So ändern sich die Zeiten.
Früher (und leider heute noch immer) gab es etwas, das sich vollmundig "Neo-Nazi" nannte. Wer auch immer dieses Wort "schöpfte", wahrscheinlich dachte er, das Wort "Neo" passe zum Wort "Nazi", weil es auch mit "N" anfängt.
Inzwischen gibt es das Neo-ZDF, wobei mir noch immer nicht ganz klar ist, was der Großeltern-Sender ZDF damit bezweckt: Die Verjüngung der "Marke" ZDF, oder das Abschieben der Jugend in eine bequeme Nische, sodass man künftig jede Zuschrift, die sich über das altbackene ZDF-Programm beklagt, mit einem "geh halt bei ZDF-Neo spielen" kontern kann.
Nun wurde das ganz große "Perry-Rhodan-Geheimprojekt" verkündet: Ab dem 30. September 2011 soll "Perry Rhodan Neo" starten. Der Untertitel: "Die Zukunft beginnt von vorn". Daher weiß ich allmählich, was das Wort "Neo" übersetzt bedeutet. Es heißt: "Wir sind die gleichen alten Dödel, versuchen aber verzweifelt, junges Blut zu ködern, das uns normalerweise den Vogel zeigen würde."
Und genau das versuchen nun die Macher der Heftserie "Perry Rhodan". Diesmal soll Perry Rhodan nicht mehr im Jahr 1971 zum Mond fliegen, sondern im Jahr 2036. Von da an soll die Geschichte "neu und modern" erzählt werden.
Modernisierungen müssen nicht immer schlecht sein. Viele ahnen wahrscheinlich gar nicht, dass viele Enid-Blyton-Romane, die sie in ihrer Jugend lasen, bereits modernisierte Fassungen waren. Und es muss ja nicht immer in einem so hirnlosen Blödsinn wie dem letzten "Star Trek"-Film münden, der in seiner haarsträubenden Mischung aus "Top Gun" und "Transformers" nichts mehr mit dem zu tun hatte, was "Star Trek" einst war.
Zu bedenken ist allerdings: "Perry Rhodan" entstand im Jahr 1961, im Zeitalter des "Kalten Kriegs" und vor der ersten Mondlandung. Die Menschen waren gespannt, wie so eine Mondlandung laufen könnte. Eine solche Neugier fehlt bei den heutigen Lesern. Perry Rhodan musste damals nur auf friedliche Weise die beiden Supermächte entwaffnen, um eine bessere Welt zu erschaffen. Heute müsste er schon den Wahnsinn um Finanzspekulationen und Ausbeutung beenden, um den Lesern zumindest in der Phantasie den Traum von einer besseren Welt zu erfüllen.
Im "Perry Rhodan"-Forum meinte jemand treffend: "Warum aufgebackene Brötchen kaufen, wenn ich frische haben kann?" Recht hat er. Mit anderen Worten: Lieber "Sternenfaust" lesen!
Freitag, 5. August 2011
Dienstag, 31. Mai 2011
In dubio pro reo
Heute gab es einen aufsehenerregenden Freispruch. Und zwar für die spanischen Gurken. Sie waren zu Unrecht beschuldigt worden, den EHEC-Virus ausnahmslos in Norddeutschland (und nicht im Heimatland) zu verbreiten.
Ich habe aber ohnehin nie an deren Schuld geglaubt ...
Ich habe aber ohnehin nie an deren Schuld geglaubt ...
Sonntag, 15. Mai 2011
Scre4m
"Scream 4" ist wieder einmal ein spannender und origineller Gruselspaß.Mit "Scream 1" war es gelungen, das Horrorgerne in die Postmoderne zu heben, indem das Befolgen und Brechen von Genre-Regeln im Film selbst thematisiert wurde. In Teil 4 nun parodiert man genau diese "Meta-Ebene", entlarvt den Regelverstoß als neue Regel und findet dabei durchaus einen Weg einer neuen Verunsicherung, weil der Zuschauer ab einem bestimmten Punkt jede Wendung für möglich hält. Dass es bei einem Film wie "Scream", bei dem der Täter sich über das Telefon anmeldet, nun auch die Handy- und Internet-Stream-Generation Einzug findet, ist ebenfalls eine gelungene Variante.
So gesehen eine Filmempfehlung für jeden Genre-Fan. Und für "Scream"-Liebhaber ohnehin ein Muss. Allein die drei Hauptdarsteller Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette aus den ersten drei Filmen wiederzusehen, macht Spaß und sorgt dafür, dass man um das Überleben dieser Figuren mitfiebert.
Dennoch gibt es auch Schattenseiten. Der Auftakt des Films ist originell und wendungsreich, bereits ihm fehlt jedoch das Spektakuläre. Absolut gelungen ist abermals das dramatische und wendungsreiche Finale.
Das Problem liegt dazwischen. Es ist der Schwachpunkt so gut wie aller Horrorfilme: Wie fülle ich die Zeit zwischen Auftakt und großem Finale?
Genau hier versagt "Scream 4". Das Drehbuch versucht, den Zuschauer durch ein Mehr an Kill-Sequenzen bei "Laune" zu halten, was nicht funktioniert. Auch Wes Craven scheint mit voranschreitenden Alter ein wenig zahnlos zu werden. Wo sind sie, die dramatischen, fetzigen und rasanten Verfolgungsjagden, die Flucht vor dem Täter durch verwinkelte Gebäude, mit kuriosen Kamerafahren und schnellen Schnitten? Wo ist die Horror-Action, die in Teil 1 und 2 so gut funktioniert hat? Bei dem Mehr an Tötungsszenen fehlt leider die Zeit, um eine atmosphärische Gruselstimmung aufzubauen. Unvergessen zum Beispiel die Szene, wie sich Sidney in Teil 2 in einem verbeulten Autowrack am bewusstlosen Killer vorbeizwängen muss. Genau solche Sequenzen fehlen im Mittelteil dieses Films.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Dies ist ein spannender, kurzweiliger und für Genre-Freunde sehr unterhaltsamer Film. Aber leider eben kein Film, der die Zuschauer wie einst der Auftakt der "Scream"-Reihe permanent unter Strom setzt. Dies ist natürlich - gerade, was das Horrorgenre angeht - jammern auf hohem Niveau. "Scream" ist all dem Gerne-Schmarren, der rauskommt, hauchhoch überlegen. Dennoch ist es schade, dass es der Film diesmal nicht in die Kategorie "herausragend" geschafft hat, denn dafür hätte so viel gar nicht mehr gefehlt.
