Mittwoch, 8. August 2012
Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht
Ein solches Vorgehen wäre heute undenkbar, jeder würde am Verstand desjenigen zweifeln, der eine solche Entscheidung auch nur befürwortet. Unsere neuen Götter heißen Gewinnmaximierung und Profit. Heute würde man bei einer Sendung wie "Der Goldene Schuss" die Zahl der Episoden vervielfachen und am besten noch drei Spin-Offs planen. Bis es irgendwann niemand mehr hätte sehen können.
So erlebt man es bei "The Avengers". Natürlich kommt nun ein zweiter Teil, zudem kriegen nahezu alle Avengers-Figuren ihre eigenen Filme, zugleich wird auch noch eine TV-Serie vorbereitet. Dem "Herr der Ringe"-Erfolg schiebt man nun drei Filme nach, die auf einem kleinen Buch und einigen Materialien basieren. Heute reagiert "der Markt" sofort auf Erfolge. Mussten Verlage früher regelrecht genötigt werden, "Star Trek"-Romane zu produzieren (obwohl die sich in traumhaften Auflagenhöhen verkauften), so kann man heute sicher sein, dass jeder Trend sofort unzählige Bücher nach sich zieht und die Leserschaft überflutet.
Und nein: Jetzt kommt nicht die übliche Predigt über das "Melken von Kühen", in der die Worte "ausschlachten", "Abzocke" oder "Übersättigung" vorkommen. Denn Vorsicht vor vorschnellen Wertungen! Eine Nachfrage zu bedienen ist ja nicht generell falsch. Heute empören wir uns darüber, dass das ZDF damals nicht alle Folgen von "Star Trek" oder "Mit Schirm, Charme und Melone" eingekauft hat, mahnen aber gleichzeitig zur Mäßigung. Natürlich macht es keinen Sinn, jemanden, der gerne Hamburger isst, plötzlich zwanzig Stück davon vorzusetzen. Andererseits wäre es ebenso Unfug, ihm den Hamburger wegzunehmen und oder ihm nur ab und zu einen essen zu lassen.
Gibt es einen Mittelweg? Und wer würde von diesem Mittelweg profitieren? Der Fan? Die Macher? Würde "Star Trek" heute besser dastehen, hätte man nach der "Next Generation" aufgehört? Würde der Vampirboom doppelt so lange anhalten, wenn man nur halb so viele Filme, Serien und Romane herausbringen würde? (Und würde es dann in Sachen Profite nicht auf das vollkommen Gleiche hinauslaufen?) War es eine gute Sache, bei "Indiana Jones" und "Star Wars" die Fans jahrzehntelang auf eine Fortsetzung warten zu lassen, um einer "Übersättigung" vorzubeugen? Und zeigten die Ergebnisse, dass sich das Warten gelohnt hat, dass es eine bessere Qualität erzeugte? Oder wären die Filme vielleicht besser geworden, wenn man sie damals gleich im Anschluss an die ersten drei produziert hätte?
Und dieses Blog? War die lange Pause gut, oder ist die jetzige Übersättigung besser, mit vielen Blogeinträgen, in denen der Schreiber noch nicht einmal eine klare Meinung zu haben scheint?
Freitag, 3. August 2012
Besser gehts nicht
Ich glaube, selten hat mich im TV etwas so positiv überrascht wie das "Dallas"-Spin-Off. Die Serie lebt vom Ruf des Alten und nutzt es als Fundament, um darauf aufzubauen. Zugleich widerstanden die Autoren der großen Versuchung, die Figuren von einst als plumpe Klischee-Bilder zu missbrauchen. Die Charaktere wirken wieder so vielschichtig und plastisch wie einst in den Anfängen von "Dallas". Modernisiert wurde das, was moderne Serien im Vergleich zu früher tatsächlich auszeichnet: Das höhere Erzähltempo, die verschlungeneren Story-Pfade, der Mut zu Überraschungen.
Nichtsdestotrotz ist und bleibt "Dallas" eine Soap. Aber eben eine, die sich daran erinnert, dass "Dallas" eben nicht stets der alberne Quatsch war, bei dem auch mal eine ganze Season geträumt wurde, sondern eine Serie, die Themen wie Erbkrankheiten und Brustkrebs ins Fernsehen brachte und die es wagte, moralische Grautöne anzuschlagen.
Die neue "Dallas"-Serie hat das Erzähltempo von "Desperate Housewives", die Ernsthaftigkeit von "Six Feet Under" und den Charme und Witz der alten Serie. Die Serie macht alles richtig und ist eine Qualitäts-Soap durch und durch. Nächste Woche läuft in den USA bereits das Finale der ersten Staffel, die traditionsgemäß mit einem Cliffhanger enden soll. Zum Glück geht es danach bereits im Januar 2013 weiter.
Mittwoch, 1. August 2012
Ernährungsmittelalter
Damals, so heißt es dann immer, war man noch nicht so aufgeklärt. Doch was ist unsere Entschuldigung, wenn wir an haarsträubenden Esoterikblödsinn glauben, ohne ihn zu hinterfragen?
Nein, ich meine damit nicht das "Wünsch dir was"-Universum, die "Entschlackung" des Körpers oder die Geistheilungen. Ich spreche von den Kalorien im Essen.
Der Begriff Kalorie stammt ursprünglich aus der Physik und ist eine veraltete Maßeinheit für Wärmeenergie. Natürlich verstehen wir heute etwas anderes darunter. Mit dem Begriff Kalorien treffen wir Aussagen über unsere Lebensmittel.
Doch wie misst man eigentlich den Kaloriengehalt von Nahrung? Man benutzt dafür ein Gerät, das Bombenkalorimeter heißt. Das ist ein Container, den man mit Wasser füllt. In dieses Wasser wird eine Stahlkugel gelegt, in der sich die zu messende Nahrung befindet. Dann führt man einen glühenden Draht in die Kugel ein, die Nahrung wird entzündet und verbrannt. Gemessen wird, um wie viel Grad sich das Wasser erwärmt. Befinden sich im Container 1000 Gramm Wasser und werden diese durch das Verbrennen der Nahrung um 2 Grad erwärmt, dann hatte die Nahrung 2 mal 1000 Kalorien bzw. zwei Kilokalorien.
Und jeder, der das hier liest und zumindest noch sein Stammhirm aktiv hat, wird sich fragen: Häh? Stimmt das wirklich? So ein Unfug kann doch unmöglich etwas darüber aussagen, ob eine Nahrung dick macht oder nicht?
Natürlich nicht! Der Bombenkalorimeter war auch ursprünglich dafür gedacht, die Qualität von Brennmaterialien für Dampfmaschinen zu bestimmen. Ein Stück Kohle im Bombenkalorimeter bringt mehr Kalorien als ein Stück Holz. Allein daran sieht man, dass sich das auf den Menschen nicht übertragen lässt. Ein Mensch wird nämlich weder von dem Stück Holz noch von dem Stück Kohle dick, er scheidet beides einfach wieder aus.
Auch wenn immer wieder der Begriff "Fettverbrennung" durch die Medien geistert, der Stoffwechsel im menschlichen Körper hat rein gar nichts mit einer "Verbrennung" zu tun. Nahrung wird im Körper abgebaut oder zerteilt und neu zusammengesetzt. Das alles ist individuell sehr verschieden, auch die Menge dessen, die der Körper als unverwertbar einstuft und ausscheidet.
