Montag, 9. August 2010

Gott

Im Christentum erzählt man ja immer gerne von dem liebenden, gütigen Gott. Wenn man dann nach konkreten Beispielen fragt, wann Gott denn in der Bibel mal so gütig und liebend gehandelt hat, wird's meist ein wenig dünn. Gerade mal, dass er sich irgendwie selbst in der Gestalt seines Sohnes von den Menschen hat kreuzigen lassen - ein Vorgehen, das man ja gerne negativ "den Juden" (und komischerweise nicht den Römern) anlastet, obwohl dieses Kreuzigen letztlich ja doch irgendwie was total Positives für die Menschen war, weil Gott damit sämtliche Sünden der Menschen irgendwie auf sich lud. Dieses Kreuzigen jedenfalls hat Gott dann großzügig "der Menschheit" verziehen.

Wie auch immer, ist ja auch völlig egal, denn offenbar wollen die Menschen, die den Glauben an eine Gottheit für ihr Leben brauchen, gar keinen liebenden und gütigen Gott. Sagen wir, wie es ist: Liebend und gütig ist jeder lahme Schlappschwanz. Dann schon lieber einen Jack Bauer! Strafend und richtend! Und sei es, dass er sich selbst richtet, indem er sich irgendwie freiwillig - aber doch gezwungenermaßen - ans Kreuz nageln lässt.

Und so bringt es nicht nur eine offenbar vollkommen durchgeknallte Blondine auf den Punkt (deren Eltern sich wahrscheinlich immer noch ärgern, ihr jemals das Sprechen beigebracht zu haben), wenn sie "göttliches Eingreifen" bei dem tödlichen Unglück auf der diesjährigen "Love Parade" vermutet.

Nein, was so eine Blondine kann, das kann auch der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Er greift nun auch freudig die Idee eines Gottes auf, der zwar bei Hungersnöten, sexuellem Missbrauch von Kindern, Steinigungen, Nazi-Greueln, Weltkriegen und Terroranschlägen offenbar gütig und liebend zuguckt, bei einem so satanischen Treiben wie der "Love Parade" aber offenbar mit der göttlichen Faust auf den Tisch schlägt. Ist ja klar. Bei solchen Outfits und dieser Musik muss ja letztlich dem gütigsten Gott der himmlische Kragen platzen.

Also hat dieser liebende und gütige Gott mit seiner göttlichen Macht Behörden und Bürgermeister behext, damit sie schließlich ein offensichtliches Sicherheitsrisiko absegneten. Da verstehe einer, wie man überhaupt noch Rücktritte fordern kann, wenn die Verantwortlichen doch alle in göttlichem Auftrag handelten. Vielleicht sollte der Papst darüber nachdenken, Oberbürgermeister Adolf Sauerland heilig zu sprechen.

Dann hat Gott mit seiner göttlichen Allmacht noch für ein wenig Inkompetenz bei denen gesorgt, die eigentlich dazu da waren, diese Tragödie zu verhindern. Und schon war der göttliche Wille geschehen.

Und das alles hat Gott getan, weil die "Love Parade" - wie der Bischof erklärt - "Sünde und Einladung zur Sünde!" war.

Ich frage mich nur eins: Wenn all diese Bischöfe wirklich an einen richtenden und strafenden Gott glauben, wie kommt es dann, dass sie sich selbst überhaupt noch aus dem Haus trauen? Normalerweise müssten sie doch annehmen, angesichts eines derart bescheuerten Gesülzes augenblicklich vom Blitz erschlagen zu werden. Andererseits: Ich kenne keine Religion, in der dummes Geschwätz zur Sünde erklärt worden wäre. Kann ja auch keine Sünde sein. Wäre es eine, die Menschheit wäre vor lauter Sintfluten längst ein reiner Wasserplanet.

So gesehen können die Vollidioten der Gattung Mensch munter weiter predigen, ohne irgendeinen göttlichen Zorn befürchten zu müssen.

Sonntag, 1. August 2010

Love-Parade

Wenn man zu einem Thema was sagen möchte, dann aber jemand anderes das, was man sagen möchte, brillant recherchiert und auf den Punkt formuliert, gibt es zwei Möglichkeiten. Man kopiert den Beitrag, formuliert ihn um, übernimmt die Hauptaussagen und reichert sie mit ein paar zynischen Sprüchen an, die auf dem eigenen Mist gewachsen sind.