Mittwoch, 4. Mai 2011
Yes, wie kill
Der Spruch "ich glaube, ich bin im falschen Film" fühlte sich noch nie so treffend an. Da schickt ein Friedensnobelpreisträger heimlich ein Killerteam in ein fremdes, autonomes Land, lässt dort einen unbewaffneten Terroristenanführer töten, sieht per Live-Video zu, und das Volk feiert auf den Straßen und die christliche Regierungschefin eines anderen, demokratischen Landes äußert ihre "Freude" über die gelungene Tötung, während Jack-Bauer-Darsteller Kiefer Sutherland twittert, dass das echte Leben doch machmal "besser" sei als die Fiktion.
Zugleich loben die Republikaner die unter Bush angewandte Foltermethode "Water Boarding", weil die doch so erfolgreich gewesen sei und zu Informationen über Bin Ladens Aufenthaltsort geführt habe (was noch nicht einmal stimmt).
Da muss man sich fragen: Ist es ein plumper Gag, oder geniale Satire, wenn David Letterman - vor den "die Top-10 letzten Terroristenworte" - sein Publikum fragt: "Did you folks enjoy the Osama Bin Laden season finale?" Jimmy Kimmel zeigte einen Fake-Trailer für den neuen "Bin Laden"-Film, bei dem man Spaß mit seiner Leiche hat. Außerdem meinte er, seit Bin Ladens Leiche im Ozean schwimme, würde er sich nicht mehr so schuldig fühlen, wenn er beim Baden ins Meer pinkelt.
Dagegen ist die Bild-Zeitung ja fast schon niveauvoll. Sie bescheinigt der "einzigen Super-Macht" nur mal schnell ein "Recht auf Rache".
Zugleich sind aufgrund der Jubelstimmung die Aktienkurse gestiegen, was mich zu der Überlegung führt, ob man für die nächste Finanzkrise nicht ein paar Oberterroristen zum Abschießen in Reserve halten sollte.
Gabor Steingart meinte im Morning Briefing des Handelsblatts, die Tötung Bin Ladens sei ein "Riesenerfolg für die westliche Welt". Das ist dümmster Blödsinn. Wir sind doch hier nicht bei einem Fußballspiel, bei dem am Schluss gerade noch das Siegertor geschossen wurde, auch wenn man das angesichts der jubelnden Massen auf den Straßen glauben könnte. Solche Formulierungen sind auch eine Beleidigung der Toten, die Bin Laden zu verantworten hat. Es ist armselig angesichts eines fragwürdigen Verhaltens der "westlichen Welt", das immer fanatischere und rechtsstaatsfeindlichere Züge annimmt. Das ist auch gelogen angesichts des Problems, dass die "westliche Welt" – wie selbst von den USA eingeräumt wird – um keinen Deut sicherer geworden ist. Der Bin-Laden-Film ruft nach einer Fortsetzung, und das zumindest haben wir aus Hollywood gelernt: Fortsetzungen sind meist furchterregend.
Zugleich loben die Republikaner die unter Bush angewandte Foltermethode "Water Boarding", weil die doch so erfolgreich gewesen sei und zu Informationen über Bin Ladens Aufenthaltsort geführt habe (was noch nicht einmal stimmt).
Da muss man sich fragen: Ist es ein plumper Gag, oder geniale Satire, wenn David Letterman - vor den "die Top-10 letzten Terroristenworte" - sein Publikum fragt: "Did you folks enjoy the Osama Bin Laden season finale?" Jimmy Kimmel zeigte einen Fake-Trailer für den neuen "Bin Laden"-Film, bei dem man Spaß mit seiner Leiche hat. Außerdem meinte er, seit Bin Ladens Leiche im Ozean schwimme, würde er sich nicht mehr so schuldig fühlen, wenn er beim Baden ins Meer pinkelt.
Dagegen ist die Bild-Zeitung ja fast schon niveauvoll. Sie bescheinigt der "einzigen Super-Macht" nur mal schnell ein "Recht auf Rache".
Zugleich sind aufgrund der Jubelstimmung die Aktienkurse gestiegen, was mich zu der Überlegung führt, ob man für die nächste Finanzkrise nicht ein paar Oberterroristen zum Abschießen in Reserve halten sollte.
Gabor Steingart meinte im Morning Briefing des Handelsblatts, die Tötung Bin Ladens sei ein "Riesenerfolg für die westliche Welt". Das ist dümmster Blödsinn. Wir sind doch hier nicht bei einem Fußballspiel, bei dem am Schluss gerade noch das Siegertor geschossen wurde, auch wenn man das angesichts der jubelnden Massen auf den Straßen glauben könnte. Solche Formulierungen sind auch eine Beleidigung der Toten, die Bin Laden zu verantworten hat. Es ist armselig angesichts eines fragwürdigen Verhaltens der "westlichen Welt", das immer fanatischere und rechtsstaatsfeindlichere Züge annimmt. Das ist auch gelogen angesichts des Problems, dass die "westliche Welt" – wie selbst von den USA eingeräumt wird – um keinen Deut sicherer geworden ist. Der Bin-Laden-Film ruft nach einer Fortsetzung, und das zumindest haben wir aus Hollywood gelernt: Fortsetzungen sind meist furchterregend.
Donnerstag, 28. April 2011
Das ist aber teuer
Seit es das Amazon-Kindle nun auch in Deutschland gibt, höre ich aus meinem Bekannten- und Freundeskreis immer nur eines: "Huch, die eBooks sind aber teuer!"
Und in der Tat! Der grandiose Roman "Jeder stirbt für sich allein" (den ich gerade auf dem Kindle lese) kostet als sehr schönes, im Stil der sechziger Jahre aufgemachtes Hardcover 19.95 EUR, in der Kindle-Version jedoch 15,99 EUR, also nur knapp vier Euro weniger.
Und es kommt, wie ich es schon immer gesagt habe. Während man ein 700 Seiten dickes Hardcover für 20 Euro sogar als "günstig" empfindet, scheinen 16 Euro für ein eBook doch ausgesprochen viel Geld zu sein. Es steckt so in uns drin: Das "nicht Stoffliche" muss billig sein. Ebooks sollten billig sein. Billiger als Taschenbücher.
Sind sie aber nicht.
Der S. Fischer Verlag hat für die deutschen Verwertungsrechte an dem Roman "Das Spiel des Engels" von Ruiz Zafóns (und für vier ältere Jugendbücher dieses Autors) einen Vorschuss (!!!) von drei Millionen Euro gezahlt ... Glaubt irgendjemand, dass so ein Buch dann als eBook verramscht werden kann, weil - wie immer und immer wieder behauptet wird - der Verlag ja die "Druckkosten" spart? (Zumal die elektronische Aufbereitung ja auch Geld kostet.)
In den USA ist es häufig sogar so: Die Kindle-Preise orientieren sich am Hardcover. Erscheint später die Taschenbuch-Version, ist das eBook oft sogar teurer als das Taschenbuch.
