er Jahren mit Covern von Frank Frazetta neu aufgelegt wurden. Die einst mäßig erfolgreichen "Vampire Diaries" wurden im Zuge von "Twilight" neu herausgebracht und fortgesetzt.

Gerade im Filmgeschäft haben Fehlschläge unzählige Gründe. Schlechtes Marketing, falscher Zeitpunkt, schwächelnde Umsetzung. Wenn eine Idee nicht zum Erfolg führt, muss nicht die Idee schlecht gewesen sein.

Wundern muss ich mich dennoch. Der Disney-Konzern hat vor kurzem das Comic-Haus Marvel für vier Milliarden Dollar gekauft. Marvel hatte die Rechte an rund fünftausend (!!!) Comic-Charakteren, die damit auf Disney übergegangen sind. Dass man ausgerechnet jetzt eine Comicfigur verfilmt, die kein Mensch kennt und die auch nicht von Marvel stammt, ist mehr als erstaunlich. Es ist ein wenig so, als hätte sich ein Kind gerade zehn neue Barbie-Puppen erbettelt, und dann spielt es doch mit dem alten Teddybär aus dem Keller.

Freitag, 24. August 2012

Gehts auch ein bisschen billiger?

Ein Mann namens Frank Schmidt, der für RTL II irgendwelche Scripted-Reality-Formate verbricht, erklärte in einem Interview, die Produzenten von Filmen und Serien könnten eine Menge von den Produktionsprozessen bei Scripted Reality lernen und damit ihre Kosten um bis zur Hälfte senken.

Das ist zwar so, als würde ein Pornofilmproduzent einem echten Filmemacher erklären, wie er auf billigere Weise Schrott produzieren kann, aber letztlich liegt Frank Schmidt damit voll im Trend. Die deutsche Aldi-Kultur sieht im Sparen ja seit langem schon die Lösung für alles, und dass es bei Filmen und Serien um so etwas wie "Kunst" gehen könnte, fällt ja auch wirklich schwer zu glauben, wenn man sich so manche deutsche Produktion ansieht.

Heute darf alles nichts kosten. Nicht in der Herstellung, nicht beim Verbrauch. Die Produzenten von Videospielen setzen angeblich bereits voll auf Free-to-play-Titel, in der schwachen Hoffnung, später die Spieler mit virtuellem Schnickschnack abzuzocken. Nintendo spart auch und hat noch nicht einmal einen Stand auf der Games-Con, und das in einem Jahr, in dem Nintendo mit einer neuen Konsole auf den Markt gehen will. Da hat sicher auch irgendwer im Management ganz schlau entschieden: Wir sparen lieber.

Doch was in der Medienbranche keiner zu kapieren scheint: Das alles ist nicht mit Aldi vergleichbar. Aldi konkurriert mit dem teueren Supermarkt um die Ecke. Der Entertainment-Bereich konkurriert mit Freibier. Glauben TV-Sender und Spielehersteller wirklich, im Zeitalter von Internet und Youtube mit der Herstellung von Billigschund überleben können? Heute kann jeder mit seinem Handy einen Film in High Definition aufnehmen, zurechtschneiden und im Internet publizieren. Wer braucht da noch den gleichen Amateurdreck im Fernsehen?

Dabei müsste doch jedem einleuchten, dass man gegen kostenfreiem Schund nicht mit billigem Schund anstinken kann, sondern nur mit Qualität. Oder glaubt irgendwer, man könne neben einer Freibier-Schenke besonders gut billig produziertes Bier verkaufen? Pay-TV-Sender in den USA  erkennen das längst. Sie ködern die Kundschaft mit Serienqualität, die der Kunde im Free-Bereich vergeblich sucht.

Aber ich bin zuversichtlich. Das Kino galt auch einst als "tot", weil es gegen das Fernsehen nicht ankam. Dann hat man erkannt, dass man dem Zuschauer im Kino eben etwas bieten muss, das er auf dem heimischen Fernseher nicht findet. Das hat eine Zeit lang mit billigen Sex- und Horrorfilmchen geklappt. Dann kam das Medium Video auf, der Zuschauer konnte sich sein eigenes Programm gestalten. Die Kinos haben überlebt, indem sie zu riesigen Multiplexen heranwuchsen und die Zuschauer mit gigantischen Blockbustern köderten. Hätte man damals auf "geht auch billiger"-Leute wie Frank Schmidt gehört, das Kino wäre tatsächlich schon mehrfach den Tod gestorben, den man ihm immer wieder prophezeit hat.