Hinzu kommt, dass Nahrung immer wieder anders ist. Eine Hand voll Getreide ergibt im Bombenkalorimeter immer wieder neue Zahlen, abhängig von Zustand und Herkunft der Nahrung. Ein Brot, das etwas schärfer gebacken ist, ergibt im Bombenkalorimeter plötzlich andere Werte. Bei den "Kalorientabellen" wird aber stets von Einheitswerten ausgegangen.
Wir haben also einen Messwert, der keinerlei Aussagekraft hat. Der, selbst wenn er diese Aussagekraft hätte, vollkommen ungenau und bei jedem vergleichbaren Lebensmittel immer wieder vollkommen anders wäre. Und der dann noch auf vollkommen unterschiedliche "Maschinen" treffen würde, denn jeder Mensch ist anders. Die Kalorienzahl hat daher nichts mit Wissenschaft zu tun. Es ist pure Quacksalberei, ein Aberglaube aus dem 19ten Jahrhundert, der sich heute zum Massenwahn und einem riesigem Geschäftsfeld ausgeweitet hat.
Dennoch hat die Europaische Union beschlossen, dass ab dem Jahr 2014 die Kalorienzahl verpflichtend auf jedem Lebensmittel abgedruckt sein muss. Man nennt das "Verbraucherschutz". Dabei müsste der Verbraucher viel mehr vor schwachsinnigem und wissenschaftlich blödsinnigem Esoterik-Halbwissen im Gewand von Ernährungsempfehlungen beschützt werden.
Bis es so weit ist, fordere ich, neben der Kalorienzahl bitte noch das Sternzeichen und die Stellung des Mondes bei Verpackung und geratenem "Ablaufdatum" des Lebensmittels abzudrucken. Und vielleicht könnte man zusätzlich "hochkalorischen" Lebensmitteln noch einen Ablassbrief für die potenzielle Esssünde beilegen. Das würde all diese Tabellen und Zahlen, die echte Wissenschaft und glaubhafte Präzision vortäuschen, zumindest ins rechte Licht rücken.
Hier ein paar Links für alle, die sich mit dem Thema befassen wollen:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/697274/
http://www.welt.de/print-welt/article182457/Der-Koerper-holt-es-sich.html
Montag, 2. Januar 2012
Prost Neujahr

Alle Jahre wieder. The same procedure as every year.
Ein neues Jahr beginnt, und neben all den Rückblicken gibt es natürlich auch die Vorschau. Hier kommen wir in den Bereich, den man gemeinhin als Wahrsagerei beizeichnet. Früher tummelten sich die Wahrsager auf dem Jahrmarkt, heute nennt man diese Personen Experten.
Experten zeichnen sich dadurch aus, dass sie immer so tun, als wüssten sie alles. Statt bunter Tarotkarten haben sie meist fade Excel-Tabellen, doch eins haben sie mit den Kollegen vom Jahrmarkt gemein: Sie kümmern sich nie um den Blödsinn, den sie in den letzten Jahren verzapft haben.
Da wäre zum Beispiel die Zeitschrift Brigitte, die mal wieder die endlose Diätgeldmaschine anwirft. Wie heißt es in der Überschrift? "Weil alte Gesetze nicht mehr gelten."
Ach, die "alten Gesetze" gelten nicht mehr? Da gab es wohl eine Gesetzesreform. Und jetzt muss man sich halt den "neuen Gesetzen" anpassen, nicht wahr? In Wahrheit ist es natürlich so, dass diese Zeitschrift mit ihrer von allen Seiten gelobten Brigitte-Diät jahrzehntelang unzählige Frauen in eine abstruse Reduktionsdiät mit Körnern und anderen Voodoo getrieben hat, was zum unweigerlichen Jojo-Effekt führte. Und wenn das die gleichen Leute einfach über den Haufen werfen, dann nutzt man das auch noch für eine verkaufsfördernde Schlagzeile. Raffiniert.
Focus-Money hingegen verspricht mal wieder Anlagetipps. Man staunt, dass es noch immer möglich ist, Leser mit Anlagetipps zu ködern. Wir hatten die tollen Lebensversicherungen, die man heute nur noch mit einem "wie konntest du nur?" quittiert. Wir hatte Telekom-Aktien und Fonds von asiatischen Aktien, die heute nichts mehr wert sind. Wir hatten die Riesterrente, die selbst den klassischen Sparstrumpf unterbietet, und wir hatten den Hype aufs Gold, der genauso geplatzt ist wie alle anderen Finanzblasen. Und dennoch wagen es Zeitschriften noch immer, Leser mit angeblich "sicheren" Anlagetipps zu ködern.
Den Vogel schießt allerdings der Spiegel ab. Da diese Zeitschrift politisch auf den Hund gekommen ist, widmet man sich nach Themen wie "Jesus" und "Hitler" wohl nur noch dem geschlagenen Schaum. Nach einem Titelbericht über die "ewige Liebe" ist nun der Optimismus dran, und der ist – man kommt aus dem Staunen nicht raus – gar nicht mehr so angesagt. Im Gegenteil. Irrationaler Optimismus ist nun plötzlich schuld an allerlei Finanzblasen, Krisen und dem berühmten bösen Erwachen. Da ist es noch gar nicht lange her, da wurde uns von selbsternannten Gurus eingebläut, dass positives Denken das Nonplusultra ist, dass Skeptiker und Ängstliche selbst schuld seien an ihrem Elend und sich gar nicht zu wundern bräuchten, wenn dann "das Universum" (!!!) genau diese Skepsis erfülle und nicht die positiven Wunschträume ... In der Tat muss man feststellen, dass das Universum bei den positiven Erwartungswunschträumen der Finanzexperten wohl ein wenig geschlafen hat, dennoch staune ich darüber, wie schnell das von allen Seiten propagierte positive Denken nun zur Ursache des Problems erklärt wird.
Und das wird auch 2012 die große Konstante sein. Man wird den Leuten erzählen, was sie essen, denken und wie sie sich auf die jetzt schon feststehende Zukunft vorbereiten sollen. Experten werden uns über "dumme Irrtümer" aufklären, die sie zum Teil selbst in die Welt gesetzt haben. Und man wird immer wieder überrascht sein, wenn die millionste Prognose sich dann doch ganz überraschend als falsch entpuppt.
Samstag, 10. Dezember 2011
Generation Post-Doof
Anlass für diese Erkenntnis ist der über Spiegel-Online bekannt gewordene Umstand, dass amazon.de jährlich das Saisongeschäft bestreitet, indem es Tausende von Erwerbslosen zwei Wochen unbezahlt für sich arbeiten lässt. Die Arbeiter erhalten weiterhin Hartz-IV, das bekanntlich vom Steuerzahler erbracht wird. Die Arbeiter erhalten auch keinerlei Zahlung in die Rentenkasse. Dort werden sie so geführt, als hätten sie nicht gearbeitet.
Den Glücklichen, die "übernommen" werden, winkt laut Amazon-Pressesprecher eine Arbeitsmöglichkeit von drei Wochen (Wow!) bis sechs Monaten (nachzulesen hier), und das bei einer Bezahlung, die noch immer zum Leben nicht reicht, sodass die Betroffenen offenbar auch danach mit Hartz IV (also erneut mit Geldern des Steuerzahlers) aufstocken müssen, wie man hier nachlesen kann.
Gegen ein solch schamloses, ausbeuterisches Treiben bin ich als Einzelperson machtlos. Ich bin auch als Wähler machtlos, weil alle Mainstream-Parteien diesen Zustand fördern (weshalb dieser Missstand "legal" ist), weil er werbewirksam die Statistiken beschönigt, denn auch wenn jemand ohne Lohn für amazon.de arbeitet (oder danach so wenig Geld bekommt, dass er weiterhin auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen ist), so taucht er nicht mehr in der Arbeitslosen-Statistik auf.