Bei einem Preisvorteil von vier Euro, da kann man sich leicht ausrechnen, wie viele eBooks man kaufen muss, damit sich der Anschaffungspreis des Kindles (139 EUR bzw. 189 EUR) amortisiert hat. Die Vorteile des Kindles sind: Es ist leichter, handlicher, man kann es in einer Hand halten und bedienen (was bei einem Hardcover spätestens beim Umblättern problematisch wird) und man kann die Schriftgröße dem individuellen Geschmack anpassen. Außerdem kann man Bücher jederzeit kaufen und sofort mit dem Lesen beginnen - ohne Lieferzeiten. Für S-Bahnfahrten ist das Kindle so ideal wie ein MP3-Player. Ich bin noch immer begeistert von meinem Kindle (hatte den schon aus den USA), auch mein iPad (der ganz andere Vorteile hat), konnte das Kindle nicht verdrängen.
Aber wer glaubt, mit dem Kindle werde das Lesen von Büchern billiger oder gar deutlich billiger, der sollte dann doch noch mal den Rechenschieber benutzen.
Und in der Tat! Der grandiose Roman "Jeder stirbt für sich allein" (den ich gerade auf dem Kindle lese) kostet als sehr schönes, im Stil der sechziger Jahre aufgemachtes Hardcover 19.95 EUR, in der Kindle-Version jedoch 15,99 EUR, also nur knapp vier Euro weniger.
Und es kommt, wie ich es schon immer gesagt habe. Während man ein 700 Seiten dickes Hardcover für 20 Euro sogar als "günstig" empfindet, scheinen 16 Euro für ein eBook doch ausgesprochen viel Geld zu sein. Es steckt so in uns drin: Das "nicht Stoffliche" muss billig sein. Ebooks sollten billig sein. Billiger als Taschenbücher.
Sind sie aber nicht.
Der S. Fischer Verlag hat für die deutschen Verwertungsrechte an dem Roman "Das Spiel des Engels" von Ruiz Zafóns (und für vier ältere Jugendbücher dieses Autors) einen Vorschuss (!!!) von drei Millionen Euro gezahlt ... Glaubt irgendjemand, dass so ein Buch dann als eBook verramscht werden kann, weil - wie immer und immer wieder behauptet wird - der Verlag ja die "Druckkosten" spart? (Zumal die elektronische Aufbereitung ja auch Geld kostet.)
In den USA ist es häufig sogar so: Die Kindle-Preise orientieren sich am Hardcover. Erscheint später die Taschenbuch-Version, ist das eBook oft sogar teurer als das Taschenbuch.
Bei einem Preisvorteil von vier Euro, da kann man sich leicht ausrechnen, wie viele eBooks man kaufen muss, damit sich der Anschaffungspreis des Kindles (139 EUR bzw. 189 EUR) amortisiert hat. Die Vorteile des Kindles sind: Es ist leichter, handlicher, man kann es in einer Hand halten und bedienen (was bei einem Hardcover spätestens beim Umblättern problematisch wird) und man kann die Schriftgröße dem individuellen Geschmack anpassen. Außerdem kann man Bücher jederzeit kaufen und sofort mit dem Lesen beginnen - ohne Lieferzeiten. Für S-Bahnfahrten ist das Kindle so ideal wie ein MP3-Player. Ich bin noch immer begeistert von meinem Kindle (hatte den schon aus den USA), auch mein iPad (der ganz andere Vorteile hat), konnte das Kindle nicht verdrängen.
Aber wer glaubt, mit dem Kindle werde das Lesen von Büchern billiger oder gar deutlich billiger, der sollte dann doch noch mal den Rechenschieber benutzen.
Donnerstag, 21. April 2011
Schatten über neue Who-Staffel
Am Sonntag beginnt in England eine neue Staffel der britischen Science-Fiction-Serie "Doctor Who". Leider liegt darüber ein Schatten. "Doctor Who" hat nämlich zwei Spin-Offs. Das eine ist "Torchwood", das deutlich düsterer als die Ur-Serie ist. Die zweite Serie ist "Sarah Jane Adventures", eine Teenager-Serie um die ehemalige Doctor-Begleiterin Sarah Jane Smith, die bereits in den 1970er Jahren bei "Doctor Who" mitspielte.Elisabeth Sladen, die 63-jährige Darstellerin von Sarah Jane Smith, ist nun sehr plötzlich an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben. Von der fünften Staffel von "Sarah Jane Adventures" sind nur sechs Episoden abgedreht, dann wird die Serie abrupt enden.
Die Nachricht hat mich geschockt, zumal Elisabeth Sladen in der Serie eine Energie an den Tag legte, bei der man ihr das Alter wirklich nicht anmerkte. Außerdem erinnerte die Serie "Sarah Jane Adventures" auf sehr unterhaltsame Weise an den "unschuldigen Charme" der alten "Doctor Who"-Folgen, was durch sehr viele Anspielungen auf die alten "Doctor Who"-Zeiten verstärkt wurde. Ein Jammer, dass dies alles wegen eines so traurigen Grundes plötzlich endet.
Elisabeth Sladens Tod kam wohl für alle sehr überraschend. Tom Baker, der in den 1970er Jahren an der Seite von Elisabeth Sladen den vierten Doctor gespielt hatte, hatte erst vor einer Woche für sechs weitere Hörspiele mit Elisabeth Sladen unterschrieben.
Dienstag, 22. März 2011
Unverhofft kommt manchmal oft
J.R. Ewing hat den Satz nicht erfunden, aber in einer "Dallas"-Folge gesagt: "Überraschungen sind die Gewürze des Lebens".
Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einst die Heftreihe "Sternenfaust" leiten würde, ich hätte gefragt, was er geraucht hat. (Und zwei Monate später hat mich damals Susanne Picard gefragt, und meine Reaktion war: ICH???)
Und kaum zu glauben, dass es gerade mal etwas über ein Jahr her ist, dass ich mir eine Playstation 3 gekauft habe. Dass ich seitdem zum Zocker-Fan geworden bin, hätte ich mir selbst nie ausmalen können. Das liegt einfach daran, dass sich Spiele so massiv verändert haben. Ging es früher darum, irgendeine Figur durch abstrus-abstrakte Game-Welten zu steuern, taucht man nun in eine erzählerisch dichte Welt ein. Spiele sind heute viel filmischer, mit aufwendigen Soundtracks und nicht selten mit Hollywood-Autoren fürs Drehbuch. Vor allem aber: Die großen Science-Fiction- und Phantastik-Welten findet man zurzeit leider weder im Kino noch im Fernsehen, sondern in den Videospielen. Hier eine Liste der von mir kürzlich durchgezockten Spiele:
James Bond: Blood Stone 007
Also, an MIR lag es nicht, dass das Studio dieses genial-kurzweiligen Spiels Pleite ging. Anders als in vielen Verrissen fand ich dieses Spiel unterhaltsam, optisch umwerfend und inhaltlich vergnüglich. Ein guter Ersatz für den verschobenen Bond. Zudem mit sehr guter Synchro!
