Donnerstag, 4. Juni 2009

Star Trek ohne Salz

Das slowakische Märchen "Salz ist wertvoller als Gold" handelt von einem König, der drei Töchter hatte. Er wollte von allen drei Töchtern wissen, wie sehr sie ihn liebten. "Ach, lieber Vater, ich liebe dich mehr als Gold!" antwortete die erste. Die zweite: "Ich liebe dich wie mein Brautgeschmeide." Doch die jüngste sagte: "Ich, Vater, liebe dich wie Salz!"

Der König war wütend und verbannte das Mädchen. Es dürfe erst wiederkommen, wenn den Menschen das Salz wertvoller als Gold und Edelsteine sein wird.

Was kommt, ist klar. Eines Tages löst sich das ganze Salz des Landes in Nichts auf. Der Koch ist verzweifelt. "Kannst du denn nichts anderes zum Würzen verwenden?", fragt der König, doch der Koch versichert ihm, kein Gewürz der Welt könne Salz ersetzen. Da befahl der König, dass von nun an nur noch süße Speisen zubereitet werden, die kein Salz benötigen. Doch auf Dauer wollte den Leuten das süße Zeug nicht schmecken. Sie wurden sogar krank. Und man braucht nicht lange raten, um selbst draufzukommen, wie das Märchen weiter geht. Der König erkennt natürlich, dass er den Wert des Salzes unterschätzt hatte und begreift, was seine Tochter gemeint hatte.

Und um jetzt endlich auf das Thema Star Trek zu kommen: Genau daran fehlt es dem neuen "Star Trek"-Film. Am Salz. Natürlich haben all die Recht, die sagen, "Star Trek" sei schon immer hauptsächlich seichte Unterhaltung gewesen. Spaß, Fun, Action... Viele Episoden und Filme belegen das. Aber es war eben nicht nur seichte Unterhaltung. In dem ganzen war auch eine Prise Salz drin. Salz, bestehenden aus Glaubwürdigkeit, Idealismus und Werten. Es ging um Stimmigkeit, um eine einigermaßen durchdachte Technik und um Figuren, die Würde ausstrahlten.

Das erst machte aus einer TV-Unterhaltung etwas Herausragendes. Dieses Salz erst war es, das Star Trek zum Kult werden ließ. Es allein erklärt den Kult nicht. Niemand mag blankes Salz. Das wäre widerlich, ein Brechmittel. Aber genau dieses Salz erst machte Star Trek schmackhaft. Ohne dieses Salz hätte mich Star Trek nie motiviert, mich damit so intensiv zu beschäftigen und endlos viele Beiträge und zwei Bücher darüber zu schreiben.

Und das ist das Problem. Vielleicht werden irgendwann die Leute merken, dass man nicht immer nur Süßes mag. Dass dem neuen "Star Trek" schlichtweg das Salz fehlt. Und sei es das Salz eines großen Überbaus, in das sich jedes neue Teil irgendwie einfügt, um damit ein noch größeres Ganzes zu bilden. Und sie werden erkennen müssen, dass "Star Trek" ohne Salz wertlose Unterhaltung ist.

Kommentare:

  1. Daniel hier aus München.
    also ich war auch nach dem ersten Kinobesuch am Boden. Aber mittlerweile kann ich besser mit ihm leben. Und nach 5 maligem Ansehen findet man hier und da auf jeden Fall Salzkörner: Die Absegnung durch Leonard Nimoy, der immer noch nichts von seiner Würde eingebüßt hat. Die Engelchöre als die Enterprise weggeschleudert wird am Ende des Films. Der urkomische ST4 Humor... Das alles mag man als "seicht" ansehen, weil es nicht nur Trekkies anspricht oder weil man Besseres gewohnt ist. Trotzdem finde ich, man kann mit dem neuen Film mehr als zufrieden sein. Denn erstens hätte man es viel schlimmer verkorksten können und zweitens wäre es wirklich schade gewesen, wenn nach Nemesis Star Trek in Vergessenheit geraten wäre.

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  2. Nach diesem Film wird "Star Trek" mehr denn je in Vergessenheit geraten. Noch so ein paar Filme, und in zehn Jahren wird niemand mehr wissen, worum es in "Star Trek" überhaupt ging.

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  3. Einspruch Euer Ehren!

    Weil... naja, das hatten wir ja schon unter einer anderen Überschrift! ;-))
    Nur eins noch: 3mal im Kino, jedesmal fand ich den Film besser. Insofern kann ich Daniel recht geben. Und jetzt bin ich gespannt auf die DVD und hoffe auf die ein oder andere Perle und eine anständige Special Edition:-)

    Viele Grüße,

    Achim

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  4. Ich verstehe übrigens nicht, warum sie gerade auf diesem FIlm herumhacken.
    Also mich persönlich hat seit Star Trek 6 kein Film mehr so richtig überzeugt (First Contact ist da die einzige Ausnahme).
    Alle TNG-Filme waren unterirdisch. Was an den TNG-Filmen falsch lief, kann ihnen am besten der Youtube-User "Redletter Media" erzählen. Der hat jeden TNG-Film eine halbe Stunde auf Youtube rezensiert.
    Hier die Kurzfassung:
    Das Problem liegt an den Drehbuchautoren.
    Sowohl "Generations", "Insurrection" und besonders "Nemesis" hätten nochmal einen Rewrite des Drehbuchs benötigt. Und das ist nicht geschehen. Und auch Trek 11 fällt in diese Kategorie.
    Mir kam es in ihrer Kritik vor, dass sie vor allem JJ Abrams kritisieren ( zu mainstreamig, zu wenig Substanz dafür aber umso mehr Action)
    Genau das gleiche kann man auch über "First Contact" sagen. Aber dieser Film funktionert meiner Meinung nach perfekt. Weil das nämlich der einzige Film seit Star Trek 6 ist, in welchem die Plotholes nicht so ins Gewicht gefallen sind.
    Trek 7,9,10 und 11 hätten tolle Filme sein können, wenn man nur etwas mehr Energie in die Erstellung von widerspruchsfreien Drehbüchern gesteckt hätte.
    Und gerade bei Trek 11 ist das schade, weil der FIlm an sich eigentlich funktionoert hat. Ursprünglich wollte ich diesen Film von Anfang an hassen, weil Filme meiner Meinung nach immer scheitern, wenn man bereits etablierte Charaktere mit neuen Schauspielern besetzt.
    Das Casting war aber perfekt. Ich habe allen Schauspielern ihre Rollen abgenommen, damit hätte ich echt nicht gerechnet. Aber die Plotholes haben diesen Film für mich kaputtgemacht
    ( warum treffen sich Spock und Kirk rein zufällig auf dem EIsplaneten;

    wieso wird Kirk innerhalb eines Tages vom Kadetten zum Captain befördert (klar ich bewerb mich jetzt mal gleich für den Aufsichtsrat bei BMW);
    warum will Nero die Föderation für etwas zerstören, was in der Zukunft passiert ist; ach ja und Spock wollte in der Zukunft übrigens helfen;
    warum tötet das schwarze Loch am Ende Nero, wenn es ihn am Anfang des Films lediglich in die Vergangenheit geschickt hat)

    Ich könnte ewig so weitermachen. (Übrigens bei Nemesis und den anderen TNG-FIlmen auch)
    Ich empfehle Ihnen echt mal bei Redlettermedia a.k.a Mr. Plinkett reinzuschauen.

    In Bezug auf eine angemessene Review zu "Generations", empfehle ich das VIdeo von Confused Matthew auf Confusedmatthew.com.

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