Aber als Konsument habe ich Macht. Ich kann entscheiden, inwieweit ich menschliche Ausbeute unterstütze. Ich habe jährlich vierstellige Beträge bei amazon.de gelassen. Damit ist es vorbei, und zum Glück kenne ich viele, die meinem Beispiel folgen.
Natürlich gibt es andere. Mitglieder der Generation "Post-Doof". Die das alles gut und richtig finden. Wahrscheinlich, weil sie es nur noch aus Erzählungen von früher kennen, dass ein Saisonarbeiter ganz normal von Tag eins an guten und vernünftigen Lohn bekam.
So hat "Ralf" einen Kommentar im vorherigen Blogposting hinterlassen, und ich möchte diesen Kommentar hier noch einmal zitieren:
Nun, ich arbeite bei Amazon und weiß, dass die Arbeitsbedingungen bei uns sehr gut sind. Die Presse hat hier Dinge aufgebauscht. Es gab tatsächlich EINEN Fall, in dem ein Praktikant vom letzten Jahr, der nicht übernommen wurde, dieses Jahr wieder in einem unbezahlten Praktikum beschäftigt wurde. Es liegt hier aber auch in der Verantwortung der ARGE, diesen Umstand zu bemerken (Akten von ubezahlten Praktikanten werden nicht geführt) und wie gesagt, es war ein Versehen und kam nur in einem Fall vor.
Ja, es ist gängige Praxis bei vielen Firmen und viele Firmen nutzen diese Möglichkeit wesentlich unverblümter als Amazon. Wir haben immerhin eine Übernahmequote bei diesen Praktikanten von beispielsweise 90% in Werne. Die Hartz IV - Empfänger erhalten hier von Amazon also eine echte Chance, sich zu beweisen (Wie ich damals übrigens auch, andere Arbeitgeber wollten sich mit mir überhaupt nicht befassen).
Amazon nutzt die Möglichkeiten, die der Staat bietet, aber von "Aus"nutzen zu reden ist hier eine stark polemisierte Sichtweise.
1. Aufgebauscht? Wo wurde hier was aufgebaucht? Sich auf Staatskosten unbezahlte Saisonarbeiter zu holen, ist ein Skandal. Dieser Skandal führte zu zwei läppischen Artikeln auf Spiegel-Online (über die ich mich bereits gewundert habe), der zweite bereits beschönigend. Das war es auch schon. Reine Saisonarbeiter ohne Lohn für sich schuften zu lassen, ist auch dann ein Skandal, wenn es nicht regelmäßig "vermehrt" vorkommt.
2. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, dies sei "üblich" und werde von anderen Firmen noch radikaler betrieben, ist eigentlich ein gesellschaftliches Pulverfass, das in die ganz großen Schlagzeilen gehört, keine Rechtfertigung. Wie gesagt: Ein Phänomen der Generation Post-Doof. Ich selbst habe als Schüler und Student Saisonarbeit verrichtet. Und natürlich wurde ich von Tag 1 an bezahlt! Doch für Generation "Post-Doof"-Menschen sind das wohl weit in der Ferne liegende Geschichten vom einstigen Arbeiterparadies.
3. Soso! Amazon führt also keine Akten über die "unbezahlten Praktikanten". Ich weiß nicht, ob diese Behauptung stimmt. Wenn sie stimmt, finde ich sie hochinteressant! Normalerweise gibt es bei "Praktikas" - zumindest bei das, was auch nur im Ansatz diese Bezeichnung verdient - Bewertungen, Zeugnisse, Zwischenberichte. Und amazon.de führt noch nicht einmal die Namen der unbezahlten Arbeitssklaven. Tja, warum sollten sie auch? Sollen das doch die ARGEn tun. Gerade diese Aussage beweist, dass die scheinheilige Bezeichnung "Praktikum" ein Hohn ist. Es geht hier ausnahmslos um das Ausnutzen kostenloser Arbeitskräfte. Mit Hilfe des Gesetzgebers lässt amazon.de Menschen unbezahlt für sich arbeiten, und interessiert sich für die Personen und ihre Arbeitsleistung noch nicht einmal hinreichend genug, um auch nur über die Namen Akten zu führen. Wären es echte Praktikas, würde amazon.de schon aus eigenem Interesse Akten führen. (Immer vorausgesetzt, dieser "Einwand" von Ralf entspricht der Wahrheit.)
Es könnte natürlich sein, dass dieser Kommentar von Ralf bewusst so verfasst war, dass jedem, der ihn liest, die scheinheiligen Rechtfertigungen von amazon.de ins Auge springen. In diesem Fall gratuliere ich dem Schreiber zu seiner hohen sozialen Intelligenz.
Damit man mir hier aber nicht Sturheit und Fanatismus vorwirft, mache ich hiermit amazon.de zwei Angebote:
Angebot 1:
Amazon.de darf mir gerne für zwei Wochen Lohn bezahlen - ohne dass von mir irgendeine Arbeitsleistung kommt, versteht sich. Nach diesen zwei Wochen werde ich dann großzügig entscheiden, was ich tue (denn ich brauche im Moment keinen Job bei amazon.de). Aber amazon.de kann das Prozedere dann gerne nächstes Jahr wiederholen. Akten werde ich in der Zwischenzeit keine führen.
Angebot 2:
Ich kaufe die nächsten zwei Wochen bei amazon.de ein, ohne dass mich die Pflicht trifft, den Kaufpreis zu entrichten. Damit würde ich amazon.de eine echte Chance geben, sich als Online-Händler zu "beweisen". Ob ich danach immer noch bei amazon.de gegen Bezahlung einkaufe, ist zwar ebenfalls meiner reinen Willkür unterworfen, aber keine Sorge, auch dieses Prozedere können wir gerne Jahr für Jahr wiederholen - am Besten während des Saisongeschäfts. Und obwohl ich keinerlei Kaufpreis entrichte, darf amazon.de mich in dieser Zeit gerne statistisch als Käufer führen.
Denn großzügig wie ich bin, gebe ich Unternehmen wie amazon.de gerne auch mal echte Chancen, sich bei mir zu beweisen!
Dienstag, 15. November 2011
Nein, liebe Damen und Herren von Kinowelt, ich hatte echt nie die Absicht, die Sissifilme öffentlich aufzuführen
Wenn man heute einen Film kauft und einlegt, kommt eine derartige Flut an Rechtsbelehrungen und Warnungen auf einen zu, dass man sich fragt, welch hochgefährliches Höllenprodukt man sich da wohl zugelegt hat. Die Warnhinweise auf einer Großpackung Morphium sind wahrscheinlich läppisch dagegen.
Das alles wäre nicht schlimm, wenn man das Geschwafel wenigstens schnell wegklicken könnte. Aber nicht doch! Dann würden dem boshaften, ignoranten Filmkonsumenten ja ein paar Zwangsbelehrungen entgehen.
Inzwischen sind die drei "Sissi-Filme" mit Romy Schneider auf Blu-ray herausgekommen. Tolle Filme, brillant restauriert, eine echte Empfehlung ... Nur, es dauert, bis man sie zu sehen bekommt.
Zunächst kommt ein Schriftzug, der einen darüber aufklärt, dass man den Film nicht öffentlich aufführen darf. Ich weiß wirklich nicht, welche Vorstellung die Herrschaften von Kinowelt von der Realität haben. Wie hoch schätzen die wohl den Prozentsatz ihrer Käufer ein, die tatsächlich auf die Idee kommen, Filme, die mindestens jährlich im Fernsehen laufen, öffentlich aufführen zu wollen?