Quantum Theory
Ja, ich war einer von denen, die diesen wirren Krampf durchgezockt haben. Die Story ist mir noch immer ein Rätsel. In einer postapokalyptischen Welt wird das Leben von einem Material nemens "Erosion" bedroht, das irgendwie mit "lebenden Türmen" zusammenhängt, die von irgendwelchen Cyberkämpfern erobert werden, die sich mit der Diablosis anlegen? Verwirrt? Das ist man nach dem Spiel auch.
God of War 3
Nachdem ich "God of War 1" wegen vieler frustiger Stellen nur mit Tobsuchtsanfällen durchspielte, "God of War 2" deswegen sogar abbrach, war mir zunächst die Lust am Krieggott Kratos vergangen. Kürzlich habe ich mich dann an "God of War 3" gewagt und war beeindruckt: Tolle Action, tolle - fast künstlerische - Bilder, ein bombastischer Soundtrack ...
Vanquish
Ja, diese japanischen Spiele halt. So hektisch, dass man kurz vor dem epileptischen Anfall steht. Ein kurzweiliges Ballerspiel auf einer abgedrehten russischen Raumstation, auf Dauer aber ein wenig eintönig. Ein seltsamer Wechsel von zu leichten und bockschweren Stellen.
Dead Space 2
Wenn man das spielt, merkt man, was anderen Spielen fehlt. Hier stimmt alles: Die spannende Story, die Effekte, die Synchro, der Grusel, die Herausforderung, die Atmopshäre ... Die Welt von "Dead Space" wurde ja inzwischen von Comics und Romanen erweitert (ich lese gerade Dead Space: Märtyrer (ein eher fader Roman), eine Kinofilm ist in Vorbereitung.
Killzone 3
Ego-Shooter haben den Nachteil, dass sie mich sehr schnell langweilen. Das hat mir dieses Spiel bestätigt. Es ist grandios gemacht. Allein 70 Minuten Cut-Szenes, wieder ein genialer Soundtrack, der dauernd auf meinem iPod läuft, umwerfende Graphik ... Ein Exklusiv-Titel für die Playstation 3, der sogar für die c't gelobt wurde. Und dennoch: Irgendwann wurde es mir zu eintönig.
Dragon Age II
Nur noch brillant! Dieses Spiel habe ich bereits einmal durchgezockt, jetzt bin ich beim zweiten Durchgang. Diesmal als Magier (vorher spielte ich einen Krieger). Macht als Magier weitaus mehr Spaß, kann jedem diese Rolle nur empfehlen. Eine spannende Story, originell gelöst, gut gemacht. Nur die Kämpfe sind mir eher zu hektisch und zu wenig taktisch, da gefiel mir "Final Fantasy 13" dann doch besser. Ansonsten aber eines der unterhaltsamsten Spiele, die ich je in meiner Konsole hatte.
Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einst die Heftreihe "Sternenfaust" leiten würde, ich hätte gefragt, was er geraucht hat. (Und zwei Monate später hat mich damals Susanne Picard gefragt, und meine Reaktion war: ICH???)
Und kaum zu glauben, dass es gerade mal etwas über ein Jahr her ist, dass ich mir eine Playstation 3 gekauft habe. Dass ich seitdem zum Zocker-Fan geworden bin, hätte ich mir selbst nie ausmalen können. Das liegt einfach daran, dass sich Spiele so massiv verändert haben. Ging es früher darum, irgendeine Figur durch abstrus-abstrakte Game-Welten zu steuern, taucht man nun in eine erzählerisch dichte Welt ein. Spiele sind heute viel filmischer, mit aufwendigen Soundtracks und nicht selten mit Hollywood-Autoren fürs Drehbuch. Vor allem aber: Die großen Science-Fiction- und Phantastik-Welten findet man zurzeit leider weder im Kino noch im Fernsehen, sondern in den Videospielen. Hier eine Liste der von mir kürzlich durchgezockten Spiele:
James Bond: Blood Stone 007
Also, an MIR lag es nicht, dass das Studio dieses genial-kurzweiligen Spiels Pleite ging. Anders als in vielen Verrissen fand ich dieses Spiel unterhaltsam, optisch umwerfend und inhaltlich vergnüglich. Ein guter Ersatz für den verschobenen Bond. Zudem mit sehr guter Synchro!
Quantum Theory
Ja, ich war einer von denen, die diesen wirren Krampf durchgezockt haben. Die Story ist mir noch immer ein Rätsel. In einer postapokalyptischen Welt wird das Leben von einem Material nemens "Erosion" bedroht, das irgendwie mit "lebenden Türmen" zusammenhängt, die von irgendwelchen Cyberkämpfern erobert werden, die sich mit der Diablosis anlegen? Verwirrt? Das ist man nach dem Spiel auch.
God of War 3
Nachdem ich "God of War 1" wegen vieler frustiger Stellen nur mit Tobsuchtsanfällen durchspielte, "God of War 2" deswegen sogar abbrach, war mir zunächst die Lust am Krieggott Kratos vergangen. Kürzlich habe ich mich dann an "God of War 3" gewagt und war beeindruckt: Tolle Action, tolle - fast künstlerische - Bilder, ein bombastischer Soundtrack ...
Vanquish
Ja, diese japanischen Spiele halt. So hektisch, dass man kurz vor dem epileptischen Anfall steht. Ein kurzweiliges Ballerspiel auf einer abgedrehten russischen Raumstation, auf Dauer aber ein wenig eintönig. Ein seltsamer Wechsel von zu leichten und bockschweren Stellen.
Dead Space 2
Wenn man das spielt, merkt man, was anderen Spielen fehlt. Hier stimmt alles: Die spannende Story, die Effekte, die Synchro, der Grusel, die Herausforderung, die Atmopshäre ... Die Welt von "Dead Space" wurde ja inzwischen von Comics und Romanen erweitert (ich lese gerade Dead Space: Märtyrer (ein eher fader Roman), eine Kinofilm ist in Vorbereitung.
Killzone 3
Ego-Shooter haben den Nachteil, dass sie mich sehr schnell langweilen. Das hat mir dieses Spiel bestätigt. Es ist grandios gemacht. Allein 70 Minuten Cut-Szenes, wieder ein genialer Soundtrack, der dauernd auf meinem iPod läuft, umwerfende Graphik ... Ein Exklusiv-Titel für die Playstation 3, der sogar für die c't gelobt wurde. Und dennoch: Irgendwann wurde es mir zu eintönig.