Oder man verlinkt einfach auf diesen Beitrag. Was ich hier mit tue. Ein Beitrag, der einfach nur erfrischend ist.

Freitag, 23. Juli 2010

Ebooks

In den USA verkauft Amazon.com bereits mehr Ebooks als Hardcover. Der Ipad liegt voll im Trend. Dass das Ebook kommt, ist klar. Ich allerdings habe ein paar Fragen:

1. Ich habe den "Spiegel" abonniert, lese ihn aber gern in der Badewanne. Daher: Wo bleibt der wasserdichte Ebook-Reader?
2. Gleiches gilt fürs Lesen am Strand, am See, im Freibad, im Gras... Bei einer Zeitschrift ist es egel, wenn sie zerkratzt, nass wird oder Flecken kriegt. Aber bei einem teuren Ebook-Reader?
3. Apropos Freibad: Wenn ich ins Wasser gehe, lasse ich meine Zeitschrift einfach am Platz liegen. Bei einem Ipad würde ich mir das aber schon dreimal überlegen. Aber vielleicht hat die neue Iphone-Generation damit ja kein Problem, wobei ich mich eh immer frage: Was machen die mit ihren teuren Handys? Gehen die immer abwechselnd ins Wasser, während einer auf die Hightech-Geräte aufpasst?

Mittwoch, 21. Juli 2010

Doof oder fies?

Was ich mich seit meiner Kindheit schon immer fragte, war das: Wenn Politiker absoluten Müll verbreiten, liegt das daran, dass sie wirklich so naiv und unlogisch sind, oder tun sie es nur, weil sie den Bürger für naiv und unlogisch halten.

Ich weiß, ich weiß, viele werden jetzt sagen: Ist doch klar. Zweiteres. Die wollen uns für blöd verkaufen.

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

Einiger Unsinn ist so fadenscheinig und durchschaubar, dass ich mich frage, ob sich Politiker, wenn sie die Bevölkerung schon verarschen wollen, sich nicht eine bessere Verarsche ausdenken könnten und würden.

Nehmen wir Diplom-Soziologin und Familienministerin Kristina Schröder, CDU-Politikern, die einst eine Doktorarbeit über "Gerechtigkeit und Gleichheit" verfasste. Nach ihrem neuen Plan zur Kürzung des Elterngeldes gibt es drei Kategorien.

1. Wer mehr als 2770 Euro netto im Monat hat (entspricht rein zufällig so etwa dem Einstiegsgehalt der höheren Beamtenlaufbahn, von denen ja rein zufällig nicht wenige Abgeordnete sind): Null Abstriche. Es gibt weiterhin 1800 Euro Elterngeld.

2. Einkommen unter 2770 Euro netto erhalten künftig 2 Prozent weniger Elterngeld.

3. Hartz-IV-Empfänger gehen künftig leer aus. (Das betrifft auch all die "Mini-Jobber", die mit Hartz IV aufstocken müssen, eine - wie ich unterstelle - bewusste Lücke, damit man was zum "sozialen nachbessern" hat.)

Okay, das ist sozial ungerecht, aber nichts, was nicht wie die Faust aufs Auge zum aktuellen Regierungstrend passen würde. Sich darüber aufzuregen, wäre albern und naiv. Wir haben hier eine Regierung, die gezielt das Lohn-Dumping der Industrie fördert und welche die daraus resultierenden Einnahmelücken der sozialen Sicherungssystem genau diesen Versicherungen als "Systemschwäche" ankreidet. Während man letztes Jahr etlichen Käufern eines Neuwagens sowie der Hotellobby Steuergeschenke in Milliardenhöhe machte, wurde dieses Jahr der Sozialetat um 7,9 Prozent gekürzt. Unangetastet blieb weiterhin der höhere Spitzensteuersatz, nicht mal für Spitzenverdiener. Unangetastet auch die im internationalen Vergleich absurd niedrige Vermögensbesteuerung. Und Pflichtversicherte der gesetzlichen Krankenkassen sollen künftige Beitragserhöhungen allein tragen, während Privatversicherte völlig unbehelligt bleiben, davon sogar profitieren, weil nun weitere Anreize für Gutverdiener geschaffen wurden, in die private Krankenversicherung zu wechseln, was die Einnahmeseite der privaten Krankenkassen weiter verbessert.