Dienstag, 21. August 2012

Dünnschiss

Ich frage mich, ob die Macher der Serie "Winx Club" mit der Diätindustrie zusammen arbeiten.

Allein in Europa setzt die Diätindustrie jährlich fast hundert Milliarden um. Und da wir heutzutage alle Gewinnwachstum brauchen, heißt die Devise: Früh übt sich mit dem Diätenwahn. Da reicht es nicht, magersüchtige Ernährungsberaterinnen in Kindergärten und Schulen zu schicken und dort dem biegsamen Nachwuchs einzureden, dass sie fettarme Rohkost essen sollen. Denn Kinder lassen sich selten von etwas abschrecken, das Erzieher und Pädagogen anprangern. Bilder sind viel stärker. Angeblich wurden viele Frauen auf den Fidschi-Inseln nach nur wenigen Jahren essgestört, nachdem bei ihnen das Fernsehen eingeführt worden war. Es reichten Serien wie "Baywatch", und die Essstörung verbreitete sich wie ein Fieber.

Und beim Einsuggerieren von Bildern kann man nicht früh genug anfangen. Vor Jahren noch nahm man Kindern den "Struwwelpeter" weg, weil er als zu "brutal" und "unpädagogisch" galt. Heute hätte man wahrscheinlich Angst, dass sich die Kinder zum Suppe-Essen animiert fühlen könnten. Der heutige Suppenkaspar wäre wohl einer, der zu viele Pommes isst, die "gesunde Rohkost" verweigert und am Ende wegen Verfettung im tiefen Grab landet. Und der Hans-Guck-in-die-Luft würde wahrscheinlich am Bubble-Tea ersticken, weil er nicht auf die Warnungen seiner Mama gehört hat.

Früher waren Kinderfiguren anders. Eine Biene Maja war mollig. Heidi war pausbäckig. Der Trotzkopf war rund und glücklich. Doch heute werden auch die Mainzelmännchen immer dünner. Der aktuelle Kult um Models verzerrt mehr und mehr ein weibliches Idealbild. Dieses Idealbild wird nicht von den Sexphantasien von Männern geprägt, im Gegenteil. Models auf dem Laufsteg sollen makellos, aber nicht erotisch sein. Denn Erotik würde von dem ablenken, was die Hauptsache auf dem Laufsteg ist, und das ist nicht das Model, das ist die Kleidung, die präsentiert wird. Daher bevorzugen Modeschöpfer "wandelnde Kleiderständer".

Manche Mädchen, die in die Pubertät kommen und mit den Veränderungen ihres Körpers zurechtkommen müssen, fühlen sich von diesen Bildern angezogen, weil dort unerotische, mädchenhafte Frauen gezeigt werden, die dennoch Erfolg haben und bejubelt werden. Das mag zu einer Zeit, in der die eigene Sexualität auch Ängste auslöst, auf fruchtbaren Boden fallen.

So gesehen ist es nur von Vorteil, dass sich Ferero nun der Problematik angenommen hat. Und zwar hochoriginell mit einer neuen Reihe von Überraschungseiern. Extra für Mädchen, oder besser gesagt: "Nur für Mädchen!" Da stört es auch gar nicht, dass diese Winx-Figuren vor einigen Jahren schon einmal in den normalen Ü-Eiern enthalten waren (damals durften die wohl auch noch Jungs kaufen), viel wichtiger scheint mir, dass von nun an jedes Mädchen bei einem Blick auf so ein magersüchtiges Feen-Gerippe gleich eine gehörige Portion Schokolade dazu bekommt. Und da diese Winx-Mägersüchtigen nur in jedem siebten Ei sind, gibt es theoretisch für jede Winx-Figur sieben Mal Schokolade.

Das ist doch endlich einmal eine überzeugende Methode, auf verantwortungsvolle Weise einer drohenden Magersucht gegenzusteuern.

Montag, 20. August 2012

Der Alleskönner

Kürzlich feierte der Commodore 64, der erste große Heimcomputer, sein dreißigjähriges Jubiläum.

Ich gehöre zu der Generation, die mit dem C-64 einen Großteil der Jugend und des beginnenden Erwachsenenalters verbracht hat. Ich spielte darauf Spiele, tippte an langweiligen Wochenenden endlose Texte aus Zeitschriften ab, programmierte sogar einige Adventures in BASIC und spielte allerlei Spiele. Auch meine Facharbeit schrieb ich auf dem C-64, und natürlich unzählige Briefe und Geschichten. Außerdem brachte ich Fanzines heraus, die ich am C-64 layoutete.