Dragon Age II
Nur noch brillant! Dieses Spiel habe ich bereits einmal durchgezockt, jetzt bin ich beim zweiten Durchgang. Diesmal als Magier (vorher spielte ich einen Krieger). Macht als Magier weitaus mehr Spaß, kann jedem diese Rolle nur empfehlen. Eine spannende Story, originell gelöst, gut gemacht. Nur die Kämpfe sind mir eher zu hektisch und zu wenig taktisch, da gefiel mir "Final Fantasy 13" dann doch besser. Ansonsten aber eines der unterhaltsamsten Spiele, die ich je in meiner Konsole hatte.
Freitag, 18. März 2011
Häh?

(Quelle: Stuttmann Karikaturen)
Ich weiß ja nicht wirklich, wie ein Atomkraftwerk funktioniert.
Aber offenbar ist es so: Sie werden dadurch sicherer, indem man sie für drei Monate abschaltet und das ganze großspurig "Moratorium" nennt, was zu deutsch wohl so viel wie "Volksverarsche" heißt.
Aber vielleicht kenne ich mich einfach nur nicht genug aus. Vielleicht ist es ja bei Atomkraftwerken wirklich so, dass die wie ein Windows-Rechner funktionieren. So ein Windows-Rechner läuft, wenn man ihn mal runterfährt und dann wieder neu startet, auch manchmal besser als vorher.
Merkel meinte ja gestern in ihrer Rede: "Wir wissen, wie sicher unsere Kernkraftwerke sind." Und dann meinte sie, gerade weil die Kraftwerke sicher sind, müsse man handeln, denn ihr Grundsatz sei: Im Zweifel für die Sicherheit! Was wohl so viel heißt wie "im Zweifel für den Angeklagten", so nach dem Motto: Die Kernkraftwerke kommen jetzt mal für drei Monate in Untersuchungshaft, werden dann aber freigelassen, weil sie im Zweifel einfach als sicher gelten.
Ob "wir" wissen, wie sicher die Kraftwerke sind, bezweifle ich. Allerdings dürften "wir" wissen, was in drei Monaten passieren wird. Es wird von einer "vernünftigen Lösung", einem "wirtschaftlich und moralisch vertretbaren Kompromiss" gefaselt werden. Man wird angeblich erhöhte Standards einführen, eine Gefahr für die Bürger ausschließen und weitermachen, den Atomausstieg dann jedoch vorverlegen, von 2050 vielleicht auf das Jahr 2045.
Ändert halt nichts am aktuellen Problem. Was "alle" wissen: Merkel hätte am liebsten ein Wahl-Moratorium. Und das nicht nur wegen des Disasters in Japan, das aller Welt die Lüge von der Beherrschbarkeit der Atomkraft drastisch vor Augen führt. Es bröckeln nicht nur die Kraftwerke. Es bröckeln viele konservative Lügen. Das Märchen vom "freien Markt"? In sich zusammengebrochen. Der Bürger erlebt längst nur noch einen Markt, der zwar für die Vermögenden Milliarden-Gewinne anhäuft, die Verluste jedoch der Allgemeinheit aufdrückt.
Die "konservativen Werte" bröckeln genauso. Das Ideal der Familie (Mann, Frau, Kind) repräsentiert das eigene Kabinett nicht mehr. Die "Werte der Kirche" wurden durch zahlreiche Missbrauchsfälle beschmutzt. Und die bürgerlichen Tugenden der Rechtschaffenheit hat man auf dem Guttenberg-Altar geopfert.
Im Moment hat Merkel zwei Möglichkeiten: Sie hält an der Atomkraft fest und entscheidet sich damit gegen die Interessen der Bürger. Oder sie kehrt zum von Rot-grün beschlossenen Ausstieg zurück. Dann hat sie ihre Inkompetenz genauso eindrucksvoll bewiesen, wie uns Japan im Moment die Gefahren der Atomkraft drastisch vor Augen führt.
Dienstag, 15. März 2011
Der Ausstieg vom Ausstieg pausiert
Deutschland, das Land der Aussteiger und Pausen! Erst gab es den Atomausstieg, dann kam der "Ausstieg vom Austieg", der jetzt aber wiederum pausiert.
Absurd ist es natürlich im Moment schon ein wenig, wenn nun Atomkraftgegner zu Recht den deutschen Atomkraftwerken vorwerfen, sie seien vollig veraltet und überholt. Das sind sie zwar, aber halt schon auch deshalb, weil seit Jahrzehnten immer wieder vom "Ausstieg" gesprochen wird, aus dem dann gerne mal wieder ausgestiegen wird ... oder er pausiert dann halt.
Aber nun sind sie nun mal, wie sie sind: Veraltet.
Und das ist die große Verarsche! Eine Verarsche, mit der man in Deutschland weit kommt. Denn der Deutsche bildet sich ja noch immer viel ein auf sein "Made in Germany". Also kann man ihm einflüstern, dass deutsche Kraftwerke eben noch echte, deutsche Wertarbeit sind.
Um diese Verarsche zu perfektionieren, spricht man dann schnell von "erneuten Sicherheitsprüfungen", die man durchführen will. Solange bei dieser Prüfung die Sicherheitskriterien nicht verändert werden - und die sind, da sind sich viele einig, viel zu lasch -, wird das Ergebnis kaum überraschend sein. Die Merkel-Taktik ist also: Man macht erstmal nix. Die Sicherheitsprüfung kann man machen oder auch nicht, das Ergebnis ist jetzt schon klar. Und dann wird man in ein paar Wochen verkünden, dass eine "erneute Prüfung" zweifelsfrei ergeben hat, dass die Kraftwerke sicher sind. Aber bis dahin wollen wir doch nicht auf den Rücken der Japaner eine Atomdebatte führen. (So wie Guttenberg ja nicht auf dem Rücken der Soldaten eine Diskussion um seine Person haben wollte.)
Und wenn die Menschen aber dennoch debattieren wollen? Dann erklärt man eben mal schnell ein paar Ergebnisse zur Geheimsache. Im Sommer 2010 lag in Österreich eine Untersuchung über das Atomkraftwerk "Isar 1" vor. Sie wurde auf Drängen der deutschen Behörden als Verschlusssache behandelt, weil eine Veröffentlichung "Betriebsgeheimnisse gefährden" würde. Und Horst Seehofer setzte sich im gleichen Sommer für eine "unbegrenzte Laufzeitverlängerung" ein. Komisch, dass er jetzt so ganz plötzlich das Kraftwerk vom Netz nehmen will.