Ehrlich, sich über die Ungerechtigkeit beim Elterngeld aufzuregen, da kann ich wirklich nur müde abwinken. Wer das tut, der hat die letzten Jahre geschlafen, und zwar schon vor schwarz-gelb.

Viel drolliger finde ich aber die Begründung.

Die muss man sich nämlich schon auf der Zunge zergehen lassen. Die Begründung für die unsozialen Elterngeld-Pläne ist nämlich: Bezieher von Hartz IV sollen schließlich durch weitere Abschläge animiert werden, sich endlich eine Arbeit zu suchen. Personen mit höheren Einkommen dagegen sollen animiert werden, nicht mehr zur Arbeit zu gehen, um sich zu Hause um den Nachwuchs zu kümmern, und das lasse sich eben nur durch ein unverändertes Elterngeld erreichen.

Wie hieß es doch stets am Ende der "Gespenster-Geschichten"-Comics, die ich in meiner Kindheit so gerne las: Unglaublich, aber so steht es geschrieben.

Dienstag, 20. Juli 2010

Juhu!!!

Manchmal gibt es doch einen Seriengott. Die famose, mit Emmys überhäufte Anwaltsserie "Damages" mit der ungewöhnlichen Erzähltechnik war natürlich für deutsche Zuschauer zu hoch, aber auch in den USA waren die Quoten trotz Staraufgebot nicht berauschend. Zum Glück wurde die Serie in den USA vom Sender FX als Aushängeschild benutzt, daher gab man noch eine Staffel 2 und 3 in Auftrag. Dann war leider Schluss.

Und jetzt hat DirecTV mit Sony Pictures Television einen Deal geschlossen und zwei weitere Seasons mit je zehn Folgen geordert. DirectTV ist ein Pay-TV-Programm. Diese kostenpflichtigen Sender, wie HBO oder Showtime, erreichen aufgrund ihrer Kosten höhere Bildungsschichten und produzieren daher bewusst anspruchsvolleres Qualitätsfernsehen, also Serien wie "Die Sopranos", "Die Tudors" oder "Six Feet Under".

Da mag doch nicht etwa eine neue Fernsehkultur entstehen? Statt billiger Spitzenquote mit Fernsehmüll lieber ein gutes Image mit Qualitätsfernsehen? DirecTV sagt, man sei froh, den Sender einen Schritt weitergebracht zu haben, jetzt, da man exklusiv eine mit Preisen überhäufte Serie im Programm habe.

Ich jedenfalls freue mich und kann die neuen Folgen gar nicht erwarten.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Tentakel-Orakel

Die Griechen hatten ihr Orakel von Delphi, die Maya das Sprechende Kreuz und die Buddhisten haben ihr Nechung-Orakel. Und wir haben Tintenfisch Paul aus dem "Sea Life"-Aquarium in Oberhausen.

Dieses Wassertier hat wahrscheinlich keine Ahnung, dass es bei den Menschen eine Weltberühmtheit geworden ist, und dass die Holländer angeblich schon gefälschte Bilder verbreiten, in denen Paul den Endsieg... ich meine den Endspielsieg für Holland orakelt.

Ich finde, Paul sollte zumindest eine eigene Casting-Show bekommen. Oder einen Posten als Bundespräsident. Außerdem sollte Paul Einzug in den Lehrplan erhalten. In den Biologie-Unterricht ("Tintenfische sind eine Teilgruppe der Kopffüßer"), in den Mathe-Unterricht (die Wahrscheinlichkeit, sechs Spiele korrekt vorherzusagen liegt bei 1,56 Prozent) und natürlich in den Religionsunterricht (wurde in ihm am Ende Garrincha wiedergeboren?)

Oder ist Paul vielleicht ein pan-dimensionales Wesen?