Um die Erfolgsgeschichte des Commodore 64 zu verstehen, muss man sich einen Satz ansehen, der damals, auf dem Höhepunkt der Commodore-Euphorie, in einer Zeitschrift geäußert wurde: "Gibt es irgendetwas, das der C64 nicht kann?"

Das genau spiegelt die damalige Stimmung wider. Das Gerät wurde nicht nur von seinen Nutzern entdeckt, sondern auch von den Programmierern. Woche für Woche schien man den C-64 neu auszureizen. Und als Anwender war man überwältigt von flüssigen Animationen und grandiosen Soundtechniken.

Etwas Vergleichbares hatte es noch nie gegeben. Ein Gerät, dessen Potenzial sich immer wieder erweiterte. Wer sich bis dahin einen Farbfernseher gekauft hatte, der wusste sofort, was er daran hatte. Er bekam nicht fünf Jahre später Farben zu sehen, die er zuvor noch nie auf seinem Fernseher entdeckt hatte. Nicht so beim C-64. Immer wieder wurde einem bescheinigt, wie vielfältig, nützlich und unergründlich leistungsstark der C-64 war. Unentwegt zeigte das Gerät neue Talente und Fähigkeiten.

Im Verlauf der 1990er Jahre wurde der C-64 vom "Personal Computer" verdrängt. "Personal" hieß: Jeder konnte sich seinen Computer nach eigenen Bedürfnissen und Vorlieben zusammenbauen. Dagegen hatte der C-64 auf Dauer keine Chance. Dennoch: Die Faszination für Computer hat sich nachhaltig in die Generation der "C-64er" eingebrannt. Der Glaube, der Computer sei ein Gerät, in dem unendliche Möglichkeiten schlummern, wird also erst mit den nächsten Generationen schwinden.

Die Generation "nach" dem C-64 erlebte Computer anders. Für sie sind es Geräte, die schnell veralten und ersetzt werden müssen. Jeder Computerkauf ist im Grunde ein Kompromiss, stets weiß man, dass man – hätte man das nötige Kleingeld – noch bessere Graphik- oder Soundkarten hätte einbauen können, oder dass man für etwas mehr Geld einen noch besseren Prozessor bekommen hätte. Computer sind Tools mit Ablaufdatum und selbst auferlegten Beschränkungen, und jedes noch so teuere Feature ist morgen schon reiner PC-Schrott.

Anhaltende Wow-Effekte gibt es längst keine mehr. Wer sich ein iPad kauft, wird vielleicht dauerhaft daran seinen Spaß haben, aber er wird nicht über Monate oder gar Jahre hinweg überrascht sein, was alles in diesem Gerät steckt. Vielmehr wird man als iPad-Nutzer schnell an die Grenzen des Geräts stoßen und zugleich wissen, dass das Nachfolgegerät wohl schon in den Startlöchern steht.

Die "Faszination Computer" wird es für künftige Generationen in dieser Form schlichtweg nicht mehr geben. Und auch als Statussymbol wird sich der Computer nicht mehr sehr lange eignen, Apple hin oder her. So wie heute niemand mehr eindrucksvoll nickt, wenn jemand zu Hause eine Stereo-Anlage von irgendeiner Marke hat, wird es in Zukunft egal sein, welchen PC, welches Notebook oder welches Pad man gerade nutzt. Man nutzt es, und das war es auch schon.

Mittwoch, 8. August 2012

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht

Von 1964 bis 1970 lief auf dem ZDF die enorm populäre Unterhaltungssendung "Der Goldene Schuss". Nach fünfzig Episoden wurde die Sendung eingestellt, obwohl die Sehbeteiligung noch immer Spitzenwerte von über siebzig Prozent aufwies. Beim ZDF wollte man etwas anderes ausprobieren.

Ein solches Vorgehen wäre heute undenkbar, jeder würde am Verstand desjenigen zweifeln, der eine solche Entscheidung auch nur befürwortet. Unsere neuen Götter heißen Gewinnmaximierung und Profit. Heute würde man bei einer Sendung wie "Der Goldene Schuss" die Zahl der Episoden vervielfachen und am besten noch drei Spin-Offs planen. Bis es irgendwann niemand mehr hätte sehen können.

So erlebt man es bei "The Avengers". Natürlich kommt nun ein zweiter Teil, zudem kriegen nahezu alle Avengers-Figuren ihre eigenen Filme, zugleich wird auch noch eine TV-Serie vorbereitet. Dem "Herr der Ringe"-Erfolg schiebt man nun drei Filme nach, die auf einem kleinen Buch und einigen Materialien basieren. Heute reagiert "der Markt" sofort auf Erfolge. Mussten Verlage früher regelrecht genötigt werden, "Star Trek"-Romane zu produzieren (obwohl die sich in traumhaften Auflagenhöhen verkauften), so kann man heute sicher sein, dass jeder Trend sofort unzählige Bücher nach sich zieht und die Leserschaft überflutet.