Merkel erinnert ein wenig an einen Schulleiter, der einem Lehrer sagt, er solle den Sohn seines guten Freundes noch einmal benoten, etwas anderes als Note Eins wäre aber nicht drin. Merkel wörtlich: "Ein Abschalten deutscher Kernkraftwerke kann und darf nicht unsere Antwort sein!" Erinnert ein wenig an "Stuttgart 21". Da hat man auch noch mal "geprüft", allerdings mit der Vorgabe, dass ein Baustopp nicht zur Debatte steht.
Absurd ist es natürlich im Moment schon ein wenig, wenn nun Atomkraftgegner zu Recht den deutschen Atomkraftwerken vorwerfen, sie seien vollig veraltet und überholt. Das sind sie zwar, aber halt schon auch deshalb, weil seit Jahrzehnten immer wieder vom "Ausstieg" gesprochen wird, aus dem dann gerne mal wieder ausgestiegen wird ... oder er pausiert dann halt.
Aber nun sind sie nun mal, wie sie sind: Veraltet.
Und das ist die große Verarsche! Eine Verarsche, mit der man in Deutschland weit kommt. Denn der Deutsche bildet sich ja noch immer viel ein auf sein "Made in Germany". Also kann man ihm einflüstern, dass deutsche Kraftwerke eben noch echte, deutsche Wertarbeit sind.
Um diese Verarsche zu perfektionieren, spricht man dann schnell von "erneuten Sicherheitsprüfungen", die man durchführen will. Solange bei dieser Prüfung die Sicherheitskriterien nicht verändert werden - und die sind, da sind sich viele einig, viel zu lasch -, wird das Ergebnis kaum überraschend sein. Die Merkel-Taktik ist also: Man macht erstmal nix. Die Sicherheitsprüfung kann man machen oder auch nicht, das Ergebnis ist jetzt schon klar. Und dann wird man in ein paar Wochen verkünden, dass eine "erneute Prüfung" zweifelsfrei ergeben hat, dass die Kraftwerke sicher sind. Aber bis dahin wollen wir doch nicht auf den Rücken der Japaner eine Atomdebatte führen. (So wie Guttenberg ja nicht auf dem Rücken der Soldaten eine Diskussion um seine Person haben wollte.)
Und wenn die Menschen aber dennoch debattieren wollen? Dann erklärt man eben mal schnell ein paar Ergebnisse zur Geheimsache. Im Sommer 2010 lag in Österreich eine Untersuchung über das Atomkraftwerk "Isar 1" vor. Sie wurde auf Drängen der deutschen Behörden als Verschlusssache behandelt, weil eine Veröffentlichung "Betriebsgeheimnisse gefährden" würde. Und Horst Seehofer setzte sich im gleichen Sommer für eine "unbegrenzte Laufzeitverlängerung" ein. Komisch, dass er jetzt so ganz plötzlich das Kraftwerk vom Netz nehmen will.
Merkel erinnert ein wenig an einen Schulleiter, der einem Lehrer sagt, er solle den Sohn seines guten Freundes noch einmal benoten, etwas anderes als Note Eins wäre aber nicht drin. Merkel wörtlich: "Ein Abschalten deutscher Kernkraftwerke kann und darf nicht unsere Antwort sein!" Erinnert ein wenig an "Stuttgart 21". Da hat man auch noch mal "geprüft", allerdings mit der Vorgabe, dass ein Baustopp nicht zur Debatte steht.
Mittwoch, 2. März 2011
Der schwerste Schritt seines Lebens
"Dies ist der schwerste Schritt meines Lebens!" Das waren die Worte von Karl-Theodor zu Guttenberg. Damit meinte er seinen Rücktritt von den politischen Ämtern.
Verstehe. Das einzige, das dieser Mann bedauert, ist der Verlust von Macht und Prestige. Dabei hätte es in seinem Leben ganz andere "schwere Schritte" geben müssen. Einer der schwersten Schritte seines Lebens hätte sein müssen, seinen Doktorvater Professor Peter Häberle zu belügen, ihm eine Arbeit vorzulegen, die zu großen Teilen (oder im Fall eines Ghostwriters vollständig) nicht von ihm verfasst wurde. Der schwerste Schritt seines Lebens hätte es sein müssen, für einen derartigen Betrug ungeniert ein "summa cum lauda" zu kassieren und damit zu prahlen. Der schwerste Schritt seines Lebens hätte es sein müssen, die Kanzlerin und die Wähler mit dem Gerede von "ein paar vergessenen Fußnoten" für dumm zu verkaufen.
"Der schwerste Schritt meines Lebens", das sagt ein Mann, der schon mehreren Beerdigungen beiwohnte. Beerdigungen von Soldaten, die für einen mehr als fragwürdigen Krieg gefallen sind.
Doch das alles war für von Guttenberg offenbar nie ein "schwerer Schritt". Denn es verhalf ihm zu dem, was er einzig und allein und mit allen Mitteln anstrebte und woran er sich später klammerte: Macht und Prestige.
Einem Mann, dem es allein um Macht und Prestige geht, dem ist es egal, wie er zu Einfluss und akademischen Titeln kommt. Hauptsache, er kriegt sie. Und konsequenterweise ist der Verlust von Macht und Prestige für einen solchen Mann dann auch das Schlimmste, das ihm passieren kann.
Leider ist von Guttenberg hier keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. Er ist der typische, moderne Politiker. Heute geht es niemanden mehr um die Sache. Es geht um Macht. Und um Machtkämpfe. "Nach der Wahl ist vor der Wahl", das geben Politiker ganz unumwunden zu, und begreifen dabei gar nicht, dass sie vom Volk nicht gewählt wurden, um Wahlkampf zu machen. Sie sind gewählt worden, um gute Regierungsarbeit zu leisten. Und zwar nicht für Finanz-, Pharma- und Energiekonzerne. Auch nicht für die "Bild"-Zeitung. Sondern für den Bürger.
Leider ist das der Nachteil des demokratischen Systems. Es hilft denen nach oben, die nicht für die Sache, sondern für ihre eigene Macht kämpfen. Die es gelernt haben, mit fragwürdigen Medien zu kooperieren. Die auf die Unterstützung finanzstarker Geldgeber vertrauen können, weil sie bereit sind, sich in der Amtszeit gefällig zu erweisen.
Viele durchschauen es und wenden sich ab. Dann sprechen die Politiker gern von "Politikverdrossenheit", und erkennen gar nicht, wo diese Verdrossenheit herkommt, wollen nicht wahrhaben, dass der Fisch vom Kopf stinkt, und dass sie die Basis nicht auf Dauer verarschen können.