Vielleicht ist Paul aber einfach nur Gott. Gott, auf die Erde zurückgekehrt, um den Deutschen zu sagen, dass die Nationalmannschaft nicht ins Endspiel kommt. Dafür wird der Kopffüßer vielleicht nicht gekreuzigt, so manch einer wünscht sich für ihn aber durchaus den Suppentopf. Diejenigen, die das arme Tier neuerdings als "Scheißkrake" beschimpfen, sollten sich jedenfalls schon ein wenig fürchten.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Teueres Sommermärchen

2006 hat Guido Westerwelle ja noch getönt, wie unverschämt es von der großen Koalition sei, im Schatten der WM einfach so die Krankenkassenbeiträge zu erhöhen. Jetzt ist es wieder soweit. Nur dass Westerwelle nicht schimpft, sondern applaudiert. Und auch diesmal darf die Regierung darauf hoffen, dass die Erhöhungen der Krankenkassenbeiträge, die ab 2011 gelten werden, im geistvollen "Dein Messi kriegt heute auf die Fressi"-Gebrüll untergehen wird.

Genial ist natürlich die Lösung, von dem das Ei des Kolumbus noch etwas hätte lernen können. Der Streit der Befürworter von Beitragserhöhungen und der Befürworter des Kopfpauschalen-Systems wurde einfach dadurch gelöst, dass man sowohl die Beiträge erhöhte und zugleich eine Kopfpauschale einführte, welche die Kassen frei bestimmen können. Für diese Pauschale gibt es bei einkommensschwachen Mitgliedern einen Zuschuss durch Steuergelder. Witzigerweise hat man zuvor genau das der Kopfpauschale vorgeworfen: Sie habe wegen dieser Steuerzuschüsse einen enormen Verwaltungsaufwand. Jetzt haben wir genau diesen Verwaltungsaufwand... zusätzlich zu den Schwächen (und Aufwänden) des alten Systems. Und für einen solchen Wahnsinn hat man in der Politik seit der Ära Schröder auch ein passendes Wort gefunden. Man nennt es: Reform!

Nichts ändert sich natürlich daran, dass wir hier eine Krankenversicherung haben, in der sämtliche Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger, die meisten Kinder, nahezu alle Rentner und alle Geringverdiener versichert sind, also all diejenigen, die wenig oder nichts einzahlen können. Gutverdienende, Selbstständige und Beamte können sich diesem System entziehen und sich unter weitaus besseren Bedingungen privat versichern. Sie leisten nichts für die Solidargemeinschaft, welche die Gesundheit der Ärmsten Deutschlands sicherstellen muss. Nicht beteiligen müssen sich auch jene, die auf dem Kapital- und Immobilienmarkt irrwitzige Gewinne erwirtschaften. Das zu ändern, das wäre eine echte Reform gewesen. So ist es wieder einmal eine einseitige Abzocke der Pflichtversicherten, aber auch der Arbeitgeber, die - anstatt ihre Gewinne mit Finanzblasen zu erwirtschaften - tatsächlich Produkte herstellen und dafür Leute beschäftigen.

Aber das ist natürlich alles nicht so wichtig wie die Expertenmeinung von Tintenfisch Paul (!!!) aus Oberhausen zum Ausgang des Halbfinales ...

Sonntag, 4. Juli 2010

Sieg der Vernunft?

61 Prozent derjenigen, die zum Volksentscheid über einen echten Nichtraucherschutz in Bayern gingen, stimmten für diesen Schutz und zeigten damit der bayerischen Landesregierung, wie massiv sie am Willen der Bevölkerung vorbeiregiert.

Hat damit endlich die Vernunft gesiegt? 13 Millionen Euro hat dieser Volksentscheid den Steuerzahler gekostet! 13 Millionen. Das in einer Zeit, in der wir angeblich "sparen" müssen. 13 Millionen Euro für ein Gesetz, das die CSU längst beschlossen hatte und dann aufgrund einer Wahlpleite und dank eines Bündnisses mit der FDP selbst aufweichte. Und das, obwohl das Bundesverfassungsgericht zuvor willkürliche Ausnahmen bei einem Nichtraucherschutzgesetz für verfassungswidrig erklärt hatte.