Doch nicht nur das: Diese Schrifttafel wird auch noch von einem gelangweilten Sprecher, der alle Zeit der Welt zu haben scheint, im trägen Plauderton vorgelesen. Und dieser ganze Labermüll über irgendwelche strafrechtlichen Drohungen, die sofort eintreten, wenn man irgendwas angeblich Verbotenes mit dem Film tut, lassen sich nicht einmal beschleunigen, geschweige denn überspringen.
So eine Idiotie hätte ich ehrlich gesagt nicht einmal den offensichtlich paranoiden Mitarbeitern von Kinowelt zugetraut. Am Ende war ich so genervt, dass ich mir am liebsten geschworen hätte, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Film doch noch irgendwie öffentlich aufzuführen. Quasi als stille Rebellion, als offenen Ungehorsam! Könnte man vielleicht irgendwie mit dem nächsten Banken-Sitting kombinieren.
Hat man den Lall überwunden, kommt natürlich die obligatorische Altersempfehlungsbelehrung, in der einem zum x-ten Mal erklärt wird, dass der Film dennoch unpädagogisch und scheiße sein kann, auch wenn ihn zwölf Prüfer eingehend gesichtet und mit einer Freigabe ab null versehen haben. Im Fall von Sissi heißt das übersetzt: Der Film ist ab null Jahren, euer Kind wird also aufgrund des Films kein Axtmörder werden, ob es danach allerdings noch immer die Demokratie für eine tolle Sache hält, wenn es mal Angela Merkel mit Romy Schneider vergleicht, da waschen wir unsere Hände in Unschuld.
Danach folgt dann noch ein Text mit der Belehrung, dass man die Entertaste der Fernbedienung drücken soll (wusste gar nicht, dass die eine Entertaste hat, aber gut) wenn man die Gehörlosenfassung aktivieren will. Warum dieser Text auch vorgelesen wird, weiß ich nicht, für die Gehörlosen ja wohl eher nicht, und die, die hören können (dürfte ja selbst bei einem Film wie "Sissi" noch immer die Mehrheit sein), erfahren auch nicht, was sie drücken müssen, wenn sie den Film ganz normal sehen wollen.
Hat man all das durchgestanden, ist man endlich im Menü angekommen und kann den Film sehen. Bei all den Quatschinfos versäumt es Kinowelt übrigens, dem Käufer zu verraten, auf welcher der drei Blu-rays sich die Extras verbergen, für die auf der Verpackung geworben wird. Ich wollte mir zuerst die Extras ansehen und legte auf Verdacht hin die dritte Blu-ray ein. Da war allerdings das gesuchte Extra – eine Doku über Romy Schneider – nicht drauf. Also legte ich die erste Blu-ray ein. Wieder Belehrung über öffentliche Aufführung und darüber, dass die FSK keine pädagogischen Empfehlungen gibt. Und ich frage mich langsam: Warum gibt es die eigentlich nicht? Anstatt immer wieder wertvolle Lebenszeit der Kunden zu vergeuden, indem ihnen immer wieder gesagt wird, was die FSK-Freigabe nicht ist, warum kann man nicht einfach an dieser Stelle kurz eine Empfehlung einblenden? Oder auf die Verpackung kleben. Freigabe: Ab Null. Empfehlung: Ab 10. Fertig. Könnte man sich den ganzen anderen Quatsch sparen. Oder sehen sich die schlauen Prüfer der FSK nicht dazu in der Lage, neben einer "Freigabe" auch eine "Empfehlung" auszusprechen?
Auch auf Blu-ray 1 war das Extra nicht. Es war auf Blu-ray 2! Nach geschlagenen fünfzehn Minuten konnte ich also endlich auf einer selbst gekauften Blu-ray den Inhalt sehen, den ich sehen wollte.
Samstag, 5. November 2011
Der Kult-Begründer
Der Tod von H. G. Francis hat mich daran erinnert, wie sehr dieser Autor mich in meiner Jugend geprägt hat. Als Kind habe ich die Hörspiele, die von ihm verfasst wurden, regelrecht verschlungen. Und während Eberhard Alexander-Burgh mit seinen wundervollen Hörspiel-Reihen "Hui Buh" und "Die Hexe Schrumpeldei" ganz sicher meinen schwarz-albern-abstrusen Sinn für Humor geprägt hat, so hat H. G. Francis meine Vorliebe für Science Fiction und Grusel gefördert.
Eines meiner ersten H.-G.-Francis-Hörspiele war "Das Gespenst vom Schlosshotel". Ein junges Ehepaar muss wegen einer gesperrten Brücke in einem Schlosshotel übernachten, wo im Keller ein Geist haust. Ich habe mich zu Tode geängstigt, wusste H. G. Francis doch genau, dass es für Kinder nichts Gruseligeres gibt als ein unheimlicher Keller.
Das Besondere an diesem Hörspiel war der Verzicht auf einen Erzähler, was bei H. G. Francis - im Gegensatz zu allen anderen Europa-Hörspielen - sehr häufig vorkam. Durch H. G. Francis habe ich schon damals gelernt, wie man trockene Information in einen unterhaltsamen Dialog packt. Und ich habe gelernt, wie man es besser nicht machen sollte.
Meine erste große Science-Fiction-Begeisterung war "Commander Perkins". Die Begegnung mit den unheilvollen Weganern, welche die Menschen für den Ursprung des Bösen halten und in rätselhaften Sprüchen Bibelstellen zitieren, war so völlig anders als das, was man damals aus dem Fernsehen kannte. Hier zog sich die Spannung aus Andeutungen, Mystery und Geheimnissen. Historische Geschichten wurden mit Science Fiction erklärt, darunter eine Bibelstelle aus dem Alten Testament.
Das hat nicht zuletzt wegen Erich von Däniken heute natürlich einen langen, albernen Bart, doch damals war es für mich aufregend, neu und geheimnisvoll. Obwohl "Commander Perkins" nur neun Hörspielfolgen hat, die auch noch vorzeitig beendet und deren zweiter Zyklus daher nie aufgelöst wurde (gefolgt von einer zehnteiligen Jugendbuchreihe, in der aber die offene Story der Hörspiele nicht aufgegriffen wurde und die ebenfalls mit einem offenen Ende aufwartet), ist "Commander Perkins" noch heute zu Recht Kult.
Denn wenn etwas genial ist, wenn etwas stimmig ist, wenn etwas faszinierende Charaktere und eine spannende, originelle Story hat, dann interessiert es nicht, ob am Ende irgendwelche Detailfragen offen bleiben. Das gilt auch für Serien wie "The Prisoner" oder "Twin Peaks". Das gilt auch für Filme wie "Das weiße Band". Und natürlich auch für "Lost", wo die Macher in dem ultimativ genialen Nachtrag "New Man in Charge" noch einige Fragen beantworteten und damit zeigten, wie uninteressant diese erratbaren Antworten waren (und wie man sich stattdessen als Zuschauer freute, Figuren wie Walt oder Hurley wiederzusehen.)
Fast scheint es so, als habe H. G. Francis damals den kleinen, vor seinem Kassettenrekorder sitzenden Thomas auf diese späteren Kultserien behutsam vorbereiten wollen. Und wenn er die Schuld trägt, dass mich noch heute viel Mainstream-Käse in Kino und TV langweilt, dann wäre allein das schon Grund genug, ihm für alle Zeiten dankbar zu sein.