Und nein: Jetzt kommt nicht die übliche Predigt über das "Melken von Kühen", in der die Worte "ausschlachten", "Abzocke" oder "Übersättigung" vorkommen. Denn Vorsicht vor vorschnellen Wertungen! Eine Nachfrage zu bedienen ist ja nicht generell falsch. Heute empören wir uns darüber, dass das ZDF damals nicht alle Folgen von "Star Trek" oder "Mit Schirm, Charme und Melone" eingekauft hat, mahnen aber gleichzeitig zur Mäßigung. Natürlich macht es keinen Sinn, jemanden, der gerne Hamburger isst, plötzlich zwanzig Stück davon vorzusetzen. Andererseits wäre es ebenso Unfug, ihm den Hamburger wegzunehmen und oder ihm nur ab und zu einen essen zu lassen.

Gibt es einen Mittelweg? Und wer würde von diesem Mittelweg profitieren? Der Fan? Die Macher? Würde "Star Trek" heute besser dastehen, hätte man nach der "Next Generation" aufgehört? Würde der Vampirboom doppelt so lange anhalten, wenn man nur halb so viele Filme, Serien und Romane herausbringen würde? (Und würde es dann in Sachen Profite nicht auf das vollkommen Gleiche hinauslaufen?) War es eine gute Sache, bei "Indiana Jones" und "Star Wars" die Fans jahrzehntelang auf eine Fortsetzung warten zu lassen, um einer "Übersättigung" vorzubeugen? Und zeigten die Ergebnisse, dass sich das Warten gelohnt hat, dass es eine bessere Qualität erzeugte? Oder wären die Filme vielleicht besser geworden, wenn man sie damals gleich im Anschluss an die ersten drei produziert hätte?

Und dieses Blog? War die lange Pause gut, oder ist die jetzige Übersättigung besser, mit vielen Blogeinträgen, in denen der Schreiber noch nicht einmal eine klare Meinung zu haben scheint?

Montag, 6. August 2012

Hesse

Vielleicht von ein paar Reisebeschreibungen abgesehen habe ich alles von Hermann Hesse gelesen. Da sich nun sein fünzigster Todestag (9.8.62) nähert, hat die Zeitschrift "Spiegel" dem Schriftsteller ihren Titelbeitrag gewidmet.

Noch vor einigen Jahren wäre das für mich ein willkommener Anlass gewesen, loszueilen und mir das Heft zu holen. Und ich will gar nicht ausschließen, dass ich das nicht noch tun werde. Aber es reizt mich im Moment kein bisschen. Der Grund: Ich verspreche mir von dem Beitrag rein gar nichts.

Tue ich das, weil ich mir einbilde, über Hermann Hesse ohnehin schon alles zu wissen? Ganz sicher nicht. Bestimmt wird auch dieser Beitrag mit ein paar interessanten Fakten glänzen, die der Autor ausgegraben hat.

Ich verspreche mir von dem Beitrag wenig, weil ich inzwischen ein Muster erkenne, wie die Autoren beim "Spiegel" ticken. Mit leicht ironischem Ton wird sich der Autor – so meine Vermutung – über alle erhöhen. Über Hesse, über seine unkritischen Fans und über seine fanatischen Kritiker. Unterschwellig wird er den Hesse-Kritikern einen Mangel an Jugendlichkeit, den Hesse-Fans einen Mangel an Reife und Hesse selbst ein mangelhaftes Gespür für Kitsch unterstellen. Und über allem thront dann der Schreiberling, der das alles von einer göttlichen Perspektive beobachtet, durchschaut und kommentiert.

Und genau diese Selbstüberhöhung ödet mich inzwischen so an. Da werden uralte Phrasen und seit Jahren kursierende "Erkenntnisse" wiederholt, obwohl nichts davon in der Lage ist, das Phänomen Hesse zu erklären. Und durch die ironische Überhöhung, durch das schmunzelnde Betrachten und das Einstreuen provokanter Thesen tut man so, als würde man die Dinge besser "durchschauen". Dabei wird gar nichts durchschaut, es wird nur alles verzerrt, damit sich der Autor und der sich mit ihm verbündende Leser schlau und überlegen fühlen dürfen.

Und genau das langweilt mich mehr und mehr.