Freitag, 9. Oktober 2009

Was gutes von der neuen Regierung

Auch wenn ich nicht viel von der schwarz-gelben Regierung erwarte, hat sie sich doch direkt mal auf etwas Gutes geeinigt: Die unsägliche Lebensmittelampel ist vom Tisch.

Bei dieser "Ampel" hätte man den Käufer darauf hingewiesen, wieviel Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz jeweils in 100 Gramm des Lebensmittels ist. Ab 20 Prozent Fett, ab 5 Prozent gesättigte Fettäuren, ab 12,5 Prozent Zucker und ab 1,5 Prozent Salz hätte die Ampel rot gezeigt.

Dass dies kompletter Schwachsinn ist, hat keinen interessiert. Alle schwärmten von der Ampel, und nur die böse Lebensmittelindustrie, die ja noch nie was anderes getan hat, als den Käufern heimlich Fett und Zucker unterzujubeln, sei dagegen.

Nur: Die Ampel sagt ja nichts über die Menge aus. Was nützt es, wenn ein 300-Gramm-Pack Gummibärchen mit über tausend Kalorien in drei von vier Punkten ein sattes "grün" erhält? Soll das die Käufer zu einer "gesunden Ernährung" animieren?

Gesättigte Fettsäuren und ein hoher Salzgehalt tun einem gesundem Menschen gar nichts. Im Gegenteil.

Manchen untergewichtigen (oftmals alten) Menschen einen "40 prozentigen Quark" zu vermiesen, ist doch wohl auch idiotisch. Und dass ein Bauernschinken in der Kategorie "gesättigte Fette" einen roten Punkt kriegt, der sicherlich nicht bessere Kartoffelchip oder Erdnussflip in der gleichen Kategorie einen grünen Punkt (weil meist in Sonnenblummenöl frittiert), würde die Kaufentscheidung sicher auch nicht "erleichtern" oder "verbessern".

Durch die Anprangerung tierischer Fette folgt die Ampel auch der Vorstellung, vegetarische Ernährung sei "gesünder". (Erstaunlich, wie hartnäckig sich diese Vorstellung hält, ist doch das allermeiste geschmähte "Junkfood" vegetarisch.) Es stimmt zwar: Vegetarier haben ein deutlich niedrigeres Herzinfarktrisiko. Dafür haben sie ein höheres Risiko, Schlaganfälle oder Magenkrebs zu kriegen.

Und das böse Salz, vor dem die Ampel gewarnt hätte? Gerade bei älteren Menschen ist eine salzarme Ernährung riskant, weil sie den Durst unterdrückt, geistige Fähigkeiten beeinträchtigt und sogar den schädlichen LDL-Cholesterin-Spiegel hochtreibt. Vielleicht hatte die Ampel ja das geheime Ziel, alte Menschen schneller loszuwerden?

In Ländern wie England, die diese Ampel haben, sind die Auswirkungen schon haarstäubend genug. McCain hat dort bereits eine Pommes-Sorte auf den Markt gebracht, die in allen Punkten ein sattes "grün" bekommt. Pommes, mit wenig Fett UND wenig Zucker??? (Denn nichts anderes ist die Stärke der Kartoffel.) Sowas geht nur mit einer harten Chemiekeule. Vor der hätte die Ampel aber nicht gewarnt. Nein, sie hätte sie erst gefördert.

Hätten wir das gewollt? Ein echter Bergkäse hätte bei der Ampel stets rot bekommen. Zu viel Fett, vor allem tierisches Fett. Ein Analogkäse hätte es da leichter. Diesen Kunstkäse kann man heute schon herstellen. Einfach Casein mit Pflanzenfetten, Schmelzsalzen, Farbe, Aromastoffen und vor allem Wasser kombinieren. Und schon ist das Imität kaum von echtem Käse zu unterscheiden. Nur: Dieser Kunstkäse würde, wenn er genug Wasser enthält, in allen Kategorien "grün" bekommen!

Genau das haben Ampel-Gegner befürchtet: Die Zunahme der Imitat-Produktion. Käse, der kein Käse ist. Nüsse mit Algenhüllen. Mit einer "gesunden Ernährung" haben die dann so wenig zu tun wie die grün gepunkteten Pommes, die es in England zu kaufen gibt.

Kommentare:

  1. Eine Avokado hätte bei Fett direkt ein rot bekommen *kopfschüttel*

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  2. Dafür hätte die Chemiekeule "Cola light" nur grüne Punkte gekriegt. (Obst, Gemüse und Grundzutaten wie Mehl, Öl, Zucker usw. hätten allerdings gar keine Ampel gekriegt.)

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