Freitag, 2. September 2011
Die Ersatz-Bildzeitung aus der Provinz
Dabei ist das sogenannte linksintellektuelle Lager viel schlimmer. Dass sich daran nichts geändert hat, zeigte kürzlich ein Beitrag auf "Zeit online", der vorgab, über das 50jährige Jubiläum der Heftreihe "Perry Rhodan" berichten zu wollen, dessen Autor sich stattdessen jedoch nicht entblödete, die Überschrift "Der Ersatz-Hitler aus dem All" zu wählen. Als es Proteste hagelte, wurde die Überschrift in "Der Weltraum als Modelleisenbahn-Keller" geändert. Bravo. Aus einem ignoranten, vorurteilsbeladenen und rufmörderischen Titel wurde also ein ignoranter und vorurteilsbeladener Titel. Welch ein Fortschritt.
Doch das dummdreiste Geschwafel über Science Fiction in der ansonsten doch angeblich so aufgeschlossenen Nicht-Boulevard-Presse hat eine lange Tradition. Bereits 1975 hat der "Der Spiegel" von einem "Kino-Comeback jener hochgradig stupiden TV-Serie, die das ZDF unter dem Titel 'Raumschiff Enterprise' dargeboten hat" (Spiegel 53/75) berichtet, ohne weiter darauf einzugehen, was denn eigentlich an der Serie so "hochgradig stupide" war. Damals glaubte man wohl, dies nicht weiter begründen zu müssen.
1978 war anlässlich des Erfolgs von "Krieg der Sterne" ein Artikel unter dem Titel "Science Fiction – Flucht ins All" (Spiegel 5/78) erschienen, in welchem "Perry Rhodan" als "schlimmste Ausgeburt imperialistischer, faschistischer Zukunftsphantasie" beschimpft und der Titelheld als "Space Adolf" bezeichnet wurde. Weil das offenbar noch nicht reichte, wurde die amerikanische Essayistin Susan Sonntag zitiert, die Parallelen zwischen Science Fiction und Pornografie entdeckt zu haben glaubte. "Die Pornografie ist – genauso wie die Science Fiction – ein Zweig der Literatur, der auf Desorientierung, auf psychische Verwirrung, ausgerichtet ist." Diese doch reichlich hirnrissig klingende Aussage wurde weder erläutert noch erklärt. Es war damals wohl auch egal, Hauptsache, es klang irgendwie wissenschaftlich und diffamierte das Science-Fiction-Genre nach Strich und Faden.
Danach wurde der Psychologe Thomas vom Scheidt zitiert, der "SF-Leser mit dem Rauschdrogen-Konsumenten" verglich. "Vom Scheidt (...) hat in seiner Praxis SF-Freaks psychoanalytisch behandelt und dabei Defekte der seelischen Struktur seiner Patienten entdeckt, die offensichtlich typisch für das Gros der SF-Anhänger sind. Von Freuds Feststellung ausgehend, 'der Glückliche phantasiert nie, nur der Unbefriedigte', stieß er auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, die sich durch 'seelische Zustände von Sinnlosigkeit, tiefster Verlassenheit und Isoliertheit' bemerkbar macht."
Es ist doch eher unwahrscheinlich, dass vom Scheidt seine "Untersuchungen" nach empirisch ernstzunehmenden Kriterien durchführte, so dass die Aussage, die angeblichen Defizite seien "typisch für das Gros der SF-Anhänger" wohl nichts anderes als reine Spekulation und Wichtigtuerei waren. Schade, dass noch niemand die Defizite von Journalisten untersucht hat. Es wäre interessant zu erfahren, welche Motivation manchen aus ihrer Gattung (oder soll man sagen, ein "Gros" ihrer Gattung?) noch heute dazu treibt, ein literarisches Genre mit haltlosen Nazi- und Pornografie-Vergleichen in ein schiefes Licht zu rücken.
Da offenbar so mancher Journalist von Zeit Online auf dieser hinterwäldlerischen Voreingenommenheit der verlängerten Nachkriegszeit stehen geblieben ist und selbst angesichts eines so eindrucksvollen Literatur-Phänomens wie "Perry Rhodan" noch immer nichts besseres zu bieten hat, als hirn- halt- und geistlose Klischees und Vorurteile von vorgestern nachzuplappern, lässt das nur einen Schluss zu: Zeit Online ist die "Ersatz-Bildzeitung aus der Provinz".
Mittwoch, 31. August 2011
That's not the point
Beide Reaktionen übersehen offenbar völlig, dass hier wieder einmal Menschen vor der Kamera vorgeführt wurden, deren ganzes Verbrechen darin lag, eine Con zu besuchen, um dort einen schönen Tag zu haben. Diese Personen, die hier vor einem Millionenpublikum als verklemmt, unhygienisch und dumm beschimpft wurden, haben sich nicht für eine Casting-Show beworben. Sie wurden auf der Con überredet, was in die Kamera zu sagen.
Und dann hat man schamlos ihre Gutmütigkeit ausgenutzt.
Wenn ein Junge plötzlich aus heiterem Himmel gefragt wird, warum er keine Freundin hat, und dann so überrumpelt ist, dass er nur stammeln kann, er sei wohl zu schüchtern (anstatt, wie es richtig gewesen wäre, dieser potenziellen Arschgeweihträgerin zu sagen, sie soll sich verpissen), ist das einfach nur unsagbar dumm. Diesen Jungen dann aber auch noch abends vor einem Millionenpublikum lächerlich zu machen, ist kriminell, und ich sehe hier mit Entsetzen, dass eine Gesellschaft mit ihrem Müllfernsehen offenbar dabei ist, jegliches Gespür für richtig und falsch zu verlieren. Offenbar sind das die Folgen einer Stefan-Raab-Gehirnwäsche, wonach es in Ordnung ist, andere öffentlich zu verspotten und öffentlich vorzuführen. Hauptsache, man gehört nicht selbst irgendwie der anvisierten Gruppe an. Wenn doch, ist der Aufschrei groß, aber auch nur dann.
Es ist mir völlig egal, was irgendein arroganter Redakteur bei RTL über mich als Gamer denkt. Nicht egal ist mir, wenn ich dank Youtube und Fernsehkritik.tv mitbekomme, mit was für einem Drecksfernsehen inzwischen die Gesellschaft überschüttet wird, und wie sich in einer Gesellschaft allmählich eine Gleichgültigkeit darüber ausbreitet, dass Einzelpersonen grundlos und boshaft öffentlich in einem Massenmedium zur Unterhaltung niedergemacht werden.
Ich denke, man sollte allmählich anfangen, bereits kleinen Kindern beizubringen, nicht nur nicht zu fremden Menschen ins Auto zu steigen, sondern auch sofort das Weite zu suchen, wenn sie irgendwo die Mikrofone und Kameras von irgendwelchen Schmierenjournalisten erblicken.
Donnerstag, 25. August 2011
Jetzt sind also die Gamer dran
Meine Güte! Jetzt haben wir es amtlich: "Star Trek" ist out und vorbei, mit anderen Worten: Nicht mehr uncool genug. Das heißt: Die Medien müssen sich neue Convention-Gänger für ihr Vorurteils-TV suchen. Jetzt sind wieder mal die armen Gamer dran. Kannte man sie vorher im Grunde nur als potenzielle Amokläufer, entdecken sie die Medien nun neu als stinkende Looser und Singles. So, wie RTL die Zocker hier niedermacht, da ging man ja mit den Trekkern über Jahrzehnte hinweg noch sanft um.
Macht nix: Ich halte das alles fest und werde es eines Tages in dem Buch "Computerspiele in Deutschland" schonungslos aufdecken!
Wer hat's erfunden?
Die Menschheit glaubt an Herrscher, Führer, Könige ... Das wurde mir beim Streit zwischen Apple und Samsung um das iPad mal wieder klar.