Ein Trost bleibt: Die Bevölkerung ist offenbar nicht so dumm, wie man angesichts des WM-Gegröhles glauben könnte. Schon die alten Römer haben ja die Spiele genutzt, um das Volk zu schröpfen. Im Moment sind alle in Feierlaune, da vergisst man schnell die von Banken verursachten Milliardenlöcher, die absurden Sozialkürzungen (bei Hartz IV, beim Übergangsgeld, beim Wohngeld und beim Elterngeld) und jetzt auch noch die saftige Erhöhung der Krankenkassenbeiträge. Dennoch: Beim Nichtraucherschutz hat sich die Bevölkerung nicht für doof verkaufen lassen. Die zu drei Vierteln von der Tabaklobby finanzierte "Bayern sagt Nein"-Kampagne war eindeutig ein Schuss in den Ofen.

Da kann man in mehrfacher Hinsicht aufatmen.

Freitag, 2. Juli 2010

Hust

Kellnerinnen und Kellner tragen von allen Berufen das größte Risiko, an Krebs zu erkranken. Kein Wunder. In dem berühmten blauen Qualm, der beim Verkohlen von Zigaretten entsteht, befindet sich ein verheerendes Gemisch von Giftstoffen mit einer ganzen Reihe von hoch krebserregenden Substanzen, die zugleich die Gefahr von Herzinfarkten erhöhen.

Im Moment planen die Gegner der rauchfreien Gastronomie in Bayern weitere Lockerungen. Am 16. September 2009 hatten sich Vertreter des bayerischen Umweltministeriums mit Repräsentanten des "Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur" darauf geeinigt, dass Gastwirte in Zukunft auch den Schankraum zum Nebenraum deklarieren dürfen, damit dort wieder geraucht werden kann. Auch will man Lüftungsanlagen als "technischen Nichtraucherschutz" gelten lassen (sog. Innovationsklausel). In Gaststätten, in denen eine Lüftungsanlage installiert ist, dürfte dann wieder geraucht werden.

Das heißt: Wenn der Volksentscheid am 4. Juli scheitert, wird sich nicht nur nichts bessern, wahrscheinlich wird in vielen Gaststätten, die im Moment noch rauchfrei sind, bald wieder giftiger Qualm die Gesundheit von Angestellten und Gästen angreifen.

Natürlich kämpft die Tabak-Lobby massiv gegen die frische Luft. Daher - vor allem auf dem Land - die unzähligen Plakate mit dem Hinweis: "Bayern sagt Nein! Aktionsbündnisses für Freiheit & Toleranz". Freiheit wohl nicht für all die Beschäftigten, die in diversen Lokalen arbeiten und Tag für Tag den giftigen Qualm einatmen müssen. Und ganz sicher auch keine Toleranz gegenüber denen, die in rauchfreier Umgebung ein Bier trinken wollen.

Dennoch hoffe ich darauf, dass die Vernunft endlich siegt, weil die Mehrheit rauchfreie Gaststätten, rauchfreie Bars und Kneipen, rauchfreie Cafés, rauchfreie Diskotheken und rauchfreie Festzelte will, und zwar klar geregelt und ohne willkürliche Ausnahmen.

Freitag, 25. Juni 2010

Presse non calculat!

Wieder ein Beitrag zum Thema "traue keiner Statistik, die man nicht selbst gefälscht hat". 9,5 Millionen Deutsche haben angeblich ein Problem mit dem Alkohol. Diese Zahl scheint unstrittig. Nur: Bei "RP Online" führt dies zu der Schlagzeile "jeder siebte Deutsche hat ein Alkoholproblem", bei der "Südwest Presse" zu der Meldung, jeder "sechste Deutsche" habe dieses Problem.

Ein bisschen komisch erscheint mir auch dieser Abschnitt in der SWP: "In Deutschland haben 9,5 Millionen Menschen Alkoholprobleme. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist in Luxemburg am höchsten, in der Türkei am niedrigsten." Heißt das, die Deutschen trinken "pro Kopf" (also nicht pro Fuß oder so) in Luxenburg am meisten und in der Türkei am wenigsten?

Alkoholsüchtig sind übrigens - laut den Artikeln - in Deutschland rund 1,3 Millionen... Aha! Was dann mit den restlichen 8,2 Millionen Deutschen sein mag, die nicht süchtig sind, aber ein "Problem mit dem Alkohol" haben, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht vertragen sie ihn einfach nur nicht, oder finden ihn generell unsympathisch... Man weiß es nicht.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Was mir gefällt...