Ab und zu gelingt die Verarsche. Dann gelingt es kurz, den Wählern vorzumachen, es ginge "um die Sache". Den Grünen gelingt dies im Moment zum Beispiel ganz gut. Sie stellen sich gegen zu niedrige Hartz IV-Sätze und Stuttgart 21, obwohl sie beides einst mitentschieden haben. Und es gelang von Guttenberg. Darin war er Meister. "Guttenberg war ein Mann, mit dem man sich als Wähler identifizieren konnte", meinte heute früh ein Anrufer bei "Bayern 3". Und kapiert dabei gar nicht, dass er hier von einem millionenschweren Baron spricht, der für die eigene Macht und das eigene Prestige alles tat. Der sich nicht entblödete, bei einem mehr als notwendigen Besuch der Soldaten im Hindukusch das Fernsehteam eines kommerziellen Privatsenders mitzunehmen.
"Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland", meinte die Kanzlerin, und sie hat recht. Gestern ist ein kleiner Teil dieser Scheinheiligkeit und Verlogenheit zurückgetreten.
Verstehe. Das einzige, das dieser Mann bedauert, ist der Verlust von Macht und Prestige. Dabei hätte es in seinem Leben ganz andere "schwere Schritte" geben müssen. Einer der schwersten Schritte seines Lebens hätte sein müssen, seinen Doktorvater Professor Peter Häberle zu belügen, ihm eine Arbeit vorzulegen, die zu großen Teilen (oder im Fall eines Ghostwriters vollständig) nicht von ihm verfasst wurde. Der schwerste Schritt seines Lebens hätte es sein müssen, für einen derartigen Betrug ungeniert ein "summa cum lauda" zu kassieren und damit zu prahlen. Der schwerste Schritt seines Lebens hätte es sein müssen, die Kanzlerin und die Wähler mit dem Gerede von "ein paar vergessenen Fußnoten" für dumm zu verkaufen.
"Der schwerste Schritt meines Lebens", das sagt ein Mann, der schon mehreren Beerdigungen beiwohnte. Beerdigungen von Soldaten, die für einen mehr als fragwürdigen Krieg gefallen sind.
Doch das alles war für von Guttenberg offenbar nie ein "schwerer Schritt". Denn es verhalf ihm zu dem, was er einzig und allein und mit allen Mitteln anstrebte und woran er sich später klammerte: Macht und Prestige.
Einem Mann, dem es allein um Macht und Prestige geht, dem ist es egal, wie er zu Einfluss und akademischen Titeln kommt. Hauptsache, er kriegt sie. Und konsequenterweise ist der Verlust von Macht und Prestige für einen solchen Mann dann auch das Schlimmste, das ihm passieren kann.
Leider ist von Guttenberg hier keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. Er ist der typische, moderne Politiker. Heute geht es niemanden mehr um die Sache. Es geht um Macht. Und um Machtkämpfe. "Nach der Wahl ist vor der Wahl", das geben Politiker ganz unumwunden zu, und begreifen dabei gar nicht, dass sie vom Volk nicht gewählt wurden, um Wahlkampf zu machen. Sie sind gewählt worden, um gute Regierungsarbeit zu leisten. Und zwar nicht für Finanz-, Pharma- und Energiekonzerne. Auch nicht für die "Bild"-Zeitung. Sondern für den Bürger.
Leider ist das der Nachteil des demokratischen Systems. Es hilft denen nach oben, die nicht für die Sache, sondern für ihre eigene Macht kämpfen. Die es gelernt haben, mit fragwürdigen Medien zu kooperieren. Die auf die Unterstützung finanzstarker Geldgeber vertrauen können, weil sie bereit sind, sich in der Amtszeit gefällig zu erweisen.
Viele durchschauen es und wenden sich ab. Dann sprechen die Politiker gern von "Politikverdrossenheit", und erkennen gar nicht, wo diese Verdrossenheit herkommt, wollen nicht wahrhaben, dass der Fisch vom Kopf stinkt, und dass sie die Basis nicht auf Dauer verarschen können.
Ab und zu gelingt die Verarsche. Dann gelingt es kurz, den Wählern vorzumachen, es ginge "um die Sache". Den Grünen gelingt dies im Moment zum Beispiel ganz gut. Sie stellen sich gegen zu niedrige Hartz IV-Sätze und Stuttgart 21, obwohl sie beides einst mitentschieden haben. Und es gelang von Guttenberg. Darin war er Meister. "Guttenberg war ein Mann, mit dem man sich als Wähler identifizieren konnte", meinte heute früh ein Anrufer bei "Bayern 3". Und kapiert dabei gar nicht, dass er hier von einem millionenschweren Baron spricht, der für die eigene Macht und das eigene Prestige alles tat. Der sich nicht entblödete, bei einem mehr als notwendigen Besuch der Soldaten im Hindukusch das Fernsehteam eines kommerziellen Privatsenders mitzunehmen.
"Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland", meinte die Kanzlerin, und sie hat recht. Gestern ist ein kleiner Teil dieser Scheinheiligkeit und Verlogenheit zurückgetreten.
Donnerstag, 24. Februar 2011
Das Volk hält zum Plagiator
Heute früh durfte ich auf dem auch durch meine Gebühren finanzierten Radiosender Bayern 3 so einiges an Guttenberg-Reklame über mich ergehen lassen. Erst gab es so rein zufällig eine Umfrage, wie viele Bayern schon mal "abgeschrieben" haben. Und das waren natürlich ganz, ganz viele.
Dann kamen einige "Meinungen" zu Wort. Und zwar "extreme Meinungen", wie immer wieder betont wurde. "Da macht man einen guten Mann kaputt", meinte eine Frau. Ein Mann sagte: "Ein Betrüger!" Diese beiden "Extremmeinung" sollten zwei Dinge beweisen. Zum einen natürlich die unglaubliche Objektivität von Bayern 3, immerhin lässt man ja "alle Meinungen" zu Wort kommen. Und dann soll dies natürlich implizieren, dass die Wahrheit doch "irgendwo in der Mitte" liege. (Sorry, da liegt die Wahrheit so gut wie nie!)