Apple will Samsung gerichtlich untersagen, ein Tablet-PC herauszubringen. Dabei geht es übrigens nicht um den Streit von "Patenten" oder "Marken", wie eine juristisch wie immer desinformierte Presse schreibt, sondern Geschmacksmuster- bzw. Designschutz. Apple muss also beweisen, dass die Gestaltung des iPad "neu" ist.
Nun stellt sich heraus, dass bereits in dem Film "2001" ähnliche Techniken zu sehen waren.
Anlass genug, für die SZ zu schreiben: "Als Stanley Kubrick das iPad erfand", beginnend mit dem Teaser: "Hat sich Steve Jobs das iPad-Design vom legendären Regisseur Stanley Kubrick abgeschaut?"
Ich denke, hier ist es an der Zeit, doch mal festzustellen, dass Steve Jobs keineswegs das iPad "erfunden" hat. Es ist dadurch reich geworden, aber erfunden haben es seine Mitarbeiter. Und auch Stanley Kubrik hat ganz sicher nicht das Teil "erfunden", das in der Szene des Films "2001" zu sehen war: Es war sein Produktionsdesigner, noch wahrscheinlicher einer der Mitarbeiter, die für den Produktionsdesigner gearbeitet haben.
Die Leute sollten sich hin und wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass nicht Cäsar Gallien erobert hat, sondern seine Soldaten. Nicht Walt Disney hat Donald Duck und Hunderte von anderen Figuren erfunden, sondern seine Angestellten. (Und selbst bei Micky Maus sind die Aussagen uneinheitlich, ob nicht Walt Disneys Parner Ub Iwerks den Löwenanteil an der Gestaltung der Figur übernommen hatte.) Und ganz sicher hat auch Gene Roddenberry nicht das Handy erfunden, auch wenn der Star-Trek-Kommunikator stark daran erinnert.
Firmenbesitzer und Anführer dürfen gerne den Ruhm und das Geld ernten. Man sollte sie jedoch in Artikeln nicht auch noch als geistige Schöpfer bezeichnen.
Freitag, 19. August 2011
Das Letzte
Nun mag es ganz armselige Dummköpfe geben, die sagen würden: Gut so! Das motiviert die Schüler, flott die Klasse zu betreten.
Alle anderen mit einem IQ über 50 würden aber erkennen, dass dies schlichtweg Blödsinn ist, weil einer eben immer als letzter den Raum betreten muss. Er würde erkennen, dass das auch überhaupt nichts aussagt, und dass die Panikmache, nicht letzter sein zu wollen, nur zu unsinnigem Gerangel führen würde, einem Gerangel, bei dem rein nichts gewonnen wäre, weil es ja nichts daran ändert, dass irgendeiner halt mal als letzter reinkommen muss.
An dieses Beispiel möge bitte jeder denken, wenn er mal wieder so eine hirnrissige Schlagzeile wie "Dax fällt auf Jahrestief" liest und glaubt: Wahnsinn! Jetzt brummt aber der Bär! Mal abgesehen davon, dass die Aussagekraft von Dax-Entwicklungen schnellstens gegen Null geht, wenn man sich nur mal kurz damit beschäftigt: An irgendeinem Tag im Jahr wird es IMMER den niedrigsten Kurs geben. So wie es an irgendeinem Tag im Jahr am Kältesten, am Wärmsten oder auch nur am Windigsten sein wird.
Dienstag, 31. Mai 2011
In dubio pro reo
Ich habe aber ohnehin nie an deren Schuld geglaubt ...
Mittwoch, 4. Mai 2011
Yes, wie kill
Zugleich loben die Republikaner die unter Bush angewandte Foltermethode "Water Boarding", weil die doch so erfolgreich gewesen sei und zu Informationen über Bin Ladens Aufenthaltsort geführt habe (was noch nicht einmal stimmt).
Da muss man sich fragen: Ist es ein plumper Gag, oder geniale Satire, wenn David Letterman - vor den "die Top-10 letzten Terroristenworte" - sein Publikum fragt: "Did you folks enjoy the Osama Bin Laden season finale?" Jimmy Kimmel zeigte einen Fake-Trailer für den neuen "Bin Laden"-Film, bei dem man Spaß mit seiner Leiche hat. Außerdem meinte er, seit Bin Ladens Leiche im Ozean schwimme, würde er sich nicht mehr so schuldig fühlen, wenn er beim Baden ins Meer pinkelt.
Dagegen ist die Bild-Zeitung ja fast schon niveauvoll. Sie bescheinigt der "einzigen Super-Macht" nur mal schnell ein "Recht auf Rache".
Zugleich sind aufgrund der Jubelstimmung die Aktienkurse gestiegen, was mich zu der Überlegung führt, ob man für die nächste Finanzkrise nicht ein paar Oberterroristen zum Abschießen in Reserve halten sollte.
Gabor Steingart meinte im Morning Briefing des Handelsblatts, die Tötung Bin Ladens sei ein "Riesenerfolg für die westliche Welt". Das ist dümmster Blödsinn. Wir sind doch hier nicht bei einem Fußballspiel, bei dem am Schluss gerade noch das Siegertor geschossen wurde, auch wenn man das angesichts der jubelnden Massen auf den Straßen glauben könnte. Solche Formulierungen sind auch eine Beleidigung der Toten, die Bin Laden zu verantworten hat. Es ist armselig angesichts eines fragwürdigen Verhaltens der "westlichen Welt", das immer fanatischere und rechtsstaatsfeindlichere Züge annimmt. Das ist auch gelogen angesichts des Problems, dass die "westliche Welt" – wie selbst von den USA eingeräumt wird – um keinen Deut sicherer geworden ist. Der Bin-Laden-Film ruft nach einer Fortsetzung, und das zumindest haben wir aus Hollywood gelernt: Fortsetzungen sind meist furchterregend.
Donnerstag, 28. April 2011
Das ist aber teuer
Und in der Tat! Der grandiose Roman "Jeder stirbt für sich allein" (den ich gerade auf dem Kindle lese) kostet als sehr schönes, im Stil der sechziger Jahre aufgemachtes Hardcover 19.95 EUR, in der Kindle-Version jedoch 15,99 EUR, also nur knapp vier Euro weniger.
Und es kommt, wie ich es schon immer gesagt habe. Während man ein 700 Seiten dickes Hardcover für 20 Euro sogar als "günstig" empfindet, scheinen 16 Euro für ein eBook doch ausgesprochen viel Geld zu sein. Es steckt so in uns drin: Das "nicht Stoffliche" muss billig sein. Ebooks sollten billig sein. Billiger als Taschenbücher.
Sind sie aber nicht.
Der S. Fischer Verlag hat für die deutschen Verwertungsrechte an dem Roman "Das Spiel des Engels" von Ruiz Zafóns (und für vier ältere Jugendbücher dieses Autors) einen Vorschuss (!!!) von drei Millionen Euro gezahlt ... Glaubt irgendjemand, dass so ein Buch dann als eBook verramscht werden kann, weil - wie immer und immer wieder behauptet wird - der Verlag ja die "Druckkosten" spart? (Zumal die elektronische Aufbereitung ja auch Geld kostet.)
In den USA ist es häufig sogar so: Die Kindle-Preise orientieren sich am Hardcover. Erscheint später die Taschenbuch-Version, ist das eBook oft sogar teurer als das Taschenbuch.