Stellt euch vor es ist Facebook und keiner geht hin.

Jetzt wollte ich es testhalber doch mal ausprobieren und habe mich einfach nur mit Namen und E-Mail-Adresse bei Facebook angemeldet. Faszinierend: Gleich nach der Anmeldung kriegt man eine Liste serviert, eine Liste mit Leuten, von denen man die meisten tatsächlich kennt. Denn Facebook ist irgendwie mit GMX verknüpft und untersucht dann gleich, an wen man so E-Mail verschickt hat und wer von diesen Leuten wiederum mit anderen eine Facebook-Freundschaft pflegt.

Jedenfalls dauert es nicht lange, bis man kuriose Mails bekommt. Sowas wie: "Sascha Vennemann hat dir Sascha Vennemann vorgeschlagen" oder "Sascha gefällt Sascha Vennemann auf Facebook."

Das mit dem "gefallen" ist nämlich so eine Sache bei Facebook. Da wurde ich irgendwie gefragt, ob mir irgendein Freundschafts- oder Seitenvorschlag "gefällt", ich klickte etwas arglos "ja", um dann mit großer Verblüffung folgenden Text zu lesen: "Dir gefällt jetzt Sascha Vennemann."

Facebook-Jünger werde ich so bald nicht, ich wollte meinen Account auch schon wieder deaktivieren, fand da aber auf die Schnelle gar nicht, wie das geht. Ganz schön raffiniert von Facebook. Außerdem will ich ja nicht wie bei "Tron" vom Computer aufgesaugt werden, um dann gegen das Oberprogramm Yahtzee spielen zu müssen.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Metro

Nachdem ich mir kürzlich einige sehr gute Sachbücher reingezogen habe, wie das, das oder das, war es an der Zeit, mal wieder einen Roman zu lesen. "Metro 2033", der Debütroman des russischen Schriftstellers Dmitry Glukhovsky, hatte meine Neugier geweckt, weil ich die Idee faszinierend fand. Überlebende eine Atomkriegs leben in einer Metro!

Dmitry Glukhovsky, der neben russisch übrigens auch fließend französisch, deutsch, hebräisch und spanisch spricht, beschreibt in seinem Buch eine Welt nach einem Holocaust aus Nuklear- und Biowaffen. Viele Moskauer Bürger hatten in dem gigantischen Metronetz von Moskau überleben können. Dort entstand bald eine eigene Gesellschaft mit verschiedenen Ausprägungen.

Die Moskauer Metro liegt zum Teil nicht nur Hunderte von Metern unter der Erde, die zahllosen gigantischen Bahnhöfe sind zum Teil auch echte Kunstwerke, fast schon unterirdische Paläste. Tatsächlich wurde die Moskauer Metro als Bunker gegen einen Nuklearangriff entworfen.

In "Metro 2033" wird diese gigantische Untergrundwelt lebendig. Wir begleiten den 20jährigen Artjom, der hofft, in der Polis Hilfe für seinen "Bahnhof" zu finden. Denn seine Heimat wird von den geheimnisvollen "Schwarzen" bedroht wird, seltsame Angreifer, denen immer mehr Leute zum Opfer fallen. Auf dieser Odyssee trifft Artjom auf allerlei Gruppierungen und Persönlichkeiten, welche aktuelle Gesellschaftsgruppen verschärft widerspiegeln. Zugleich kann er manchmal seinen eigenen Sinnen nicht trauen. Als Leser weiß man oft selbst nicht, was von dem Sammelsurium an Berichten und Legenden, von denen der staunende Artjom erfährt, überhaupt stimmt.

"Metro 2033" ist ein zynisches Buch, in dem geschildert wird, wie der Mensch grausam dafür bestraft wird, dass er seinen eigenen Planeten zerstörte und vergiftete. Das finstere, trostlose Leben im Untergrund wird im Verlauf des Romans immer drastischer geschildert.

Insgesamt also ein absolut fesselnder, stimmungsvoller Roman. Ich bin gerade dabei, die Fortsetzung "Metro 2034" zu lesen. Auch wenn - wie ich hörte - dieses Buch schwächer sein soll als der Vorgänger, so hat es mich ebenfalls sofort in seinen Bann gezogen.