Als Guttenberg "freiwillig" auf seinen Doktor verzichtete, erschien eine sehr gute Analyse auf www.nachdenkseiten.de. Den kompletten Beitrag gibt es hier: Man muss nicht mit allem übereinstimmen, was dort geschrieben steht. Sehr treffend fand ich aber folgende Passage:
Der ertappte Dieb lässt auf der Flucht seine gestohlene Beute fallen. Aber damit bleibt er ein Dieb. Das geradezu groteske Ausmaß und die Dreistigkeit des Textdiebstahls selbst sind beredter Ausdruck einer Bedenkenlosigkeit, wie sie nur aus einem habitualisierten Gefühl gesellschaftlicher Unverwundbarkeit heraus erwachsen kann. Für diese "Elite" ist es von jeher selbstverständlich, zum eigenen Vorteil von anderen zu nehmen, andere zu instrumentalisieren, über andere zu verfügen oder sie wegzuwerfen, wenn es nützt. Der Baron hat in seiner kurzen Karriere jedes Mal, wenn er in Bedrängnis kam, Karrieren von Untergebenen zerstört, nur um zu signalisieren, dass er "entschlossen handeln" kann. Ein bewusstes Mitglied dieser Klasse gibt aus freien Stücken keinen Jota einer Beute her, denn die Aneignung von Werten, die andere geschaffen haben (wie von Texten, die andere geschrieben haben) ist ihr ureigenstes moralisches Recht seit Jahrhunderten.
(http://www.nachdenkseiten.de/?p=8427)
Dann kamen einige "Meinungen" zu Wort. Und zwar "extreme Meinungen", wie immer wieder betont wurde. "Da macht man einen guten Mann kaputt", meinte eine Frau. Ein Mann sagte: "Ein Betrüger!" Diese beiden "Extremmeinung" sollten zwei Dinge beweisen. Zum einen natürlich die unglaubliche Objektivität von Bayern 3, immerhin lässt man ja "alle Meinungen" zu Wort kommen. Und dann soll dies natürlich implizieren, dass die Wahrheit doch "irgendwo in der Mitte" liege. (Sorry, da liegt die Wahrheit so gut wie nie!)
Als Guttenberg "freiwillig" auf seinen Doktor verzichtete, erschien eine sehr gute Analyse auf www.nachdenkseiten.de. Den kompletten Beitrag gibt es hier: Man muss nicht mit allem übereinstimmen, was dort geschrieben steht. Sehr treffend fand ich aber folgende Passage:
Der ertappte Dieb lässt auf der Flucht seine gestohlene Beute fallen. Aber damit bleibt er ein Dieb. Das geradezu groteske Ausmaß und die Dreistigkeit des Textdiebstahls selbst sind beredter Ausdruck einer Bedenkenlosigkeit, wie sie nur aus einem habitualisierten Gefühl gesellschaftlicher Unverwundbarkeit heraus erwachsen kann. Für diese "Elite" ist es von jeher selbstverständlich, zum eigenen Vorteil von anderen zu nehmen, andere zu instrumentalisieren, über andere zu verfügen oder sie wegzuwerfen, wenn es nützt. Der Baron hat in seiner kurzen Karriere jedes Mal, wenn er in Bedrängnis kam, Karrieren von Untergebenen zerstört, nur um zu signalisieren, dass er "entschlossen handeln" kann. Ein bewusstes Mitglied dieser Klasse gibt aus freien Stücken keinen Jota einer Beute her, denn die Aneignung von Werten, die andere geschaffen haben (wie von Texten, die andere geschrieben haben) ist ihr ureigenstes moralisches Recht seit Jahrhunderten.
(http://www.nachdenkseiten.de/?p=8427)
Freitag, 18. Februar 2011
Für blöd zitiert
Was mich an der Guttenberg-Debatte um abgeschriebene Passagen in seiner Doktorarbeit so verwundert: Jeder tut gerade so, als wäre alles in Ordnung gewesen, hätte Guttenberg die abgeschriebenen Texte in Anführungszeichen gesetzt und mit einer Fundstelle versehen.
Nope, Herrschaften. Dem ist keineswegs so. Auch dann kann es ein Plagiat sein. Und zwar dann, wenn die künstlerische Eigenleistung in den Hintergrund tritt und ein Zitierzweck nicht erkennbar ist.
Zitieren kann ich, um meine Meinung zu bekräftigen. Oder um eine fremde Meinung zu widerlegen. Oder um den Gedanken aufzugreifen und ersichtlich fortzuspinnen.
Kein Zitat ist es, wenn eine Textstelle eben gerade gut passt und etwas treffend formuliert, was man nicht selbst formulieren möchte. Dann eben ist und bleibt es Plagiat, völlig gleichgültig, ob da eine Fundstelle steht oder nicht.
Als Jurist weiß Guttenberg das. Er weiß: Ein gestohlenes Auto ist und bleibt ein gestohlenes Auto, auch wenn ich auf die Fahrertür "dieses Auto gehört eigentlich Herrn Meier" eingravieren lasse. Wenn Guttenberg das nicht weiß, dann wäre er ein so miserabler Jurist, dass man sich nicht nur fragen müsste, ob er die Doktorarbeit selbst geschrieben hat, man müsste sich fragen, ob er wirklich persönlich zum juristischen Staatsexamen angetreten ist.
Da ich also davon ausgehe, dass Guttenberg das weiß, kann ich nur vermuten, dass er die Bevölkerung gezielt für blöd verkaufen möchte. Für blöd verkaufen über die Tatsache, wann etwas unter das Zitierrecht fällt, und wann es schlichtweg ein Plagiat ist. Und zwar mit oder ohne Fundstelle.
Und das ist der eigentliche Skandal.
Nope, Herrschaften. Dem ist keineswegs so. Auch dann kann es ein Plagiat sein. Und zwar dann, wenn die künstlerische Eigenleistung in den Hintergrund tritt und ein Zitierzweck nicht erkennbar ist.
Zitieren kann ich, um meine Meinung zu bekräftigen. Oder um eine fremde Meinung zu widerlegen. Oder um den Gedanken aufzugreifen und ersichtlich fortzuspinnen.
Kein Zitat ist es, wenn eine Textstelle eben gerade gut passt und etwas treffend formuliert, was man nicht selbst formulieren möchte. Dann eben ist und bleibt es Plagiat, völlig gleichgültig, ob da eine Fundstelle steht oder nicht.
Als Jurist weiß Guttenberg das. Er weiß: Ein gestohlenes Auto ist und bleibt ein gestohlenes Auto, auch wenn ich auf die Fahrertür "dieses Auto gehört eigentlich Herrn Meier" eingravieren lasse. Wenn Guttenberg das nicht weiß, dann wäre er ein so miserabler Jurist, dass man sich nicht nur fragen müsste, ob er die Doktorarbeit selbst geschrieben hat, man müsste sich fragen, ob er wirklich persönlich zum juristischen Staatsexamen angetreten ist.
Da ich also davon ausgehe, dass Guttenberg das weiß, kann ich nur vermuten, dass er die Bevölkerung gezielt für blöd verkaufen möchte. Für blöd verkaufen über die Tatsache, wann etwas unter das Zitierrecht fällt, und wann es schlichtweg ein Plagiat ist. Und zwar mit oder ohne Fundstelle.
Und das ist der eigentliche Skandal.
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