Bei einem Preisvorteil von vier Euro, da kann man sich leicht ausrechnen, wie viele eBooks man kaufen muss, damit sich der Anschaffungspreis des Kindles (139 EUR bzw. 189 EUR) amortisiert hat. Die Vorteile des Kindles sind: Es ist leichter, handlicher, man kann es in einer Hand halten und bedienen (was bei einem Hardcover spätestens beim Umblättern problematisch wird) und man kann die Schriftgröße dem individuellen Geschmack anpassen. Außerdem kann man Bücher jederzeit kaufen und sofort mit dem Lesen beginnen - ohne Lieferzeiten. Für S-Bahnfahrten ist das Kindle so ideal wie ein MP3-Player. Ich bin noch immer begeistert von meinem Kindle (hatte den schon aus den USA), auch mein iPad (der ganz andere Vorteile hat), konnte das Kindle nicht verdrängen.
Aber wer glaubt, mit dem Kindle werde das Lesen von Büchern billiger oder gar deutlich billiger, der sollte dann doch noch mal den Rechenschieber benutzen.
Freitag, 18. März 2011
Häh?

(Quelle: Stuttmann Karikaturen)
Ich weiß ja nicht wirklich, wie ein Atomkraftwerk funktioniert.
Aber offenbar ist es so: Sie werden dadurch sicherer, indem man sie für drei Monate abschaltet und das ganze großspurig "Moratorium" nennt, was zu deutsch wohl so viel wie "Volksverarsche" heißt.
Aber vielleicht kenne ich mich einfach nur nicht genug aus. Vielleicht ist es ja bei Atomkraftwerken wirklich so, dass die wie ein Windows-Rechner funktionieren. So ein Windows-Rechner läuft, wenn man ihn mal runterfährt und dann wieder neu startet, auch manchmal besser als vorher.
Merkel meinte ja gestern in ihrer Rede: "Wir wissen, wie sicher unsere Kernkraftwerke sind." Und dann meinte sie, gerade weil die Kraftwerke sicher sind, müsse man handeln, denn ihr Grundsatz sei: Im Zweifel für die Sicherheit! Was wohl so viel heißt wie "im Zweifel für den Angeklagten", so nach dem Motto: Die Kernkraftwerke kommen jetzt mal für drei Monate in Untersuchungshaft, werden dann aber freigelassen, weil sie im Zweifel einfach als sicher gelten.
Ob "wir" wissen, wie sicher die Kraftwerke sind, bezweifle ich. Allerdings dürften "wir" wissen, was in drei Monaten passieren wird. Es wird von einer "vernünftigen Lösung", einem "wirtschaftlich und moralisch vertretbaren Kompromiss" gefaselt werden. Man wird angeblich erhöhte Standards einführen, eine Gefahr für die Bürger ausschließen und weitermachen, den Atomausstieg dann jedoch vorverlegen, von 2050 vielleicht auf das Jahr 2045.
Ändert halt nichts am aktuellen Problem. Was "alle" wissen: Merkel hätte am liebsten ein Wahl-Moratorium. Und das nicht nur wegen des Disasters in Japan, das aller Welt die Lüge von der Beherrschbarkeit der Atomkraft drastisch vor Augen führt. Es bröckeln nicht nur die Kraftwerke. Es bröckeln viele konservative Lügen. Das Märchen vom "freien Markt"? In sich zusammengebrochen. Der Bürger erlebt längst nur noch einen Markt, der zwar für die Vermögenden Milliarden-Gewinne anhäuft, die Verluste jedoch der Allgemeinheit aufdrückt.
Die "konservativen Werte" bröckeln genauso. Das Ideal der Familie (Mann, Frau, Kind) repräsentiert das eigene Kabinett nicht mehr. Die "Werte der Kirche" wurden durch zahlreiche Missbrauchsfälle beschmutzt. Und die bürgerlichen Tugenden der Rechtschaffenheit hat man auf dem Guttenberg-Altar geopfert.
Im Moment hat Merkel zwei Möglichkeiten: Sie hält an der Atomkraft fest und entscheidet sich damit gegen die Interessen der Bürger. Oder sie kehrt zum von Rot-grün beschlossenen Ausstieg zurück. Dann hat sie ihre Inkompetenz genauso eindrucksvoll bewiesen, wie uns Japan im Moment die Gefahren der Atomkraft drastisch vor Augen führt.
Dienstag, 15. März 2011
Der Ausstieg vom Ausstieg pausiert
Absurd ist es natürlich im Moment schon ein wenig, wenn nun Atomkraftgegner zu Recht den deutschen Atomkraftwerken vorwerfen, sie seien vollig veraltet und überholt. Das sind sie zwar, aber halt schon auch deshalb, weil seit Jahrzehnten immer wieder vom "Ausstieg" gesprochen wird, aus dem dann gerne mal wieder ausgestiegen wird ... oder er pausiert dann halt.
Aber nun sind sie nun mal, wie sie sind: Veraltet.
Und das ist die große Verarsche! Eine Verarsche, mit der man in Deutschland weit kommt. Denn der Deutsche bildet sich ja noch immer viel ein auf sein "Made in Germany". Also kann man ihm einflüstern, dass deutsche Kraftwerke eben noch echte, deutsche Wertarbeit sind.
Um diese Verarsche zu perfektionieren, spricht man dann schnell von "erneuten Sicherheitsprüfungen", die man durchführen will. Solange bei dieser Prüfung die Sicherheitskriterien nicht verändert werden - und die sind, da sind sich viele einig, viel zu lasch -, wird das Ergebnis kaum überraschend sein. Die Merkel-Taktik ist also: Man macht erstmal nix. Die Sicherheitsprüfung kann man machen oder auch nicht, das Ergebnis ist jetzt schon klar. Und dann wird man in ein paar Wochen verkünden, dass eine "erneute Prüfung" zweifelsfrei ergeben hat, dass die Kraftwerke sicher sind. Aber bis dahin wollen wir doch nicht auf den Rücken der Japaner eine Atomdebatte führen. (So wie Guttenberg ja nicht auf dem Rücken der Soldaten eine Diskussion um seine Person haben wollte.)
Und wenn die Menschen aber dennoch debattieren wollen? Dann erklärt man eben mal schnell ein paar Ergebnisse zur Geheimsache. Im Sommer 2010 lag in Österreich eine Untersuchung über das Atomkraftwerk "Isar 1" vor. Sie wurde auf Drängen der deutschen Behörden als Verschlusssache behandelt, weil eine Veröffentlichung "Betriebsgeheimnisse gefährden" würde. Und Horst Seehofer setzte sich im gleichen Sommer für eine "unbegrenzte Laufzeitverlängerung" ein. Komisch, dass er jetzt so ganz plötzlich das Kraftwerk vom Netz nehmen will.
Merkel erinnert ein wenig an einen Schulleiter, der einem Lehrer sagt, er solle den Sohn seines guten Freundes noch einmal benoten, etwas anderes als Note Eins wäre aber nicht drin. Merkel wörtlich: "Ein Abschalten deutscher Kernkraftwerke kann und darf nicht unsere Antwort sein!" Erinnert ein wenig an "Stuttgart 21". Da hat man auch noch mal "geprüft", allerdings mit der Vorgabe, dass ein Baustopp nicht zur Debatte steht.
Donnerstag, 24. Februar 2011
Das Volk hält zum Plagiator
Dann kamen einige "Meinungen" zu Wort. Und zwar "extreme Meinungen", wie immer wieder betont wurde. "Da macht man einen guten Mann kaputt", meinte eine Frau. Ein Mann sagte: "Ein Betrüger!" Diese beiden "Extremmeinung" sollten zwei Dinge beweisen. Zum einen natürlich die unglaubliche Objektivität von Bayern 3, immerhin lässt man ja "alle Meinungen" zu Wort kommen. Und dann soll dies natürlich implizieren, dass die Wahrheit doch "irgendwo in der Mitte" liege. (Sorry, da liegt die Wahrheit so gut wie nie!)
