Mittwoch, 24. Juni 2009

Jenseits der Serie "Akte X"

Gestern sah ich nun endlich den Film "Akte X - Jenseits der Wahrheit". Auf Blu-ray. Ich sah die zehn Minuten längere Fassung. Zehn Zusatzminuten können einen Film massiv verändern. Daher ist es schwer zu sagen, wie der ursprüngliche Film auf mich gewirkt hätte.

Außerdem war ich ja von allen Seiten mehrfach vorgewarnt worden, dass der Film bodenlos ist. Hinzu kommt: Zu Hause sieht man einen Film oft mit mehr Nachsicht. Geht man eigens für einen Film ins Kino, legt man die Messlatte schon mal höher. Denn eines ist klar: Das war kein Kinofilm. Das war ein TV-Film.

Dennoch: Ich gebe zu, ich fand ihn gar nicht mal so schlecht. Ganz herausragend war die Optik. Auf Blu-rayist der Film eine Wucht. Die Optik war für mich immer ein ganz wesentliches Element von "Akte X". Ursprünglich hatte die Serie eine ungewohnt realistische Optik. Das hat sich dann später mit der ganzen Mytholgie verändert, als plötzlich lauter Shapeshifter und CGI-Ölpfützen eingeführt wurden.

Hier kehrte "Akte X" zu den Anfängen zurück, und das fand ich gar nicht mal so schlecht. Scully überredet Mulder, wieder fürs FBI zu arbeiten. Der will erst nicht, begeistert sich dann aber immer mehr. Wie ein Alkoholiker, der auf Entzug war, und der nun wieder rückfällig wird. Und Scully wehrt sich dagegen, ebenfalls rückfällig zu werden. Sie merkt: Mulder zieht sie da mit rein. Mulder kann nicht aufhören.

Das hätte man sicher besser machen können. Man hätte es besser machen müssen! Mir gefiel es jedoch, wie Scully sagt, sie wolle nicht wieder in die Dunkelheit zurück. Die Bilder, die mit dem Fall der entführten FBI-Agentin zu tun haben, sind fast schwarz-weiß, was vor allem durch die großartigen Schneelandschaften und die sehr gelungenen Nachtaufnahmen erzeugt wird. Diese Mischung aus trostloser Kälte und tiefschwarzer Dunkelheit erzeugte für mich sehr viel Atmosphäre.

Dafür waren die Szenen im Krankenhaus wärmer, farbiger. Hier kann Scully um das Leben eines Jungen kämpfen. Das gefiel mir durchaus, weil es einen guten Kontrast erzeugte.

Ganz schlimm wurde zum Teil jedoch das religiöse Gefasel, das ja auch in der Serie schon mit Staffel 7 begonnen hatte, weil Chris Carter sehr religiös ist. Ab Staffel 7 stürzte man Scully in eine Glaubenskrise und zog permanent Vergleiche zwischen ihrer Gläubigkeit und Mulders Ufo-Glauben.

In den oft wirren Dialogen versucht der Film, auf die Serie Bezug zu nehmen, was leider ausnahmslos gekünstelt oder aufgesetzt wirkt. Besonders blöd ist eine Szene, in der Scully wieder einmal Mulder vorwirft, er würde noch immer seine Schwester suchen. Mulder hat seine Schwester längst gefunden. Sie war, wie Mulder herausfand, nicht von Aliens entführt worden. Geisterhafte Engelswesen hatten sie geholt und vor einem grausamen Tod errettet, indem sie seine Schwester gleich mit ins Himmelreich nahmen.

Eine herrliche Szene gab es, als Skinner zu Scully sagt: "Mulder würde nichts Verrücktes tun." Der Blick, den Scully ihm daraufhin zuwirft, ist einfach zum Schreien komisch. Das war einer der wenigen Momente, in denen für mich, was die Figuren angeht, das alte "Akte X"-Feeling aufkam.

Das sehr ausführliche Making-Of beschäftigt sich fast nur damit, wie viele Ideen und wie viel Aufwand investiert wurden, um falsche Gerüchte ins Internet zu streuen, damit das Drehbuch vorab nicht bekannt wird. Hätte man diesen kreativen Aufwand mal besser in das Drehbuch selbst investiert. Im Grunde ist der Film eine Abnabelung von "Akte X". Die Message: Dahin können wir nicht zurück. Vielleicht ein ganz passender Abschluss. Ein optisch sehr ansprechender Film, der zeigt, dass die Figuren und die Zuschauer über das klassische "Akte X" hinausgewachsen sind.

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