Als Guttenberg "freiwillig" auf seinen Doktor verzichtete, erschien eine sehr gute Analyse auf www.nachdenkseiten.de. Den kompletten Beitrag gibt es hier: Man muss nicht mit allem übereinstimmen, was dort geschrieben steht. Sehr treffend fand ich aber folgende Passage:
Der ertappte Dieb lässt auf der Flucht seine gestohlene Beute fallen. Aber damit bleibt er ein Dieb. Das geradezu groteske Ausmaß und die Dreistigkeit des Textdiebstahls selbst sind beredter Ausdruck einer Bedenkenlosigkeit, wie sie nur aus einem habitualisierten Gefühl gesellschaftlicher Unverwundbarkeit heraus erwachsen kann. Für diese "Elite" ist es von jeher selbstverständlich, zum eigenen Vorteil von anderen zu nehmen, andere zu instrumentalisieren, über andere zu verfügen oder sie wegzuwerfen, wenn es nützt. Der Baron hat in seiner kurzen Karriere jedes Mal, wenn er in Bedrängnis kam, Karrieren von Untergebenen zerstört, nur um zu signalisieren, dass er "entschlossen handeln" kann. Ein bewusstes Mitglied dieser Klasse gibt aus freien Stücken keinen Jota einer Beute her, denn die Aneignung von Werten, die andere geschaffen haben (wie von Texten, die andere geschrieben haben) ist ihr ureigenstes moralisches Recht seit Jahrhunderten.
(http://www.nachdenkseiten.de/?p=8427)
Freitag, 18. Februar 2011
Für blöd zitiert
Nope, Herrschaften. Dem ist keineswegs so. Auch dann kann es ein Plagiat sein. Und zwar dann, wenn die künstlerische Eigenleistung in den Hintergrund tritt und ein Zitierzweck nicht erkennbar ist.
Zitieren kann ich, um meine Meinung zu bekräftigen. Oder um eine fremde Meinung zu widerlegen. Oder um den Gedanken aufzugreifen und ersichtlich fortzuspinnen.
Kein Zitat ist es, wenn eine Textstelle eben gerade gut passt und etwas treffend formuliert, was man nicht selbst formulieren möchte. Dann eben ist und bleibt es Plagiat, völlig gleichgültig, ob da eine Fundstelle steht oder nicht.
Als Jurist weiß Guttenberg das. Er weiß: Ein gestohlenes Auto ist und bleibt ein gestohlenes Auto, auch wenn ich auf die Fahrertür "dieses Auto gehört eigentlich Herrn Meier" eingravieren lasse. Wenn Guttenberg das nicht weiß, dann wäre er ein so miserabler Jurist, dass man sich nicht nur fragen müsste, ob er die Doktorarbeit selbst geschrieben hat, man müsste sich fragen, ob er wirklich persönlich zum juristischen Staatsexamen angetreten ist.
Da ich also davon ausgehe, dass Guttenberg das weiß, kann ich nur vermuten, dass er die Bevölkerung gezielt für blöd verkaufen möchte. Für blöd verkaufen über die Tatsache, wann etwas unter das Zitierrecht fällt, und wann es schlichtweg ein Plagiat ist. Und zwar mit oder ohne Fundstelle.
Und das ist der eigentliche Skandal.
Mittwoch, 12. Januar 2011
Appellationsverfahren gegen Dead Space 2
Ein was?Da musste ich direkt erst einmal nachsehen.
Es geht um das Spiel "Dead Space 2", den Nachfolger des sehr bekannten Computerspiels "Dead Space". Darin muss der Spieler "Necromorphe" abschießen, tentakelhafte Weltraummonster, die sich wie ein Virus ausbreiten. Im ersten Spiel war der Schauplatz das Raumschiff USG ISHIMURA, im zweiten ist es eine Minenstation auf dem Saturnmond Titan.
So ein Spiel ist natürlich nichts für die Jugend. Ganz wie in der Simpsons-Folge "Bart köpft Ober-Haupt", als Bart den Film "Space Mutanten 4" sehen will. Marge ist dagegen. Homer meint: "Marge, das sind doch nur Space Mutanten!" Worauf Marge zu Bart sagt: "Ach, ich kenn doch all diese Filme. Da werden Menschen geschlachtet und in Großaufnahme gegessen. Da kommst du nur auf dumme Gedanken."
Damit keiner auf dumme Gedanken kommt, hat nun das Bayerische Sozialministerium gegen die "ab 18 Jahren"-USK-Freigabe von "Dead Space 2" das "Appellationsverfahren" eingeleitet.
Ein Appellationsverfahren, soso! Was es nicht alles gibt.
Ich habe mal nachgelesen, was es damit überhaupt auf sich hat, und siehe da: Es stimmt. In § 10 der USK-Grundsätze steht: "Jede Oberste Landesjugendbehörde kann nach Abschluss des Prüfverfahrens (...) erneute Prüfung verlangen." Und: "Die Appellation ist nur innerhalb einer Frist von 10 Werktagen möglich." Sprich: In zwei Wochen.
Jetzt jammert "Electronic Arts", man könne den ursprünglich geplanten Verkaufsstart in Deutschland nicht einhalten. Andererseits muss man sagen: Ich kann mich bei einem Gerichtsurteil auch erst dann auf das Urteil verlassen, wenn die Einspruchsfrist abgelaufen ist. Diese zwei Wochen hätte man halt einplanen müssen.
Vielmehr fragt man sich, was sich das Bayerische Staatsministerium unter der Leitung von CSU-Ministerin Christine Haderthauer eigentlich gedacht hat, zum ersten Mal in der Geschichte der USK ein Appellationsverfahren einzuleiten, und dann ausgerechnet ein Weltraumspiel zu wählen, obwohl es auf dem Markt ja nur so wimmelt vor weitaus geschmackloseren und viel realistischer aufgezogenen Kriegs-Ego-Shootern.
Aber wer weiß? Die CSU-Ministerin Christine Haderthauer, Leiterin des Bayerischen Sozialministeriums, kennt man ja vor allem deshalb, weil sie sich strikt gegen das Ehegattensplitting bei homosexuellen Paaren ausspricht und weil sie von "Vorzeige-Immigranten" wie Mesut Özil fordert, dass sie auch brav die Nationalhymne singen.
Vielleicht liegt hier ja einfach nur ein großes Missverständnis vor.
Vielleicht hat Christine Haderthauer ja selbst ein paar Runden einer Vorabversion von "Dead Space 2" gezockt und erkannt, dass dieses Spiel durchaus pädagogische Züge hat.
Demzufolge hat das bayerische Ministerium vielleicht gar keinen Verkaufsstopp, sondern eine niedrigere Freigabe im Sinn. Immerhin: In "Dead Space 2" schießt der Spieler auf - eindeutig uni-sexuelle - Nekromorph-Immigranten aus dem Weltall! Immigranten von der ganz migrationsunwilligen Sorte! Immigranten, die man an keiner einzigen Stelle des Spiels die deutsche Nationalhymne singen hört! Diese müssen doch einfach abgeknallt werden, zumindest, bevor sie sich am Ende noch um ein gleichgeschlechtliches Ehegatten-Splitting bemühen!
(Übrigens, damit es keine Verwechslung gibt: Das links oben auf dem Bild ist ein Nekromorph, das rechts ist Frau Haderthauer.)
